Unterricht einmal anders

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Die Welt der Menschen mit den Augen eines Goldhamsters gesehen. Dietlof Reiche gelingt problemlos der Perspektivwechsel. Den Kindern auch.Foto: Krause

Autoren lesen in der Schule

Langenhorn. Ein Fest für Freddys Gaumen sind Mehlwürmer. Wirklich? Da sind fast alle Kinder der Klassen 4 b und d verblüfft. Hat er einen ausgefallenen Geschmack oder ist gar etwas blöde? Keineswegs. Freddy ist außerordentlich intelligent, männlich, und kann, worauf er sich einiges einbildet, schreiben und lesen. Freddy ist ein lesender Goldhamster, dessen Abenteuer schon zu fünf Bände füllen.
Dietlof Reiche, erfolgreicher Autor von Kinder und Jugendbüchern liest nicht nur vor, er erklärt den Kindern auch, wie er arbeitet – wie bei ihm Bücher entstehen. Der Mann ist Diplomingenieur für Maschinenbau. Vermutlich auch deshalb steht bei ihm immer ein bis ins Detail ausgearbeiteter Ablaufplan am Anfang. Das macht nicht jeder Autor so. Mehr als ein Dutzend Schriftsteller und Schriftstellerinnen waren zum Lesefest in die Grund- und Stadtteilschule ‚Am Heidberg‘ gekommen. So ein Fest bietet die Schule alle drei Jahre ihren Kindern und Eltern an. Die beiden Schulen unter einem Dach sind seit 2011 Kulturschulen. Das verpflichtet. Ob bei Schreibworkshops oder beim Lesesfest – immer geht es darum, die Kreativität der Kinder zu fördern, ihnen Lust zu machen, zu lesen oder gar selbst zu schreiben. Da sind Autoren, die sich erfolgreich im Büchermarkt etabliert haben, spannende Gesprächspartner.
Dietlof Reiche, der ‚Vater‘ des pfiffigen Goldhamsters Freddy, hat daheim lediglich einen Mops, weit und breit keine Spur von Hamster, Meerschweinchen oder Kater. Damit in den Freddy-Büchern alles stimmt, hat er sich ‚schlau‘ gelesen und in Zoohandlungen Gespräche geführt. Ähnlich geht er auch bei anderen Büchern vor. Die Fakten müssen stimmen, erst dann entwickelt er seine Geschichten.
Eine heikle Geschichte ist bei Erwachsenen die Frage nach dem Verdienst. Kaum einer würde den anderen unverblümt danach fragen. Kinder sind pragmatischer. So lautete die erste Frage „Was verdienst Du mit Deinen Büchern“? Reiche schien die Frage zu kennen. Er schilderte den Kindern anschaulich, was für ihn als Bruttoerlös vom Buchpreis bleibt, ob und welche Freiexemplare bereitgestellt werden. „Jedes Mal, wenn eines meiner Bücher verkauft wird, klingelt bei mir sozusagen die Kasse.“ Sie klingelt häufig. Denn Reiche ist ein Schriftsteller, dessen Bücher seit Jahren nicht nur in Deutsch, sondern 16 weiteren Sprachen auf dem Markt sind. Die Kinder sind beeindruckt. In diesem Moment reift vielleicht der Entschluss, selbst später einmal Bücher zu schreiben. (fjk)
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