Weit mehr als nur informativ - Die Zeitungsrunde beim LAB

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Zeitungsrunde: Die Senioren sind immer auf dem aktuellsten Stand. Über die Themen in den Printmedien diskutieren sie jeden Freitag im LAB. Fotos: Lublow
Von Sylvana Lublow
Fuhlsbüttel. Die Griechenland-Pleite, Ehrensold, Handelsabfälle, Scientology oder Jakob Augstein: Es gibt kaum ein Thema, das in der Zeitungsrunde des Fuhlsbüttler Seniorentreffs „Länger Aktiv Bleiben“ (LAB) nicht besprochen und debattiert wird.
Seit 1999 gibt es beim LAB die wöchentliche „Runde für das Zeit(ungs)geschehen“, die von Birgit Langkam geleitet wird. Die 50-Jährige leitete zu dem Zeitpunkt schon seit zwei Jahren die Literaturrunde. „Dort nehmen nur Damen teil und deshalb habe ich mir überlegt, wie und womit man auch die Herren anlocken könnte“, erzählt sie. Die Idee einer Zeitungsrunde entstand. Und das Vorhaben ging auf: Vier von den 15 Teilnehmern sind Männer.
Über tagesaktuelle
Themen wird debattiert
Alle sechs Monate erarbeiten die Teilnehmer gemeinsam mit Birgit Langkam einen Themenplan für das kommende halbe Jahr. Auf diesen Plan kommen Punkte, die entweder zeitlich aktuell sind, wie zum Beispiel Wahlen, oder Themen von inhaltlicher Aktualität, wie Altersarmut, Glück, Arbeiten bis 67 oder Wohnraum. „Circa ein Drittel der 90 Minuten verbringen wir mit dem angekündigten Thema. Danach debattieren wir über die tagesaktuellen Nachrichten und wenn dann noch Zeit ist, wird über Dinge geredet, die den Teilnehmern auf den Herzen brennen“, erklärt Langkam. „Wichtig ist, dass jede Meinung auf den Tisch kommt. Dabei müssen wir nicht zu einem Konsens kommen. Die Diskussionen können auch mal richtig heftig werden“, sagt sie.
Die Senioren lesen regelmäßig regionalen und überregionale Zeitungen, wie die TAZ, die Welt, die Zeit, die Süddeutsche oder das Hamburger Abendblatt. „Frau Langkam stellt uns auch neue Zeitungen vor, wie den ‚Freitag‘ von Jakob Augstein“, sagt Teilnehmerin Ingrid Dahnke.
Echte Streitkultur
Die Senioren kommen gerne zur Zeitungsrunde. „Es ist interessant und informativ. Hier lernen wir zu debattieren und auch mal, unsere eigene Meinung infrage zu stellen“, betont Ingrid Dahnke. Auch Niaz Qureshi ist des Lobes voll: „Ich fühle mich hier sehr wohl, auch als Mann“, scherzt der 76-Jährige, der in Indien geboren wurde und in Pakistan aufwuchs. „Frau Langkam leitet die Runde hervorragend. Es ist spannend und lebhaft. Sie hat hier eine echte Streit-Kultur eingerichtet“, schwärmt er.
„Viele von uns leben allein. Deshalb ist es schön, hier eine Gruppe zu haben, mit der man sich über das austauschen kann, was man in der Zeitung liest oder in den Nachrichten sieht“, sagt Elfriede Borchert, die sogar jede Woche aus Rahlstedt kommt, um der Zeitungsrunde beizuwohnen. Die Teilnehmer sind zwischen 65 und 87 Jahre alt. „Wir finden es immer toll, wenn die beiden ältesten Frauen der Runde von früher erzählen. Das gibt uns einen anderen Blickwinkel auf viele Themen. Sie sind eben echte Zeitzeugen“, sagt Ingrid Dahnke.
Birgit Langkam arbeitet als Honorarkraft beim LAB. Die Germanistin gibt auch Literaturkurse und Kurse im kreativen Schreiben an Volkshochschulen und anderen Institutionen. „Die Zeitungsrunde mache ich sehr gerne.
Es ist ein gutes Gefühl, wenn die Teilnehmer zufrieden hier raus gehen. Und manchmal wird vor der Tür noch weiter diskutiert“, freut sich die Kurs-Leiterin, die sich für die Gruppe nur noch Eines wünscht: mehr Männer.
i Interessierte kommen freitags um 10 Uhr ins LAB in den Fliederweg 7 kommen. Informationen über das weitere Kursprogramm gibt es unter t 592455
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1 Kommentar
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Dennis Rößler aus Barmbek | 13.04.2012 | 09:48  
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