Eilbek: Gemeinde verliert Osterkirche

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Die Osterkirche wird ab Juli des Jahres vom Kirchenkreis verwaltet. Grund dafür ist ein finanzielles Defizit Foto: Grell
 
Pastorin Jutta Jungnickel hatte in der Gemeindeversammlung schlechte Nachrichten zu verkünden Foto: Grell
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Das Gotteshaus und die Gemeinderäume gehen aus finanziellen Gründen an den Kirchenkreis

Von Karen Grell
Eilbek
Pastorin Jutta Jungnickel aus Eilbek hatte am vergangenen Sonntag (5. Februar) nach dem Gottesdienst zu einer Gemeindeversammlung in die Räume der Friedenstraße 2 gebeten. Die Tagesordnung beinhaltete an diesem Vormittag dann aber nur einen einzigen Programmpunkt und der brachte keine guten Nachrichten für die Kirchenmitglieder der beiden Kirchen der evangelisch lutherischen Gemeinde. „Die Osterkirche und die Gemeinderäume müssen aus finanziellen Gründen aus der gemeindlichen Nutzung herausgenommen und dem Kirchenkreis übergeben werden“, verkündete Pastorin Jungnickel mit zitternder Stimme. Auch ihr fiel es sichtlich schwer, diese Nachricht, die bereits ab Juli umgesetzt werden soll, ihren Gemeindemitgliedern zu unterbreiten.

Defizit von 50.000 Euro


Grund für die Maßnahme sei ein strukturelles Defizit von knapp 50.000 Euro jährlich im Haushalt der Gemeinde. Pastorin Jungnickel erläuterte dabei detailliert die laufenden Kosten für die Osterkirche, das Gemeindehaus und die Friedenskirche sowie den internen Prozess, der seit 2015 läuft und mit vielen Sitzungen und Diskussionen schließlich zu dieser bitteren Entscheidung geführt hatte. Die Kosten für den laufenden Betrieb der Osterkirche betragen, laut Jungnickel 30.000 Euro im Jahr und setzen sich aus Reinigungskosten, personellen Stellen, wie die des Hausmeisters und den relativ hohen Stromkosten zusammen. Die Kirche wird mit Nachtspeicheröfen beheizt und dies geschieht auch nachts. Zudem wird sie durchgängig angestrahlt. „Außerdem ist die Gemeinde nicht in der Lage, den für die Erhaltung erforderlichen Betrag von 1,5 Prozent des Feuerkassenneubauwertes im Haushalt zurückzustellen“, erklärte Jutta Junknickel weiter. Die Gemeinde, samt Förderverein konnte es trotz großer Sparmaßnahmen nicht schaffen, die Kirche dauerhaft zu finanzieren. Man habe in den vergangenen Jahren personelle Einsparungen hinnehmen müssen und von einst drei Pastoren sei am Ende nur eine einzige Stelle übrig geblieben.

Offen, wie es weitergeht


Wie es nun weitergehen soll und ob die Räume für die aktuellen Kurse und Zusammenkünfte auch nach der Übergabe an den Kirchenkreis von den jetzigen Mitgliedern noch genutzt werden können, weiß bisher niemand. Ingeborg Sörensen, die seit 1962 in die Osterkirche kommt und selber einmal Küsterin dort war, trifft die Nachricht von dem Verlust der Kirche an den Kirchenkreis hart. „Das ist ein richtiger Stich ins Herz“, so die über Neunzigjährige, die im Ruckteschellheim gleich neben den Gemeinderäumen lebt und auch den Weg in die Friedenskirche nicht mehr schaffen könnte. „Ich bin ja gehbehindert und kann nicht einfach zu Fuß diese Strecke zurücklegen“, so Sörensen. Zudem höre sie schlecht und könne aufgrund der Akustik in der riesigen Friedenskirche kaum etwas verstehen.

Andere Mitglieder, die an diesem Morgen von der traurigen Nachricht erfahren mussten, sind sprachlos. Wieder andere hoffen, dass die Entwicklung vielleicht, durch das Einwerben zusätzlicher Gelder, noch aufzuhalten sei. „Diese Diskussion um die beiden Kirchen, kenne ich seit vielen Jahren“, sagt Ottfried Gagelmann, der immer noch davon überzeugt ist, dass man hier am Standort beide Kirchen brauche. Gerade die Nähe der Osterkirche zum Ruckteschellheim sei so wichtig und die Senioren, von denen viele unter körperlichen Einschränkungen leiden, seien gar nicht in der Lage den weiten Weg zur Friedenskirche auf sich zu nehmen, deren Gemeinderäume auch nicht einmal barrierefrei sind. „Wir könnten Fahrdienste zur Friedenskirche einrichten“, schlägt Pastorin Jungnickel vor. Andere hoffen auf eine Kooperation mit dem Ruckteschellheim und den Gemeinderäumen, damit vielleicht die Veranstaltungen, wie Flohmarkt, Kirchenladen und die vielen Oster-, Weihnachts- und Geburtstagscafés dort weiterhin stattfinden könnten.

Als Gotteshaus erhalten


„Die Osterkirche, die auch unter Denkmalschutz steht, wird auf jeden Fall als christliches Gotteshaus erhalten bleiben“, verspricht Jungnickel, wie es weitergeht kann sie aber an diesem Morgen nicht konkret beantworten. „Für mich ist das hier ein so wichtiger Ort“, bedauert Ingeborg Sörensen die momentane Situation und sie könne sich nicht vorstellen, wie es sonntags ohne Gottesdienst und ohne die vielen schönen gemeinsamen Veranstaltungen für sie weitergehen soll. Die Versammlung endete an diesem Morgen mit der Gewissheit, dass alle Mitglieder „sehr traurig über den Verlust sind“.

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