Gedenktafel erinnert an Paul Abraham

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„Die Blume von Hawaii“ sang Operntenor Frieder Stricker vor der Enthüllung der Gedenktafel für Komponist Paul Abraham. Operndiva „Emmi“ alias Christoph Dompke hielt eine Gedenkrede auf Abraham Foto: Hanke
Hamburg: Klosterallee 80 |

Operettenkomponist lebte an der Klosterallee. Enthüllung mit Gesang

Harvestehude Nieselregen in Harvestehude, typisches Hamburger Schmuddelwetter. An der Ecke Klosterallee/Isestraße schmettert der gefeierte Operntenor Frieder Stricker, langjähriges Mitglied der Staatsoper, der Tristesse „Die Blume von Hawaii“, entgegen, Titelsong einer einst gefeierten Operette von Paul Abraham (1892-1960). Kurz darauf enthüllen Peter Hess und Musik-Professor Peter Petersen eine Gedenktafel neben dem Eingang des Hauses Klosterallee 80 für den jüdischen Operettenkomponisten, der Anfang der 1930er Jahre der gefragteste Komponist seiner Zeit war. „Viktoria und ihr Husar“, „Die Blume von Hawaii“, „Ball im Savoy“ – die Melodien dieser Operetten kannte damals jedes Kind.

Schweres Schicksal

Der Komponist erlitt ein schweres Schicksal, stürzte vom höchsten Ruhm in Krankheit und geistige Umnachtung. Der gebürtige Ungar Abraham, im donauschwäbischen Arpad (heute Serbien) aufgewachsen, wurde 1930 durch eines seiner Lieder, das Willy Fritsch interpretierte („Bin kein Hauptmann, bin kein großes Tier“) auch in Deutschland bekannt. Er siedelte nach Berlin über, wo er seine größten Erfolge feierte. 1933 zog Abraham zunächst nach Ungarn zurück, arbeitete dann in Wien, und emigrierte 1938 nach Paris und 1939 über Kuba in die USA. Dort konnte er nie Fuß fassen, erkrankte schwer an der Syphillis und wurde 1946 in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Ein Hamburger „Paul-Abraham-Komitee“ holte ihn 1956 nach Hamburg, wo er mit seiner aus Ungarn zugereisten Frau bis 1960 an der Klosterallee 80 lebte. Vom Leben des Paul Abraham berichtete bei der Gedenktafelenthüllung der Musikwissenschaftler Dr. Christoph Dompke, auch als Kabarettist und „Opendiva“ Emmi bekannt. Natürlich im bunten divenhaften Outfit. „Abraham war sehr modern, kombinierte die Operette mit Jazz“, berichtete Emmi. Und am Ende erscholl noch einmal Frieder Strickers starke Stimme im Nieselregen: „Mausi, süß warst du heute Nacht!“ Die Gedenktafel ist die achte, die Peter Hess, auch Organisator der Stolpersteinverlegungen in Hamburg, für berühmte Persönlichkeiten der Stadt stiftete und entwerfen ließ. (ch)
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