Streit um den Damenbart

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Damenbart (Foto: http://bit.ly/1yyIwYY)
Der Bart muß ab. Aber wer zahlt? Ja wohl kaum die Krankenkasse!

EIn Damenbart kann schon sehr störend sein und das Selbstbewußtsein schwer ankratzen



So auch im Falle einer 19-jährigen Frau, der eine Störung ihres Hormonhaushaltes eine kräftige Haarpracht an den Wangen und um den Mund bescherte. Die übliche Hormonterapie brachte keine Besserung.

Also ging sie sich in einem Krankenhaus zur Beratung über weitere Therapiemöglichkeiten. Dort stelte man Besserung durch eine Laserbehandlung in Aussicht. Allerdings sei dies keine "Kassenleistung" und müsse wohl von ihr selbst getragen werden. 600 € kämen auf sie zu.

Immerhin wurde ihr in einer Stellungnahme der Klinik die medizinische Notwendigkeit der Behandlung bescheinigt.

Die junge Frau legte dieser ihrer Krankenkasse mit der Bitte vor, die Kosten zu übernehmen. Die Krankenkasse wiederum leitete das Anliegen dem medizinischen Dienst (MDK) zur Begutachtung vor.

Wie nicht anders zu erwarten, lehnte der MDK ab. Die Wirksamkeit der Behandlung sei nicht belegt. Sie könne den Damenbart durch Elektrokoagulation entfernen lassen. Eine zeitaufwändigere und schmerzhaftere Methode.

Die Frau klagte- und bekam recht!

Zwar gehöre die Entfernung eines Damenbartes nicht zum Leistungsumfang der gestezlichen Krankenkassen. so die Richter des Sozialgerichtes in Augsburg. Aber es gibt eben auch Vorschriften.
Und die besagen, daß ein Antrag innerhalb bestimmter Fristen bearbeitet, bzw. beschieden werden muß (§13, Abs. 3a SGBV).

Krankenkassen werden damit verpflichtet, sich innerhalb von 3 Wochen zu entscheiden. Schalten sie den MDK ein, dürfen es auch 5 sein

Werden die Fristen nicht eingehalten, dann gelte der Antrag automatisch als genehmigt und die Kasse muß die Kosten übernehmen. (AZ S12 KR 183/14

Diese Fristen hatte die betroffene Krankenkasse locker gerissen und wurde damit verpflichtet die Entfernung des Damenbartes zu bezahlen. Obwohl das nicht zu ihren Leistungen gehört.

Eine Revision. also der Gang zu einem höheren Gericht, wurde nicht zugelassen. Denn für das Sozialgericht war der Fall so eindeutig, daß es keine Notwendigkeit sah, daß sich eine weitere Instanz mit diesem Fall befassen müsse.

Die Sache ist noch nicht ganz vom Tisch, denn die Krankenkasse hat beim Bayrischen Landessozialgericht "Nichtzulassungsbeschwerde" eingereicht.

Das Landessozialgericht soll also prüfen, ob doch eine Revision zugelassen werden muß.

Wird dies verneint, dann gibt es Zunder für die Kassen. denn dann müssen sie auch Leistungen bezahlen, die nicht "im Katalog" stehen, wenn sie bei den Kostenübernahmebescheiden trödeln.

Es bleibt also spannend.

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