Letzte Ruhestätte auch für Muslime

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Die muslimischen Gräber in Öjendorf sind alle Richtung Mekka ausgerichtet Foto: fbt
Hamburg: Manshardtstraße 200 |

Friedhof Öjendorf eröffnet neues muslimisches Gräberfeld – der Bedarf in Hamburg steigt

Hamburg-Billstedt Immer mehr Menschen muslimischen Glaubens lassen sich in Öjendorf bestatten. Jetzt wurde ein weiteres Feld angelegt, auf dem die Grabstellen nach Mekka ausgerichtet sind. Die Unterschiede zur sonst üblichen Bestattungskultur sind deutlich: Alle Gräber sind nach Osten ausgerichtet. Oft gibt es auf muslimischen Gräbern zweisprachige Beschriftungen mit deutschen und arabischen Buchstaben, manchmal steht ein Stuhl am Grab, auf einem liegt sogar ein Kissen, es gibt Fotos, Blumen, ein Püppchen. Muslime können in Hamburg auf dem Ohlsdorfer Friedhof und hier in Öjendorf Beerdigungen nach ihrem Ritus feiern. Die muslimischen Grabfelder im Süden des Öjendorfer Friedhofs strahlen Frieden und Würde aus: In östlicher Richtung ist noch viel Platz. Mit Sitzbänken und Blenden sind schon in einzelne Reihen abgeteilt, die noch nicht belegt sind.

Lange Tradition in Öjendorf

Muslimische Bestattungen in Öjendorf haben schon eine ziemlich lange Tradition: Die ersten fanden, wie Friedhofssprecherin Hedda Scherres mitteilt, bereits 1978 statt. Vor acht Jahren wurde der Friedhof nach Süden erweitert, es entstand das Grabfeld 501 für muslimische Trauerfeiern, nach ein paar Jahren kam Grabfeld 502 hinzu. Nun ist ein weiteres angelegt worden. Nach Angaben von Scherres gibt es im Feld 501 immerhin 780 Grabstätten, im Bereich 502 sind es knapp 700 Grabstätten, von denen 98 noch frei sind. „Die Anzahl der muslimischen Bestattungen nimmt ständig zu“, sagt Scherres. 250 waren es im letzten Jahr.

250 Beerdigungen nach muslimischen Ritual

Olaf Leguttky von der Geschäftsstelle des Öjendorfer Friedhofs stellt die beeindruckenden Anzahlen multireligiöser Bestattungen vor: Knapp 3.000 Beerdigungen finden im Jahr in Öjendorf statt. Der größte Anteil davon ist evangelisch, nur 30 katholisch. Rund 30 Beerdigungen wurden nach serbisch-orthodoxem Ritus oder nach vietnamesischen Traditionen gefeiert, 250 nach muslimischen Ritual. In Öjendorf kann sich jeder Glaubensrichtung bestatten lassen. Muslimische Beerdigungen werden nicht nur aus Hamburg, sonder sogar aus dem Ausland angemeldet. Unter Muslimen selbst gibt es durchaus unterschiedliche Meinungen, was Bestattungen in Hamburg angeht. Ali Ballout vom Libanesischen Kulturverein erklärt dem Hamburger Wochenblatt, es sei abhängig von der Situation im Heimatort, wo sich Muslime bestatten ließen, „aber es ist gut, dass es diese Möglichkeit in Hamburg gibt.“ Denn der Islam empfehle die Bestattung an dem Ort des Sterbens. Muslime würden überdies sehr zügig beerdigt: „Damit tut man dem Toten einen Gefallen“, sagt Ballout. Der Tote wird nach der muslimischen Tradition nach einer rituellen Waschung in zwei Tücher eingewickelt und ohne Sarg in das Grab gelegt. Der Kopf des Leichnams ruht dabei auf einem Stein und wird mit Blättern zugedeckt – danach wird das Grab zugeschaufelt. (fbt)

Weitere Infos: Friedhof Öjendorf
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5 Kommentare
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Philipp Anz aus Rothenburgsort | 15.08.2017 | 18:55  
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Rainer Stelling aus St. Georg | 16.08.2017 | 07:13  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 16.08.2017 | 18:48  
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Rainer Stelling aus St. Georg | 17.08.2017 | 14:20  
1.360
Elke Noack aus Rahlstedt | 17.08.2017 | 18:09  
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