Wie sicher sind Hamburgs Hochhäuser?

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Die Hamburger Hochhäuser gelten als sicher. Neu errichtete müssen sogar einen Feuerwehr- aufzug haben Foto: Timm

Hohe Standards: Senat lässt Fassaden auf Brennbarkeit prüfen

Von Frank Berno Timm
Billstedt

In zwei Billstedter Hochhäusern hat es in den letzten Wochen gebrannt. Die Ereignisse in London, wo ein Wohnturm Raub der Flammen wurde, haben für Entsetzen gesorgt. Bewohner von Hochhäusern fragen sich jetzt, wie sicher Hochhäuser in Hamburg sind.

Der Gestank ist hartnäckig. Er verzieht sich auch Tage nicht, nachdem es in einem Hochhaus am Sonnenland gebrannt hat. Mitten in der Nacht brannte es auf dem untersten Absatz vor der Feuerschutztür im Keller. Eine schwarze Rußschicht zieht sich heute noch bis in den ersten Stock hinauf. Der Schaukasten im Erdgeschoss für die Mieter ist immer noch schwarz. Selbst weit oben im Treppenhaus sind die Ecken verrußt.

Fluchtwege freihalten

Tagelang ist eine Spezialfirma damit beschäftigt, die Wände wieder zu reinigen – die Decken im Keller und Erdgeschoss müssen neu gestrichen werden. Aber glücklicherweise kam es nicht zur Katastrophe, wie in London, was auch den besonders strengen Brandschutzbedingungen in Deutschland zu verdanken ist.
Das Gebäude im Sonnenland gehört, wie viele Hochhäuser der städtischen Wohnungsbaugesellschaft SAGA. Deren Sprecher Gunnar Gläser versichert, die Häuser des Unternehmens entsprächen den gesetzlichen Bestimmungen und würden „fortlaufend in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden durch externe Sachverständige“ überprüft. Hauswarte seien zum Brandschutz geschult und „führen regelmäßige Kontrollen der Treppenhäuser, Kellerräume und anderer Gebäudeteile“ durch. So werde dafür gesorgt, dass Fluchtwege nicht blockiert seien oder „Brandgefahren durch abgestellten Unrat“ entstünden.
Im Sonnenland ist der Brand durch ein Elektrogerät entstanden, das unter der Treppe abgestellt gewesen sei „trotz regelmäßiger Kontrollen unserer Hauswarte“. Der Polizeisprecher René Schönhard stellt klar: Wer Rauch wahrnehme, sei verpflichtet, den Notruf zu wählen.

Zusätzliche Prüfung angesetzt

Aufgrund des Hochhausbrandes in London haben die Feuerwehr Hamburg und die Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen aktuell vereinbart, die Fassadendämmung aller Hochhäuser in Hamburg zusätzlich zu den normalen „Brandsicherheitsschauen“ zu überprüfen. Senatorin Dr. Dorothee Stapelfeldt will sicher sein: „Für Hochhäuser gilt, dass Fassaden und Fassadendämmungen nicht brennbar sein dürfen. Gleichwohl wollen wir alles dafür tun, dass ein solches Unglück wie in London nicht auch in Hamburg geschehen kann.“
In den kommenden Tagen wird das Amt für Bauordnung und Hochbau daher alle Eigentümer von Hochhäusern anschreiben und bitten, die am Gebäude verbaute Fassadendämmung im Hinblick auf die Nichtbrennbarkeit zu überprüfen und innerhalb von vier Wochen eine Rückmeldung zu geben.

In Deutschland müssen hohe Sicherheitsstandards eingehalten werden. Alle Häuser von mehr als 22 Meter vom Fußboden bis zum obersten Geschoss gelten als Hochhäuser, wovon es in Hamburg 611 gibt. Beim Bau von Hochhäusern dürfen nur schwer entflammbare Materialien verbaut werden. Feuerwehrsprecher Jan-Ole Unger erklärt: In jeden zweiten Stock muss eine sogenannte Brandsperre eingebaut werden, damit der Brand nicht von Stock zu Stock springen kann. Hochhäuser werden turnusmäßig in sogenannten Brandsicherheitsschauen untersucht, ob ihre Nutzung weiterhin sicher ist. Festgestellte Mängel sind von den Gebäudeeigentümern zu beseitigen, ansonsten drohen Bußgelder oder gar die Stilllegung. Hochhäuser werden alle fünf Jahre kontrolliert, die technischen Anlagen für die Löscharbeiten sogar alle drei Jahre.

Zwei Rettungswege Vorschrift

Die Hamburger Bauordnung schreibt laut Feuerwehr für Hochhäuser zwei unabhängige Rettungswege vor. Bei mehrstöckigen Häusern, muss der erste Rettungsweg über eine Treppe führen. Der zweite Rettungsweg kann für Wohngebäude bis zu 22 Metern Höhe durch Rettungsgeräte der Feuerwehr geschaffen werden (um Beispiel Drehleiter), „wenn Feuerwehraufstellflächen gemäß Richtlinie“ vorhanden sind. Gibt es diese nicht, müssen zwei unabhängige Treppen oder ein Treppenraum existieren, in den kein Feuer eindringen könne. Eine Drehleiter reicht allerdings nur bis zu 20 Meter hoch (ca. 8. Stock). Sogenannte Druckbelüftungs- und Sprinkleranlagen sind in modernen Hochhäusern Standard.

Rauchmelder und Hydranten

Hochhäuser bis 60 Meter Höhe müssen zwei Treppenräume oder einen Sicherheitstreppenraum haben – über 60 Meter müssen alle Sicherheitstreppenräume haben. Neben den Rauchmeldern müssen auch Wandhydranten an Steigleitungen existieren und bei Neubauten muss zusätzlich ein Feuerwehraufzug installiert werden. Werden diese Sicherheitsmaßnahmen eingehalten, sollte „nach menschlichem Ermessen“, eine solche Katastrophe wie in London vermieden werden können.
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