Per Funk um die Welt

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Hasso Schumacher nutzt modernste Computerprogramme. Ein Relikt aus vergangenen Zeiten: der Telereader
 
Hasso Schumacher in seiner Funkbude, dem „shack“ (Dachboden) und an der Clubstation etwa Anfang der 60er Jahre Fotos: privat

Call DJ7FN: Völkerverständigung auf die etwas andere Art

Von Christa Möller

RAHLSTEDT. Bei Hasso Schumacher piept’s: Zwei Töne sind im Wechsel zu hören und ergeben eine besondere Melodie. Deren Sinn erschließt sich dem Funkamateur dank modernster Computerprogramme, welche die empfangenen Tonsignale in Text umwandeln. Schumacher ist einer von 40 Mitgliedern des 1969 von ihm mitgegründeten DARC Ortsverbandes E 14 = Hamburg-Ost.

DARC steht für Deutscher Amateur Radio Club, der die Funkamateure in Deutschland, aufgeteilt in 24 Distrikte mit weit über 1000 Ortsverbänden, betreut. Damals hatte der Club seinen Sitz noch auf der Horner Rennbahn. „Immer beim Derby mussten die Antennen abgebaut werden“, erinnert sich der Rahlstedter.
Einmal monatlich, an jedem dritten Dienstag um 19 Uhr, treffen sich Schumacher und seine Funkerfreunde aus Jenfeld, Rahlstedt, Berne und den angrenzenden Stadtteilen im Jenfeld-Haus zum Fachsimpeln. Alle hatten etwa ein Jahr lang Kurse belegt und eine Prüfung bei der Bundesnetzagentur abgelegt und sind im Besitz des Amateurfunkzeugnisses – Voraussetzung dafür, Sender besitzen und Funkbetrieb machen zu dürfen. 74.780 Rufzeichen, so genannte Calls, sind in Deutschland vergeben, wobei einige Funkamateure zwei Lizenzen besitzen, für sich und eine Clubstation. „Wenn ich ein Call höre, weiß ich, wo derjenige wohnt“, erklärt Schumacher, dessen Call DJ7FN lautet.

Wer Mitglied im DARC ist, bekommt neben fachlicher Unterstützung jeden Monat eine Ausgabe der Mitgliederzeitschrift „CQDL“ und ist über den Club auch haftpflichtversichert. Im Gegensatz zu den Funkamateuren dürfen CB-Funker nur auf UKW senden. „Das ist in Zeiten des Handys etwas aus der Mode gekommen, aber es gibt noch einige.“

Weltweit gibt es drei Millionen Funkamateure, allein in Japan leben 1,2 Millionen, wie Schumacher weiß. Seinen Club gab es schon 1925, nach dem Krieg wurde er neu gegründet. Die Begeisterung für dieses Hobby, das er übrigens mit seiner Frau teilt, packte Hasso Schumacher schon früh, bereits mit zehn Jahren bastelte der Hamburger, der in Borgfelde aufgewachsen ist, sein erstes Radio. Der Detektorapparat lief ohne Strom. Dank Antenne und Verbindung zur Wasserleitung konnte er Mittelwellensender hören und später mit einem Audion „so herrliche Quietschgeräusche im Radio meiner Eltern machen – die wussten gar nicht, wo das herkommt...“ Nahrung fand seine Funkbegeisterung durch die Lektüre der „Lehrmeisterhefte“.

Dass er heute noch lebt, verdankt der 87-Jährige übrigens einer vermasselten Prüfung: Ursprünglich wollte er aufs Gymnasium gehen, so blieb jedoch nur die Realschule. Weil sein Klassenlehrer dafür sorgte, dass alle an der Kinderlandverschickung teilnahmen, war Hasso Schumacher in Sicherheit, als sein Elternhaus den Bomben zum Opfer fiel. Neigungsgemäß konnte er seinen Einsatz im Krieg bei den Nachrichtenleuten leisten, wie er sagt. Bedauerlicherweise habe es allerdings bei der Flak keinen Funk gegeben.

Nach dem Krieg machte er eine Ausbildung zum Feinmechaniker und holte das Abitur an der Abendoberschule nach, er wollte Ingenieur werden. Weil er keinen Studienplatz bekam, machte er eine weitere Lehre in der Kanzlei eines Wirtschaftsprüfers. Seine berufliche Laufbahn beendete Schumacher als Vize-Abteilungsleiter der Finanzbuchhaltung eines Konzerns.

Der Computer spielt heute bei den Funkamateuren eine wichtige Rolle. Wurden früher einhundert Watt oder mehr benötigt, um bestimmte Gegenden zu erreichen („da war schon mal das Fernsehbild weg“), reichen heute schon 25 oder weniger Watt „und man kommt um die Welt“. Dank des Computers interessieren sich inzwischen wieder vermehrt jüngere Technikbegeisterte für den Amateurfunk und das Basteln mit elektronischen Schaltungen und Bausätzen. Ein weiterer Aspekt: Während manches Handy mangels Netz draußen in der Natur eisern schweigt, ist Funkkontakt immer möglich. Übrigens ist Funkbetrieb auch über Amateurfunk-Satelliten möglich. „Es ist immer ein Highlight, wenn wieder eine Funkverbindung mit einer Amateurfunkstation (meist einer Schule) zustande kommt.“

Infos beim Ortsverbandsvorsitzenden Fritz Schneider, Telefon 653 03 10; www.darc.de/der-club/distrikte/e/referate/oeffentlichkeitsarbeit/medien/
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