„Serenade“: Digitales Gedenken

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"Schrei 11:38 Uhr", 2016, Tusche auf Papier, 48 x 36cm; ©: Konstanze Sailer
Hamburg: Galerie Kunstpavillon |

Kunstinitiative „Memory Gaps ::: Erinnerungslücken“ von Konstanze Sailer gedenkt NS-Opfern mit Ausstellungen in Straßen Hamburgs, die es geben sollte.

Hugo Strauss (* 11. Juni 1869 in Hamburg; † 31. März 1944) war ein deutscher jüdischer Komponist und Dirigent. Strauss lebte und arbeitete vorwiegend in Berlin und wurde 1935 von der Mitgliedschaft in der Reichsmusikkammer ausgeschlossen. Danach war er Orchesterleiter eines Erwerbslosen-Künstlerorchesters und nahm, trotz Berufsverbot, Engagements als Pianist und Dirigent von Tanzkapellen an. Als ihm auch diese Möglichkeiten durch Kontrollen entzogen wurden, waren er und seine Frau als Arbeiter in Berlin tätig. Hugo Strauss wurde am 9. März 1944 in das Konzentrationslager Dachau deportiert, wo er am 31. März 1944 ermordet wurde.

Bis zum heutigen Tag existiert in Hamburg keine Straße, die seinen Namen trägt. Hingegen ist nach Theodor Heynemann nach wie vor eine Straße in Hamburg-Langenhorn benannt. Der an der Universität Hamburg lehrende Gynäkologe Heynemann war bekennender NS-Eugeniker, NSDAP-Mitglied und einer der für Zwangssterilisationen in Hamburg verantwortlichen Ärzte, der diese auch persönlich durchführte. Anstelle von Theodor Heynemann sollte künftig in Hamburg an Hugo Strauss erinnert werden.

Die Kunstinitiative der deutsch-österreichischen Malerin Konstanze Sailer wird mit einer weiteren Ausstellung von Tuschen auf Papier in virtuellen Räumen eröffnet. Die Galerien befinden sich ausnahmslos in Straßen oder an Plätzen, die es nicht gibt, die es jedoch geben sollte: Solche mit Namen von Opfern der NS-Diktatur. Monat für Monat wird so das kollektive Gedächtnis erweitert. Monat für Monat werden damit Erinnerungslücken geschlossen.

Memory Gaps ::: Erinnerungslücken zeigen eine Auswahl aus tausenden Tuschen auf Papier aus zehn Jahren. Sie stellen Schreie und Aufschreie von Opfern dar. Zum schmerzerfüllten Aufschrei geöffnete Münder und Kiefer. Abstrakte Darstellungen von Schreien in Ghettos, Konzentrationslagern und NS-Tötungsanstalten – gemalte Erinnerungskultur. Seit drei Jahrzehnten arbeitet die in Wien lebende Künstlerin zu den Themen Antlitz, Schädel und Tod. Tusche auf Papier wurde als Technik gewählt, um der "Filigranität" jener „Papierfetzen“ nachzuempfinden, auf denen in Konzentrationslagern inhaftierte Künstler – zumeist im Geheimen – ihre Kunstwerke herstellten.

Ausstellung "Serenade", Galerie Kunstpavillon, Hugo-Strauss-Weg 44, 22419 Hamburg Langenhorn
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