Stadtteilkultur in Hamburg in großer Geldnot

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Praktikant Ruslan Vavilov (v.l.), Geschäftsführerin Christiane Orhan und Mitarbeiterin Nadja Wolff engagieren sich im Kulturladen St. Georg Foto: sos

Deutscher Kulturrat ist alarmiert und warnt: Die Lage ist existenzbedrohend

Hamburg Der Deutsche Kulturrat schlägt Alarm: „Die Hamburger Stadtteilkultur befindet sich in einer existenzbedrohend schwierigen Lage“, heißt es. Zwar sei kürzlich eine Erhöhung der Mittel von 800.000 Euro angekündigt worden, diese Summe aber decke nur einen Teil des Bedarfs, erklärt Corinne Eichner, Geschäftsführerin des Dachverbands Stadtkultur Hamburg: „Wir freuen uns, dass Mittel für die Stadtteilkultur bereit gestellt werden, aber wir benötigen mindestens 3,9 Millionen Euro, um unsere Aufgaben zu erfüllen. Es ist eine große finanzielle Lücke da und wir haben schon lange darauf hingewiesen, dass es eine unhaltbare Situation ist.“ Der Deutsche Kulturrat hat die Hamburger Stadtteilkultur daher auf die Rote Liste der bedrohten Kultureinrichtungen gesetzt. Eichner warnt: „Hamburg muss aufpassen, dass die Stadtteilkultur nicht verloren geht, denn sie trägt enorm viel zum Zusammenhalt bei.“ Der Kulturladen in St. Georg zum Beispiel hat es sich zur Aufgabe gemacht ein „Ort der Vielfalt“ für alle Altersgruppen aus dem Viertel und darüber hinaus zu sein. Im zweistöckigen Haus in der Alexanderstraße können auch sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen kostenlose oder besonders günstige Angebote wahrnehmen. Die Frage ist nur: Wie lange noch? Geschäftsführerin Christiane Orhan hangelt sich alljährlich von Projektgeld zu Projektgeld, wie sie berichtet. Laut Orhan werde es immer schwieriger, den Kulturbetrieb im Kulturladen aufrecht zu erhalten und „dieses Jahr werden wir mit einem großen Minus abschließen“, bedauert sie außerordentlich. Selbsthilfegruppen, musikalische Workshops, Jugendtanzgruppen und Sprachkurse sind nur einige Beispiele für weitere Angebote des Kulturladens. Die Mieteinnahmen seien gering, die meisten Räume stelle der Kulturladen kostenfrei oder gegen einen geringen Abschlag zur Verfügung. Ähnliches gelte für Jugend- oder Seniorenprojekte. „Wir müssen jedes Mal gucken woher wir die Gelder bekommen, damit wir diese Angebote überhaupt finanzieren können.“ Eine institutionelle Förderung decke zwar den Jahresetat des Kulturladens um rund 60 Prozent ab, alles weitere aber müsse der Kulturladen mühsam über Projektgelder, Spenden, Raummieten und Eintrittsgelder bei Veranstaltungen akquirieren. Für Neuanschaffungen sei derzeit kaum ein Cent übrig. „Wir haben die letzten Jahre nichts investieren können. Dabei benötigen wir eine neue Gesangsanlage und weitere Technik. Auch einige Räume müssten renoviert werden“, sagt Orhan. „Demnächst entfällt außerdem eine Förderung durch die Bürgerstiftung Hamburg“, berichtet sie enttäuscht. „Jetzt müssen wir leider wieder sämtliche Stiftungen abklappern, um unser Angebot wie gewohnt aufrechtzuerhalten.“ (sos)
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1 Kommentar
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Rainer Stelling aus St. Georg | 26.09.2016 | 15:47  
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