Abriss und Neubau

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Das Schröder-Stift wurde in den 1970er-Jahren gebaut. Heute ist es sanierungsbedürftig. Das dafür notwendige Geld soll durch Wohnungsbau aufgebracht werden Repro: sos
 
Der Plan zeigt die bisherige Lage der Häuser (gestrichelt) sowie dieLage der geplanten neuen Bauten Repro: sos (blau)

Pläne für Schröderstift-Wohnanlage am Kiwittsmoor stoßen auf Widerstand

Von Sonja Schmidt
Langenhorn
Das Interesse war groß, die Stimmung gereizt. Rund 100 Bewohner und Anwohner des Schröderstifts Langenhorn waren zur öffentlichen Plandiskussion in die nahe Kapelle gekommen um mit dem Stadtentwicklungsausschuss der Bezirksversammlung Hamburg-Nord und den zuständigen Planern über das Bauvorhaben für die neue Wohnanlage am Kiwittsmoor zu diskutieren. Geplatzte Heizungsrohre, undichte Balkone und abstürzende Kacheln an den Außenwänden – die Bausünden der 70er-Jahre rächen sich und die Stiftswohnungen weisen laut einem Gutachten erhebliche Mängel auf. Da eine Komplettsanierung aufgrund fehlender finanzieller Mittel nicht möglich ist, wurde in Zusammenarbeit mit der Hamburger PGH Planungsgesellschaft Holzbau der Abriss und Wiederaufbau der 256 Stiftswohnungen geplant. Außerdem sollen auf dem Gelände weitere 270 öffentlich geförderte Wohnungen neu geschaffen werden.

Umzug innerhalb des Geländes


Um einen Umzug der Stiftsbewohner auf dem Gelände zu ermöglichen, sollen die alten Häuser erst nach Fertigstellung der neuen Wohneinheiten abgerissen werden. „Wir waren erschüttert, als wir von dem Bauvorhaben erfahren haben“, sagte eine Bewohnerin. Die aufgeregte Stimmung sei verständlich, so Angelika Mißfeldt vom Schröderstift-Vorstand. „Jedoch geht es um das Überleben unserer Stiftung“. Der Entschluss, einen Teil des Grundstücks an ein Wohnungsbauunternehmen abzutreten, sei die bestmögliche Alternative gewesen. „Sonst hätten wir bald alle auf der Straße gestanden“, ergänzte Geschäftsführerin Gabriele Jacobsen. „Glücklicherweise haben wir einen Investor gefunden, der soziales Verständnis hat.“
Nur so ist weiterhin bezahlbarer Wohnraum für ältere Menschen möglich.“ Die zukünftigen 1-Zimmer-Wohnungen sollen mit 42 Quadratmetern zwar etwas größer werden als die bisherigen, dafür aber im Vergleich dank moderner Bauweise kostensparender sein. Alle Wohnungen werden barrierefrei ausgebaut und über einen Fahrstuhl zu erreichen sein. „So haben die Menschen in Zukunft die Möglichkeit, zu Hause gepflegt zu werden“, so Jacobsen. Auch der CDU-Bezirksabgeordnete Nizar Müller bewertet die Pläne positiv: „Das Konzept ist eine Chance für die Entwicklung des Stadtteils.“
Kritik an Bebauung
Der Bauentwurf sieht eine Dreiteilung des Grundstücks vor. Die Stiftswohnungen rücken in den östlichen Teil nahe dem Naturschutzgebiet und die Familienwohnungen an die Straße Kiwittsmoor. In der „Grünen Mitte“ soll eine Freifläche entstehen die „eine Begegnung zwischen Jung und Alt ermöglicht“, so Stadtplaner Torben Sell. Doch im einstündigen Austausch regte sich Unbehagen. Er sei „zornig“ und „fassungslos“ über die geplante vier- bis siebenstöckige Bauweise, sagte ein Bewohner – und erntete Applaus. Am stärksten diskutiert wurde die hohe Bebauungsdichte und die Sorge über zu wenig Sonnenlicht in den Wohnungen. „Für diesen Standort ist das eine angemessene städtebauliche Dichte“, sagte Sell. Die Angst vor zu hoher Lärmbelästigung beschwichtigte Hans-Peter Boltres vom Fachamt Stadt- und Landschaftsplanung des Bezirks Nord mit dem Hinweis auf ein geplantes Lärmgutachten. „Ich gehe davon aus, dass es nicht so laut wird, dass man hier nicht mehr wohnen kann.“
Finaler Plan kommt
Die öffentliche Plandiskussion wird im nächsten Stadtentwicklungsausschuss am 26. November ausgewertet. Auf dieser Basis wird ein zweiter Entwurf erstellt und danach für einen Monat im Fachamt Stadt- und Landschaftsplanung des Bezirks-
amts ausgelegt.
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