Am Flughafen Fuhlsbüttel wird’s immer lauter

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Der Anflug auf den Hamburger Flughafen ist für Bürger mit Lärm verbunden Fotos: Geoportal, Thinkstock; Montage: wb/Wessels

Fast 20.000 Lärmbeschwerden allein im ersten Halbjahr. Trauriger Rekord für Hamburg

Hamburg-Fuhlsbüttel Einen traurigen Rekord hat der Hamburger Flughafen nach Ansicht der „BAW Bürgerinitiative für Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein“ in den ersten sechs Monaten in diesem Jahr aufgestellt: Mit fast 20.000 lag die Zahl der Lärmbeschwerden im ersten Halbjahr rund dreimal höher als im gesamten vergangenen Jahr, so der Sprecher der Initiative, der Lemsahler Martin Mosel (50), gegenüber dem Wochenblatt. Außer dem Bezirk Nord (6691 Beschwerden), in dem der Flughafen Fuhlsbüttel liegt, ist Wandbek (3851 Beschwerden) offensichtlich besonders betroffen. Der Bürgerschaftsabgeordnete Stephan Jersch (Linke) spricht von einem „Umweltdesaster“, und auch die Wandbeker Linke fordert Konsequenzen: „Das Nachtflugverbot muss jetzt endlich umgesetzt statt weiter umgangen werden“, so Anke Ehlers, Umweltsprecherin der Wandsbeker Linksfraktion. Mosel schätzt, dass vom Hamburger Flugverkehr länderübergreifend rund 250.000 Menschen betroffen sind. Im vergangenen Jahr hatte es 6479 Beschwerden gegeben. „Der Flugverkehr ist lauter geworden“, behauptet Mosel, der sich nach eigenen Angaben auf offizielle Zahlen des Flughafens stützt. „Verantwortlich dafür sind einerseits die Billigflieger mit alten und lauteren Flugzeugen.“ Der Anteil der Billigflieger an der Gesamtzahl der Flugbewegungen liege in Fuhlsbüttel inzwischen bei mehr als 50 Prozent. Außerdem gebe es immer mehr Ausnahmegenehmigungen der Nachtflugbeschränkung für „verspätete“ Flüge. So habe der nächtliche Flugverkehr in der Zeit von 23 bis 6 Uhr im Vergleich zum Vorjahr um rund 38 Prozent zugenommen, allein im Juni dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahresmonat sogar um 157 Prozent. Mosel wörtlich: „Die Hamburger Pünktlichkeitsoffensive ist eine bewusste Täuschung der Bevölkerung.“ Bei der Verkehrsbehörde räumt man ein, dass die Zahl der Verspätungen im Mai und Juni „höher als üblich“ war, so Pressesprecher Richard Lemloh. Schuld daran seien das Wetter (Starkregen und Gewitter) und Streiks (zum Beispiel der französischen Fluglotsen) gewesen. Auch die Umweltbehörde will an der Pünktlichkeitsoffensive festhalten. „Wir meinen es ernst: Sollte die Zahl der Verspätungen nicht absehbar zurückgehen, müssen gemeinsam mit dem Flughafen Hamburg Wege zur effektiven Umsetzung der Pünktlichkeitsoffensive, also zur Reduzierung der Verspätungen gefunden werden“, erklärt Björn Marzahn von der Pressestelle der Umweltbehörde. Bei der Bürgerinitiative (ursprünglich Bürgerinitiative Alstertal-Walddörfer) wünscht man sich jetzt schon Frankfurter Verhältnisse in der Hansestadt. Mosel: „An dem europäischen Luftverkehrsdrehkreuz gibt es zwar ein mehrfaches Verkehrsaufkommen. Dafür aber wird dort ein Nachtflugverbot in der Zeit von 23 bis 5 Uhr strikt eingehalten. Das muss auch in Hamburg möglich sein.“ (tel)
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1 Kommentar
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Manfred Müller aus Poppenbüttel | 16.08.2016 | 18:49  
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