Ausbau am Bedarf vorbei?

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Einfacheres Abbiegen in den Stockflethweg sollen die aktuellen Baumaßnahmen ermöglichen. Die Anwohner erwarten davon nichts Gutes Foto: Krause

Langenhorner Chaussee wird von der Landesgrenze an umgestaltet

Von Franz-Josef Krause
Langenhorn
Ursprünglich verlief die Langenhorner Chaussee von Eppendorf bis Ochsenzoll. Dort und am Raakmoorgraben gab es ein Häuschen nebst Schlagbaum, den der Chausseegeldeinnehmer erst dann öffnete, wenn das Wegegeld entrichtet wurde. Als man 1875 „schrankenlos“ von Ochsenzoll kommend die Chaussee passieren konnte, wurde der nun frei fließende Verkehr allgemein begrüßt. Heute, gut 140 Jahre später, wird der Sachverhalt von vielen Bürgern differenzierter gesehen. Denn unmittelbar am Ende der historischen Straße hat die Stadt Norderstedt einen Kreisel mit Beschleunigungstunnel gebaut, der den Verkehr in die alte Chaussee hinein leitet. Die zeigt sich hier nicht von ihrer Schokoladenseite. Etliche Geschäfte stehen leer, Scheiben sind zerborsten wie in einer verlassenen Goldgräberstadt. Lediglich an der südlichen Seite der Einmündung des Stockflethwegs ragt ein in seiner Optik umstrittenes, neues Gebäude empor. Sabine Lüthje, Karen Wilbrandt und Joachim Lau von der „Initiative Stockfletweg“ setzen sich seit langem dafür ein, dass dem aus ihrer Sicht für den Stadtteil überdimensionierten Bau nicht noch eine ebenso überdimensionierte Straßenführung folgt. Obwohl Erhebungen der Initiative ergeben haben, dass der Einmündungsverkehr von der Langenhorner Chaussee in den Stockflethweg lediglich bei acht Prozent liegt, gehen die Planer des Landesbetrieb Straßen Brücken und Gewässer (LSBG) von einem deutlich höherem Verkehrsaufkommen aus.

Initiative hält dagegen


Es wurden bereits Straßenbäume gefällt, um mit der Anpassung der Straßen an den vom LSBG erwarteten Verkehr zu beginnen. Zusätzlich gibt es Planungen, auf den Norderstedter Kreisel mit zwei PKW-Spuren stadteinwärts und einer Spur in Nordrichtung von der Landesgrenze bis zum Stockflethweg zuzüglich Radfahrstreifen neben den Fahrbahnen zu reagieren. Wieder wären alte Straßenbäume im Weg und müssten gefällt werden. Die Bürgerinitiative hält diese Straßenverbreiterung für völlig überflüssig, es sei denn, der Senat beabsichtigt, die „Langenhorner“ mittelfristig bis zum Krohnstieg dreispurig zuzüglich Radfahrstreifen auszubauen. Das wird allerdings bestritten.

Kritik an der Planung


„Die Planung ist total unausgereift“, so Joachim Lau. „Es müssen aktuelle Verkehrszahlen erhoben werden, bevor die Langenhorner Chaussee völlig überdimensioniert ausgebaut wird.“ Auch Sabine Lüthje ist besorgt: „Die alten Bäume sind besonders schützenswert. Es wird Jahrzehnte dauern, bis Ersatzpflanzungen die gleiche Menge Feinstaub, Stickoxide und CO2 binden können, wenn sie überhaupt so alt werden.“ Besonders empört ist Karen Wilbrandt über die Argumenten unzugängliche Vorgehensweise der Verwaltung „Die Behörde plant die autogerechte Stadt, wie es noch vor 30 Jahren gelehrt wurde. Hat die Behörde nichts dazu gelernt?“ Die von der Verwaltung immer wieder versprochene Aufwertung des Quartiers „Nordende Langenhorner Chaussee“ als Einkaufszeile, so die Initiative, wird mit dieser Planung konterkariert. Denn von den heute vorhandenen Parkplätzen werden für die Geschäfte und Kunden von morgen rund 60 Parkplätze wegfallen. Ganz zu schweigen von gefällten alten Bäumen.
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