Bauarbeiten hinter der Langenhorner Heidbergsiedlung

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So könnte die Neubausiedlung für Flüchtlinge direkt neben der Heidberg-Siedlung aussehen Zeichnung: Petersen Pörksen Partner Architekten

Bürger werden über Flüchtlingswohnungen in zwei Veranstaltungen informiert

Von Bert C. Biehl
Hummelsbüttel/Langenhorn
Der Bauplatz liegt auf Hummelsbüttler Gebiet und somit im Bezirk Wandsbek. Doch die Auswirkungen dürften vor allem in Langenhorn spürbar sein. Die Rede ist vom Bau von Wohnhäusern für Flüchtlinge im Wortsinn auf der grünen Wiese. Wie bereits im September berichtet, will der Bezirk Wandsbek auf einem Acker hinter der Langenhorner Heidbergsiedlung rund 2000 Flüchtlinge ansiedeln. Dafür stehen jetzt Termine für die öffentliche Beteiligung fest. Im Februar soll es zwei Veranstaltungen in der Fritz-Schumacher-Schule geben. Schon bis Ende dieses Jahres will die Stadt den Bau der ersten 300 Wohneinheiten ermöglichen. Eine Investorengruppe um den Unternehmer Frank Otto soll die Häuser errichten und für 15 Jahre an „Fördern und Wohnen“, Betreiber der städtischen Unterkünfte, vermieten. Danach sollen diese Gebäude dem Hamburger Wohnungsmarkt zur Verfügung stehen. Allerdings gehen Ottos Pläne weiter. Laut einer Drucksache der Bezirksversammlung Wandsbek plant Otto, „zeitnah weiteren Wohnungsbau auf der Fläche“ zu realisieren, um „frühzeitig eine Mischung in der Bewohnerschaft für das gesamte neue Quartier zu fördern“.

Bewohner-Mix angestrebt

Schon zuvor hatte der Plan, diesen Teil der Hummelsbütteler Feldmark zuzubauen, Stirnrunzeln hervorgerufen. So hatte Nord-Bezirksamtsleiter Harald Rösler bereits seinen Wandsbeker Kollegen Thomas Ritzenhoff aufgefordert, Fragen der Erschließung des Baugebietes gemeinsam – auch mit Norderstedt – zu besprechen. Hintergrund ist, dass im Umfeld der Heidbergsiedlung die soziale Infrastruktur unterentwickelt ist. Zum Beispiel sind Kindertagesstätten und Beratungsstellen rar. Auch der öffentliche Nahverkehr ist vor Ort kaum entwickelt.
Wiederum soll die Haupterschließung für den motorisierten Verkehr als direkte Anbindung von Norden über die Poppenbütteler Straße auf Norderstedter Stadtgebiet erfolgen, erforderlichenfalls auch von Süden über die Straße Wildes Moor. „Mindestens der Baustellenverkehr wird möglicherweise in einer ersten Phase zunächst nur von der Glashütter Landstraße über die noch nicht endgültig hergestellten Straßen Glashütter Stieg und Wildes Moor von Süden erfolgen können“, heißt es in der Drucksache weiter. Das Bebauungsplanverfahren wird jetzt eingeleitet. Auf Grund der hohen Zahl an Flüchtlingen und der damit verbundenen Dringlichkeit der öffentlich-rechtlichen Unterbringung soll die Vorweggenehmigungsreife des Bebauungsplans nicht abgewartet werden. Ein Baubeginn ist bereits während des Bebauungsplan-Verfahrens geplant. Dazu wird eine Genehmigung des Vorhabens im Rahmen des § 246 BauGB bereits während der Aufstellung des Bebauungsplans angestrebt. Die geplanten, beziehungsweise gegebenenfalls schon im Bau befindlichen Baukörper werden in den Bebauungsplan übernommen. Tim Stoberock, SPD-Bürgerschaftsabgeordneter aus Hummelsbüttel, wirbt um Verständnis: „Die Flüchtlinge, soweit sie aus Syrien, dem Irak, Eritrea und Afghanistan stammen, erhalten in der Mehrheit einen rechtmäßigen Aufenthaltstitel. Es liegt daher auch in unserem eigenen Interesse ihnen eine Perspektive geben und sie nicht langfristig in Zelten, Baumärkten und sonstigen Hallen leben zu lassen.“ Eine Integration werde nur klappen, wenn die Migranten Deutsch lernten, Teil des Arbeitsmarktes würden und vernünftige Unterkünfte hätten. „Nur die wenigsten werden ihre Integration aus Behelfsunterkünften schaffen. Einfach ausgedrückt, ohne Wohnung und Arbeit wird eine Integration nicht klappen und wir bekommen ein großes gesellschaftliches Problem“, so Stoberock. Laut dem Abgeordneten sollen die Wohnungen an anerkannte Flüchtlinge vergeben werden, die bereits die ersten Integrationsschritte unternommen haben. Nach der nachträglichen Baugenehmigung soll außerdem eine Mischbelegung erfolgen, um die Bildung von Parallelgesellschaften möglichst zu verhindern. Stoberock: „Letztlich sind die Flüchtlingssiedlungen am Rehagen und in der Feldmark daher die beste aller schlechten Lösungen.“ Nizar Müller, CDU-Bezirksabgeordneter aus dem Wahlkreis Langenhorn betont: „Wer Integration ernst meint muss die Bürger aus Langenhorn und Hummelsbüttel mitnehmen. Wir erwarten endlich eine echte Bürgerbeteiligung und mehr Transparenz vom Senat und den Bezirksämtern Hamburg-Nord und Wandsbek. Wohnungsbau ‚durch die kalte Küche‘ wird es mit uns nicht geben!“ Mit einer Kleinen Anfrage an die Bezirksversammlung Nord will er jetzt Details insbesondere zu den infrastrukturellen Belastungen für Langenhorn einfordern.

Info-Abend: Montag, 8. Februar, ab 17 Uhr, Turnhalle der Fritz-Schumacher-Schule, Timmerloh 32. Geplanter Ablauf: 17 - 18 Uhr: Markt der Informationen, Vorstellung der Planung an Stellwänden und Info-Ständen; 18 - 20 Uhr: Veranstaltung im Plenum mit Staatsrat Kock; ab 20 Uhr: Gelegenheit zur Diskussion Montag, 29. Februar: Öffentliche Plandiskussion, ab 18 Uhr, Turnhalle der Fritz-Schumacher-Schule
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