Bauen im Hummelsbüttler Feldmark-Idyll?

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Das Naturschutzgebiet Raakmoor in der Hummelsbüttler Feldmark Foto: Timm
 
Der bedrohte Kamm-Molch Foto: wb/Wiermann

NABU Hamburg kritisiert Wohnungspläne im Landschaftsschutzgebiet

Von Frank Berno Timm
Hummelsbüttel
Bislang wurden in dem Streit um Flüchtlingsprojekte in der Hummelsbüttler Feldmark vor allem Klimafragen diskutiert. Die Recherchen des Hamburger Wochenblatts bestätigen Hinweise, dass es hier nicht nur schützenswerte Tiere, sondern auch entsprechend seltene Pflanzen gibt. Alexandra Fontaine holt gerade ihre Tochter vom Reiten am Rehagen ab und kommt mit dem Wochenblatt-Reporter ins Gespräch. Nach Ansicht der Ärztin leben eine Menge schützenswerte Arten in der Hummelsbüttler Feldmark: verschiedene Fledermäuse, der Kammmolch, der Eisvogel und der Moorfrosch. Nach Angaben des Naturschutzbunds sind der Kammmolch und der Moorfrosch europaweit nach der FFH-Richtlinie streng geschützt, ebenfalls nach dem Bundesnaturschutzgesetz. „Streng geschützte Arten dürfen nicht gefangen, verletzt oder getötet werden“, heißt es auf der NABU-Website. Außerdem sei es verboten, „sie durch Aufsuchen ihrer Lebensstätten zu beunruhigen“. Die in Hamburg heimischen Fledermausarten stehen laut Website des BUND sämtlich auf der Roten Liste gefährdeter Tiere und Pflanzen. Der NABU hat sich indes in deutlichen Worten gegen die Pläne des Senats gewandt, in Landschaftsschutzgebieten (LSG) zu bauen. Sprecherin Birgit Hilmer: „Der NABU kritisiert, dass durch die Hintertür versucht wird, normale Wohnungsbebauung in Landschaftsschutzgebieten zu realisieren“. Die Dringlichkeit für Flüchtlingsunterkünfte werden vorgeschoben und versucht, „mit diesem Scheinargument Tabuflächen für den Wohnungsbau zu erschließen“. Birgit Hilmer erläutert, es soll vom Senat ein Gutachten in Auftrag gegeben werden, „welches weitere Wohnungsbaupotenziale in dem Landschaftsschutzgebiet benennen soll“. Birgit Hilmer sagt darüber hinaus, der NABU sei derzeit mit dem Planungsverfahren Hummelsbüttel 28 beschäftigt, in dem es gerade um Konkretisierung gehe; man werde später dazu eine Stellungnahme abgeben. Das LSG sei aufgehoben worden und man habe den Anspruch, dass zukünftige Gutachten Flora-Fauna-Habitat-Richtlinien (FFH) berücksichtige. Allerdings gebe es keine FFH-Flächen in der Feldmark. Ob der NABU juristische Schritte gehe, werde derzeit intern diskutiert, dies sei erst möglich, wenn ein Planfeststellungsbeschluss gefasst sei. Nach den Worten Hilmers ist es wichtig, dass die Existenz schützenswerter Tiere in der Feldmark gutachterlich nachgewiesen werde.

Geschützte Arten im Kataster eingetragen


Björn Marzahn von der Umweltbehörde bestätigt, dass es in der Hummelsbüttler Feldmark geschützte Arten gibt. In der Biotopkartierung gebe es ein Artenkataster, das für die Hummelsbüttler Feldmark einige Arten der Roten Liste verzeichnet – so die Große Moosjungfer und Kleine Mosaikjungfer, den Moorfrosch, den Gelbspötter, den Waldlaubsänger und den Großen Abendsegler. Dies, so Marzahn, seien nur einige Beispiele. Und er bestätigt das auch für seltene Orchideen, nennt verschiedene Knabenkräuter. „Alle dort vorkommenden Arten stehen unter dem Schutz der Paragraphen 39 und 44 des Bundesnaturschutzgesetzes und werden dementsprechend behandelt“. Das heißt: Sie dürfen weder getötet noch entnommen werden. Marzahn: „Die Ergebnisse der Kartierungen werden bei der Beurteilung, ob und wie in der Feldmark Wohnungen errichtet werden können, berücksichtigt und in den Prozess der Abwägung einbezogen.“ Wer in der Hummelsbüttler Feldmark bauen will, sollte sich vorher etwas Zeit nehmen für einen längeren Spaziergang. Der Raakmoor ist zwar Naturschutzgebiet, in dem nicht gebaut werden darf, aber mittelfristig hätten mehr Wohnungen in der Feldmark auch auf dieses Paradies, das einst mühsam gerettet wurde, seinen Einfluss. Wer auf kleineren Wegen herumstreift wird von der Ruhe schnell gefangen genommen – an einem normalen Wochentag trifft man hier höchstens einen Jogger oder ein paar Radfahrer.

Weitere Infos: Biotopkartierung in Hamburg

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