Blick in die Historie

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Plan des Krankenhauses Ochsenzoll vom März 1898: Nur fünf Jahre nach der Eröffnung mussten die acht Bestandsgebäude (schwarz) um 21 Häuser und einen Wasserturm erweitert werden (rot). Hellrot gestrichelt: die nächste Ausbaustufe Repro: wb

Neue Broschüre dokumentiert Baugeschichte des Krankenhauses Ochsenzoll

Langenhorn Einst war es „Landwirtschaftliche Colonie für Geisteskranke“. Heute ist der Südteil des früheren Krankenhauses Ochsenzoll auf dem Weg zu einem Wohnviertel, in dem sich Tradition und Moderne auf besondere Weise begegnen. Es sind solch signifikante Veränderungen des Stadtbildes, die es Jörg Schilling besonders angetan haben. Jetzt hat der promovierte Historiker und Kunstgeschichtler ein Buch darüber geschrieben: „Baudenkmal Krankenhaus Ochsenzoll“ lautet der Titel.
„Architektur kommuniziert Geschichte, Identität oder Zeitlosigkeit. Heute, wo als Folge von Globalisierung und Kommerzialisierung eine immer rasantere Veränderung unserer Umwelt und eine zunehmende Anonymisierung der Architektur feststellbar sind, kommt ihrem Verständnis und dem Erinnern an vergangene Bauleistungen verstärkte Bedeutung zu“, sagt Schilling. Er hat gemeinsam mit dem Architekten Florian Afflerbach die „Hamburger Bauhefte“ im Eigenverlag auf den Markt gebracht. Die 44 Seiten starke Broschüre im halben Din-A4-Format ist bereits der 12. Band, nach Veröffentlichungen unter anderem über das Bismarckdenkmal, den City-Hof und die Hafen-Schuppen

Monatelang recherchiert


Auf das Ochsenzoller Gelände sei er aufmerksam geworden, als sich Freunde dort eine Wohnung kauften, sagt Schilling. Ein Vierteljahr lang recherchierte das Team und trieb unter anderem noch nie veröffentlichte Zeichnungen und Fotos auf, viele davon entstammen dem Langenhorn-Archiv von Erwin Möller. Durch Sichtung zahlreicher staubiger Akten im Staatsarchiv konnte der Verlag eine fulminante Chronik von der einstigen „Irrenanstalt“ bis zur Asklepios Klinik Nord/Ochsenzoll. zusammentragen, die nicht nur Experten anspricht. „Es geht uns um eine allgemein verständliche Architekturvermittlung“, so Schilling.
Die ersten acht Behandlungshäuser waren 1893 auf einem 80-Hektar-Areal fertig gestellt worden. Die Anlage musste rasch erweitert werden - bereits 1910 standen 76 Bauten auf 150 Hektar. Zum Krankenhaus gehörte lange Zeit ein landwirtschaftlicher Betrieb mit Ackerbau und Viehzucht. Von der einstigen Anlage sind heute noch 25 Altbauten übrig. Die Broschüre gibt einen wertvollen Einblick in ein zum großen Teil untergegangenes Quartier, das sich auch alten Langenhornern nie so recht erschlossen hatte: Von düsterem Forst umgeben, war es den Blicken der Bürger entzogen, und wer nicht dort arbeitetete oder behandelt wurde, machte um die Klinik eher einen Bogen.
Die Erstauflage des Ochsenzoll-Heftes von 1200 Exemplaren wurde mit Unterstützung der Patrizia AG gedruckt, die einen großen Teil der Neubauten errichtet und zahlreiche der denkmalgeschützten Altbauten saniert und zu Wohnungen umbaut. (bcb)

Hamburger Bauhefte, Nr. 12, Schaff-Verlag Hamburg, ISBN 978-3-944405-18-6, Preis: 7 Euro. Infos:www.schaff-verlag.de
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