Bolzplatz für Flüchtlinge?

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Nizar Müller von der CDU Langenhorn setzt sich dafür ein, dass die überwucherte Grünfläche am Grellkamp als Bolzplatz für die Bewohner der Zentralen Erstaufnahme hergerichtet wird Foto: Biehl

Grellkamp: Langenhorns CDU will Sportmöglichkeit schaffen

Von Bert C. Biehl
Langenhorn
Ältere Langenhorner werden sich noch erinnern: Einst fanden auf der heute überwucherten Grünfläche Ecke Grellkamp und Kulenstück kleine Jahrmärkte oder Zirkusvorstellungen statt, später konnte hier wenigstens noch Fußball gespielt werden. Davon zeugen heute noch zwei stark verrostete Tor-Gestelle, die stehen geblieben sind. Doch als Mitte der 90er-Jahre der Bau der Ortsumgehung Fuhlsbüttel begann, wurde das rund 6300 Quadratmeter große Gelände zur Ausgleichsfläche. Heute gehört die Fläche dem Bund, ist sich selbst überlassen und deshalb bewachsen von üppigem Gras und Gehölzen.
Wenn es allerdings nach den Vorstellungen der Langenhorner CDU geht, sollte dieser Platz wieder reaktiviert werden. „Wir haben beantragt, ihn als gepflegten Bolzplatz herzurichten“, sagt Nizar Müller, der auch sportpolitischer Sprecher der Bezirksfraktion ist.
Hintergrund des Vorstoßes: Nur 200 Meter entfernt liegt die Zentrale Erstaufnahme (ZEA) in der ehemaligen Grellkampschule. Wegen der aktuellen Flüchtlingsentwicklung und dem Wunsch nach schneller Integration könnten Migranten und Einheimische durch Freizeitsport-Ereignisse hier schneller in Kontakt kommen, so der CDU-Antrag, der am Montag (nach Redaktionsschluss) im Regionalausschuss beraten werden sollte. Bei dieser Überlegung spielt auch eine Rolle, dass es in der ZEA keine Außensportanlage mehr gibt – dort stehen jetzt Wohncontainer. Allerdings hat der Plan ein paar Haken. Zum einen hatte die Umweltbehörde bereits 2007 einen ähnlichen Vorstoß des Bezirks abgelehnt – aus rechtlichen und aus Naturschutzgründen. Deshalb will die CDU zunächst erreichen, dass dem Bund eine Fläche zum Tausch angeboten wird – die aber noch identifiziert werden müsste.

Kosten: Mindestens 100.000 Euro


Zum anderen hatte das Bezirksamt auf eine Anfrage Müllers die Kosten zur Herrichtung eines Teils der Wiese als Bolzplatz auf mindestens 100.000 Euro geschätzt. Wo der Privatmann mit Sense und Rasenwalze aus einem matschigen Untergrund eine begehbare Fläche herstellen würde, argumentiert das Amt mit dreischichtigem Boden-Aufbau und Drainageanlage. Thomas Kegat, Sprecher der SPD-Mehrheitsfraktion im Regionalausschuss, reagierte auf Nachfrage denn auch deutlich verhalten auf den Vorstoß der Opposition. Er sehe nicht, „dass wir Baukosten in sechsstelliger Höhe finanzieren, um an dieser Stelle ein Stück ‚Natur‘ für einen Bolzplatz zu opfern“, sagte Kegat.
Im Übrigen habe Rot-Grün im Bezirk gerade vor einigen Wochen erst 100.000 Euro bewilligt, mit dem Ziel, Sportvereine zu unterstützen, die Integrationsprojekte anbieten. Eine Alternative könne, so Kegat, unter anderem der Bolzplatz am Höpen sein, den man für Freizeitsport-Belange aufwerten könnte. Allerdings: Der Weg von der Zentralen Erstaufnahme-Einrichtung dorthin beträgt zwei Kilometer.
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