Buntes selbst geschneidert

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Violetta näht eine kuschelige Fleecejacke für ihre kleine Tochter Foto: Nowatzky

Ein Jahr Selbstlernzentrum am Käkenhof: Angebote für Anwohner

Von Stefanie Nowatzky
Langenhorn
Es rattert leise aus allen Richtungen, fröhliche Kinderstimmen und das muntere Gespräch der „Schneiderlehrlinge“ bilden einen bunten Klangteppich Nähstunde im „Selbstlernzentrum“ am Käkenhof. Violetta misst sorgfältig den babyrosa Strickstoff aus, später sollen die kleinen Stücke die Ärmel der Kinderjacke aus lila Fleece zieren, die schon fast fertig auf dem Tisch liegt.
Für ihre fast zweijährigen Tochter Theodora hat Violetta in bisher 14 Terminen schon zwei Pyjamas, Jäckchen, Leggings und Lederschühchen genäht, dazu den Nähmaschinen-Führerschein gemacht und als erstes Lehrstück eine kleine Stofftasche mit Reißverschluss fertiggestellt.
Ihre Kursusleiterin Sabine Keil, die schon seit 25 Jahren bei der Volkshochschule Nähkurse anbietet, stellt ihr Wissen zusätzlich im Selbstlernzentrum (SLZ) an - und das hat in diesen Tagen sein einjähriges Betsehen gefeiert. Seit April 2014 können die Anwohner des Quartiers in den vom Europäischen Sozialfonds und der Stadt Hamburg geförderten Kursen ganz unterschiedliche Dinge erproben, ob Sprachen, PC-Kurse oder eben Schneidern.
„Unsere Angebote sind niedrigschwellig“, sagt SLZ-Leiterin Elke Wellmann. Im Quartier wohnen Menschen aus vielen verschiedenen Nationen – doch niemand muss befürchten, wegen Sprachproblemen nicht teilnehmen zu können.
Mütter und auch Väter kommen einmal in der Woche, um an dem kostenlosen Schneiderkursus teilzunehmen. Nico (33) näht gerade einen dunkelblauen großen Kissenbezug für ein besonders geformtes Kissen. Die 28-jährige Laura hat die Gardinen im Zimmer ihres Sohnes gekürzt und will nun aus den Stoffresten noch ein Kissen für das Kinderzimmer zaubern. „Ich hatte meine Maschine schon sehr lange und hab sie nie benutzt“, erzählt sie. Jetzt ist ihr Ehrgeiz geweckt und sie will ihre Nähprojekte unbedingt schaffen.

Spaß am Nähen im Kursus entdeckt


Auch Nico hatte eine Maschine zu Hause. Der junge Vater war es leid, Hosen zum Schneider zu bringen. „Aber ich habe dann doch nicht genäht“, sagt er. Eher zufällig kam er mit anderen Eltern zum Kursus und freut sich, dass er zukünftig seine Maschine nutzen kann.
Den Kursus im EKIZ (Eltern-Kind-Zentrum) Dortmunder Straße zeichnet aus, dass die Kinder mit dabei sein können. Auf einer Krabbeldecke spielen die ganz kleinen, im Nebenraum spielen die etwas älteren Kinder. Auch Violettas Tochter ist mit dabei. Sie trägt bunt gestreifte Leggins, die die Mama selber genäht hat. „Ich hatte nie zuvor genäht, wusste auch gar nicht, dass es mir Spaß macht“, sagt Violetta. Und so ist das Ziel von Kursusleiterin Keil erreicht: „Die Teilnehmer sollen mit der Maschine umgehen und ein Hobby aus dem Nähen machen können.“ Für den Kursus gibt es schon eine Warteliste, deshalb darf jeder maximal zwei Kurse mitmachen. „Selbermachen ist modern“, erklärt Keil das große Interesse.
Die Modedesignerin und Schneiderin freut sich, wenn hier viele Dinge entstehen. Sie genießt, dass ihre „Lehrlinge“ mit einem zufriedenen Gesicht nach Hause gehen. Violetta hat auf jeden Fall den Spaß entdeckt. Nur noch ein Termin, dann ist zwar der Kursus für sie vorbei. Aber ihr nächster Wunsch ist eine eigene Nähmaschine.
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