Bye-bye, Bunker!

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Ältere Langenhorner kennen das Bild noch: Der zugemauerte Bunkereingang Ecke Fibigerstraße in einer Aufnahme von 1965 Foto: Langenhorn-Archiv

Hitlers Hinterlassenschaften wurden jetzt bei Bauarbeiten wiederentdeckt und werden beseitigt

Von Bert C. Biehl
Langenhorn
Seit rund 75 Jahren lag er knapp unter der Erdoberfläche verborgen. Jetzt machte ihm ein Bagger in 35 Minuten den Garaus: Bei Bauarbeiten war an der Ecke Fibigerstraße und Langenhorner Chaussee ein längst in Vergessenheit geratener Röhrenbunker aus der NS-Zeit wiederentdeckt worden.
Wie berichtet, lässt der Fachbereich Stadtgrün des Bezirks Nord zurzeit den Waldstreifen längs der Chaussee umbauen. Bruchgefährdete und tote Stämme werden abgeholzt, Wildnis beseitigt, heimische Gehölze angepflanzt und ein Wanderweg angelegt. Im Verlauf dieser Maßnahmen stießen die Bauarbeiter jüngst auf ein rätselhaftes Fundament. Ein Blick auf uralte Pläne und ein Gespräch mit Langenhorn-Archivar Erwin Möller brachten den Beamten mehr Klarheit: Es konnte sich entweder nur um Reste eines alten Gasthauses handeln – oder aber den Rest eines alten Bunkers. Nach vorsichtigem Weiterbuddeln stand fest: Es war ein zirka zehn Meter langer Rest einer Bunkerröhre.

Zugang für Tennisspieler


An der Ostseite der Chaussee, kurz vor der Einmündung der Fibigerstraße, waren bis in die 80er-Jahre noch Treppenstufen zu sehen, die an einem Zaun endeten – dahinter lag das Wäldchen des AK Ochsenzoll. Unmittelbar an der Ecke Fibigerstraße befand sich der zugemauerte und mit einer Betonplatte abgedeckte Bunkereingang. Damals verliefen Fuß- und Radweg noch dichter an der Langenhorner Chaussee. Bei der Umgestaltung des Bereichs wurden der Bunkereingang und die fünf Treppenstufen entfernt. Über die Treppe gelangte man in den 50er-Jahren zur Tennis-Klause. Sie wurde vor allem von Sportlern frequentiert, die auf den beiden Plätzen des damaligen Langenhorner TSV Tennis spielten. Die Gaststätte wurde schon Anfang der 60er-Jahre abgebrochen, die Tennisspieler verließen 1968 den LTSV und gründeten Beim Schäferhof 1968 den TC Langenhorn. Auf dem einstigen Sportplatz entsteht gerade ein Bürohaus.

Platz für 170 Menschen


„In Langenhorn gab es 37 Rundbunker für über 2.000 Personen und zwölf Splitterschutzanlagen für 1.800 Personen“, hat Stadtteilarchivar Erwin Möller herausgefunden. Immerhin: Trotz Nähe zum Flughafen und der Existenz von SS-Kaserne und Rüstungsbetrieben blieb Langenhorn weitgehend von Bomben verschont. Der Bunkereingang führte gut 2,50 Meter tief nach unten in eine Röhre aus nicht armierten, runden Betonsegmenten, ähnlich einem Abwasserkanal. Nach dem Krieg war der Bunker schnell zur Mülldeponie geworden, bis sein Eingang Anfang der 60er-Jahre zugemauert wurde. 170 Menschen hatten in dem Bunker Platz. Wegen seiner instabilen Konstruktion dürfte es sich eher um die Kategorie „Splitterschutz“ gehandelt haben. Das erleichterte die Beseitigung der Hinterlassenschaft. Ein leichtes Draufklopfen mit der Baggerschaufel trennte die verfugten Segmente. Anheben, fallen lassen, nachdrücken – bye-bye, Bunker.
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