Comeback für alte Brücke

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Die „Dänenbrücke“ über den Fluss Tarpenbek im Jahr 1914. Die Grenzmarken zeigen deutlich: Am linken Ufer beginnt noch das Königreich Preußen, rechts die Hansestadt Hamburg. Die Brücke liegt heute im Airport-Sperrgebiet Foto: Langenhorn-Archiv
 
Dänenkönig Christian VII war der Bauherr der Brücke Foto: Kongernessamling/Rosenborgslot

Flughafen Fuhlsbüttel: Tarpenbek-Querung von 1798 wird wieder freigelegt

Von Bert C. Biehl
Fuhlsbüttel
Im Berufsleben sind sie Mitarbeiter des Flughafens. In ihrer Freizeit werden sie zu Hobby-Archäologen. 18 Freiwillige sind zurzeit mit Schaufeln, Äxten und Schubkarren dabei, eine 217 Jahre alte Brücke freizulegen. Die Straße dorthin ist längst verschwunden, auch der Fluss, den sie querte. Nach der Erweiterung des Airports seit den 50er-Jahren liegt der steinerne Zeitzeuge mittlerweile im Sperrgebiet des Flughafen-Geländes. Jahrzehntelang ungenutzt, verschwanden die wuchtigen Steinquader aus dänischer Zeit schließlich unter Buschwerk und Blättern.
Das wollen die Mitarbeiter des Flughafens nun ändern. Treibende Kraft dabei ist Klaus Bokelmann, einst ebenfalls Airport-Mitarbeiter. Der pensionierte Architekt: „So richtig vergessen hat man die Brücke nie, auch nicht bei uns auf dem Flughafen. Aber gekümmert hat sich eben auch nie jemand.“ Er hat sich mit der Kulturbehörde abgesprochen, die das 1798 errichtete Bauwerk als „erkanntes Denkmal“ unter dem Straßennamen „Rahmoor“ erfasst hat.Die Brücke spiegelt die wechselhafte politische Geschichte der Region wider. Im 18. Jahrhundert gehörten die heutigen Hamburger Stadtteile Hummelsbüttel und Niendorf zum Königreich Dänemark.
Im 18. Jahrhundert gehörten die heutigen Hamburger Stadtteile Hummelsbüttel und Niendorf zum Königreich Dänemark. Die achteckige Niendorfer Kirche, 1770 eingeweiht, war auch zuständig für Hummelsbüttel, sodass sich die Bauern sonntags zu Fuß oder mit Pferd und Wagen auf den gut acht Kilometer langen Weg machen mussten.

Acht Kilometer zur Kirche


Fuhlsbüttels Stadtteilarchivar Manfred Sengelmann: „Der Weg führte von der Dorfmitte Hummelsbüttels über den Kirchenredder, Hummelsbütteler Kirchenweg, weiter den heutigen Schlehdornweg entlang, querte die Alsterkrugchaussee in die heutige Preetzer Straße und führte dann durch Heide und Moor (bis an den Grenzfluss Tarpenbek.“ Den sollten seine Untertanen trockenen Fußes queren können, beschloss der dänische König Christian VII und ließ 1798 den vorhandenen Holzsteg über die nasse Staatsgrenze durch eine steinerne Brücke ersetzen.
1867 fiel Schleswig-Holstein an Preußen, 1937 wurden Hummelsbüttel und Niendorf der Hansestadt zugeschlagen, die Landesgrenze damit verschoben. Laut Unterlagen im Langenhorn-Archiv von Erwin Möller diente die alte Strecke noch bis 1949 als Transitweg nach Niendorf. Die Hummelsbüttler Kirchgänger hatten da schon längst ein Gastrecht im 1893 geweihten Fuhlsbüttler Gotteshaus. Im Zuge der Flughafenerweiterung nach Norden wurden die Straßenverbindungen nach Westen, darunter auch der Erdkampsweg, gekappt. Die Brücke geriet in Vergessenheit.

Hünengrab geplündert?


Ob die Arbeiter die schweren Granitblöcke für die acht Meter lange und 3,80 Meter breite Brücke aus Dänemark importierten oder - so vermutet es Grabungsleiter Klaus Bokelmann – von einem Hünengrab nahmen, das es in der Nähe gegeben haben soll, ist unklar. Verschollen ist bisher auch ein Grenzstein, der nahe der Brücke gestanden haben muss.
Hamburgs wohl älteste im Original erhaltene Brücke ist heute nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich. Allerdings, so eine Airport-Sprecherin, werde überlegt, am Tag des offenen Denkmals geführte Touren dorthin zu ermöglichen.
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