Das große Vergessen

Anzeige
Vorbereitung für das Gruppentreffen: Liebevoll decken Dieter Methfessel und Anne Hildebrandt den Kaffeetisch Foto: Haas

Angehörigengruppe Langenhorn bietet Hilfe für Angehörige von Demenzkranken

Langenhorn Über 31.000 Hamburger sind demenzkrank. Die Demenz vom Typ Alzheimer ist mit etwa 60 Prozent die häufigste Form. Daran leidet jeder fünfte Mensch ab 85 Jahren. Die Krankheit beginnt schleichend, anfangs leidet das Kurzzeitgedächtnis: Betroffene können sich gut an ihr früheres Leben erinnern, vergessen aber Termine und Absprachen. Oft stellen sie Fragen immer wieder, weil sie die Antworten vergaßen. Oder sie wiederholen immerzu Episoden oder Begebenheiten. Zwei Drittel der Betroffenen werden von Angehörigen zu Hause betreut: Beide müssen große Herausforderungen bewältigen.

Selbsthilfegruppe für die Angehörigen


Liebevoll decken sie den Kaffeetisch, heute gibt es leckere Windbeutel. Seit über zehn Jahren betreuen Dieter Methfessel und Anne Hildebrandt die Angehörigengruppe Langenhorn der Alzheimer Gesellschaft Hamburg. Im Ansgar-Gemeindehaus bieten sie pflegenden Verwandten Information, Beratung und Unterstützung. „Demenz ist oft die Krankheit, unter der die Angehörigen mehr leiden“, erklärt Dieter Methfessel (64). Denn Menschen mit Demenz fühlen sich nicht krank. Vergessen binnen Minuten sei so manches, was die pflegenden Angehörigen belasten könne. In der Gruppe, die sich einmal im Monat an jedem zweiten Freitag trifft, können sie erst einmal Atem holen, unbeschwert plaudern und sich austauschen. „Menschen mit Demenz zu betreuen ist oft Schwerstarbeit“, weiß Anne Hildebrandt aus Erfahrung. Privat betreute sie eine Tante bis zu ihrem Tod – im stattlichen Alter von 102 Jahren. Die Altenpflegerin möchte sich in ihrem Ruhestand nicht zurücklehnen. „Ich will mich noch gesellschaftlich einbringen – und zwar in dem Bereich, in dem ich mich auskenne.“ Auch Jochen Methfessel kümmerte sich um seinen an Demenz erkrankten Vater. Nach einer Zusatzausbildung zum Altentherapeut ist er berufstätig in einem Seniorenheim. Er weiß ebenfalls, was pflegende Angehörige irritieren kann und gibt wichtige Anregungen. Schon die Einsicht, dass Kranke ihr Verhalten ja nicht ändern können, helfe weiter. Ihnen zu widersprechen oder sie dauernd zu korrigieren, nütze nichts. „Demenz macht oft einsam, auch die Angehörigen“, wissen die Gruppenleiter, die dagegen antreten: mit Verständnis und Ermutigung, mit nützlichen Informationen etwa oder Tipps zu Anträgen bei den Krankenkassen. Und nicht zuletzt, indem sie zuhören und gemeinsam neue Ideen entwickeln. Oft bringe schon die Betreuung der Senioren mit Demenz in einer Tagespflege eine spürbare Entlastung. (wh)

Interessenten melden sich unter Telefon 689 136 25 an. Weitere Infos: www.alzheimer-hamburg.de
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige