„Der Islam gehört zu Hamburg“

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Sahar Lemanczyk informierte über die Suche nach Paten für geflüchtete Jugendliche Foto: Haas

Feierstunde zum 75-jährigen Bestehen des Iranisch-Islamischen Gräberfeldes

Ohlsdorf Gräber seien die besten Zeugen: Dafür, dass Muslime ihr Leben hier verbracht haben – und zwar als Teil dieser Gesellschaft. „Wer hier geboren wurde, gelebt und gearbeitet hat, möchte auch hier bestattet werden.“ sagte Mustafa Yoldaş, Vorsitzender der muslimischen Religionsgemeinschaft Schura Hamburg, bei einer Feierstunde zum 75. Jahrestag des Iranisch-Islamischen Gräberfelds auf dem Ohlsdorfer Friedhof. Nach dem Tod des iranischen Kaufmanns Abbasali Pyrchad im Mai 1941 wurde das Ruhefeld eingerichtet: Für 15.300 Reichsmark hatte Hassan Vladi 102 Grabstellen in der Nähe der Kapelle 2 erworben. „Mit diesem Jubiläum feiern wir die Tatsache, dass der Islam zu Hamburg gehört“, bekräftigte Yoldaş. „Ob wir ins Paradies oder in die Hölle kommen: Dorthin kommen wir eben aus Deutschland.“ Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen seien hier begraben, betonte der Chef der Senatskanzlei Dr. Christoph Krupp in seiner Ansprache. „In Hamburg herrschen eben engere Beziehungen, als es so manche aktuelle Diskussion wahrhaben will“, stellte er fest. Die langjährigen Handelsbeziehungen mit dem Iran wurden ab 1857 sogar vertraglich geregelt. Freundschaftliche Bande entstünden überdies durch die Nähe von Menschen, die sich füreinander interessieren. Rund 15.000 Menschen mit iranischen Wurzeln leben in Hamburg und verdienen Respekt: Zeit ihres Lebens hätten sie bedeutsame Beiträge zu Handel, Kultur und Bildung in diesem Land geleistet, führte Krupp weiter aus. Zudem sei er zuversichtlich, dass die deutsch-iranischen Handelsbeziehungen nach kürzlichen Aufhebung der Sanktionen jetzt erneut florieren würden. Firouz Vladi, engagiert im Förderverein des Gräberfelds, erinnerte in einer launigen Rede daran, dass die Nachkommen der hier bestatteten Menschen bereits in der dritten Generation hier leben. Sein Bruder Farhad ist bekannt als Hamburger Inselmakler. Beide sind Enkel des Kaufmanns Hassan Vladi. „Auch unser Vater hat noch Teppiche, Leder oder Süßholz, den Rohstoff für Lakritz. importiert.“ Und er habe wie alle Hamburger unter der NS-Zeit und dem Krieg gelitten. Der Vladi-Enkel beleuchtete iranische Lebensmittelimporte in der Nachkriegszeit ebenso wie die Bedürfnisse einer wachsenden Gemeinde, die zum Bau der Blauen Moschee an der Alster geführt hatten: „Die ist heute neben dem Gräberfeld unser zweites Denkmal.“ Vladi ergänzte schmunzelnd: „Und manche unter uns hier sind schon so alt, dass sie auch schon Denkmäler abgäben.“ Mit Sahar Lemanczyk vom deutsch-iranischen Akademikerbund (DIAB) zeigte auch die vierte Generation Präsenz bei der Feier – mit einem Ausblick auf die Zukunft. Aktuell suche der DIAB Paten mit Migrationshintergund: zur persönlichen und finanziellen Förderung geflüchteter Jugendlicher. (wh)
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