Die „Peking“ kommt nach Hause

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Die „Peking“ vor der Skyline von New York auf dem Weg ins Dock in New Jersey Foto: Victor Hugo/Joachim Kaiser
 
Börries von Notz (l.) und Jonathan Boulware am Heck der „Peking“ Foto: Victor Hugo/Joachim Kaiser
Hamburg: Kleiner Grasbrook |

Das Segelfrachtschiff soll nach Restaurierungsarbeiten das Juwel im neuen Museumshafen von Hamburg werden

Von Thomas Oldach
Hamburg
Voraussichtlich am 5. Juli startet die Überfahrt der „Peking“ an Bord eines Dockschiffs aus New York nach Deutschland, wo sie in der Peters Werft im schleswig-holsteinischen Wewelsfleth restauriert und als erstes und größtes Exponat für das zukünftige Deutsche Hafenmuseum in Hamburg vorbereitet wird. Teile der Masten werden dazu demontiert. Rund zwölf Tage braucht ein solches Spezialschiff für diese Reise. Die Restaurierung wird nach ersten Schätzungen zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen. Börries von Notz, Alleinvorstand der Stiftung Historische Museen Hamburg, unter deren Ägide das Deutsche Hafenmuseum konzeptionell geplant und umgesetzt wird, hat das Schiff vor seiner Überfahrt auf der Caddell-Werft in New Jersey in Augenschein genommen. Schließlich kauft man eine „Katze nicht im Sack“. Gemeinsam mit Jonathan Boulware, Executive Director des South Street Seaport Museum, hat er den Zustand der „Peking“ inspiziert und schon einmal die Flagge des Deutschen Hafenmuseums gehisst.

26 Millionen Euro Überführungskosten

Die Überführung der „Peking“ und ihre Restaurierung ist der Finanzierung durch Geld aus dem Haushaltsausschuss des Bundestages zu verdanken. 120 Millionen Euro wurden für die Errichtung eines Deutschen Hafenmuseums in Hamburg bewilligt. In dieser Summe enthalten sind bis zu 26 Millionen Euro für die Überführung und Sanierung der „Peking“, wofür die Stiftung Hamburg Maritim gewonnen werden konnte. Der Flying P-Liner „Peking“ wird nach der Restaurierung als historisches Objekt einen wesentlichen Bestandteil des Deutschen Hafenmuseums bilden. Ziel ist es, die „Peking“ trotz der erforderlichen Restaurierungsarbeiten als Objekt möglichst authentisch zu belassen. Das Schiff soll für Besucher aller Altersklassen erlebbar werden. Die Rekonstruktionen auf dem Schiff sollen sich auf die Kammern, das Kartenhaus und den Ruderstand auf dem Hauptdeck konzentrieren. In einem Raum auf dem Brückendeck wird zukünftig die Geschichte des Schiffes gezeigt. Umfangreichere Themen, die mit der Geschichte der „Peking“ unmittelbar verbunden sind – Salpeterhandel, Segelfrachtschifffahrt und deren Bedeutung für die Gestaltung von Hafenanlagen - sollen vertiefend in der Ausstellung des Hafenmuseums präsentiert werden. Von Notz: „Die ,Peking‘ steht für Hamburg als eine Drehscheibe des weltweiten Warenhandels.

Teil der P-Liner-Klasse

Als ein Frachtsegler, der vom Stapel lief, als die Dampfschifffahrt schon in hoher Blüte stand, bildet dieser Schiffstyp den Gipfel einer jahrhundertelangen Entwicklung. Mit nur 31 Mann Besatzung umsegelte das Schiff die Welt und transportierte insbesondere Salpeter von Südamerika nach Hamburg. Mit den Gewinnen aus diesem wirtschaftlich einträglichem Transport und Geschäft wurden letztlich das Chilehaus und das Kontorhausviertel finanziert, das mittlerweile zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Die „Peking“ ist Teil der Flying P-Liner zu der auch die „Pommern“ (Jahrgang 1903, Museumsschiff vor Mariehamn/Finnland), die „Passat“ (Jahrgang 1911, Museumsschiff vor Travemünde) und die „Padua, jetzt „Kruzenshtern“ (Jahrgang 1926, aktives russisches Segelschulschiff) gehören. Ihr Name geht wie der aller Schiffe der P-Liner-Klasse auf den „Pudel“ zurück. So lautete der Spitzname der – lockenköpfigen – Gattin des Reeders Carl Laeisz.

Museumsschiff in New York

Der Erfolg der Flying P-Liner gründete außer auf dem perfekten Zusammenspiel der Mannschaft auch auf der verlässlichen Schnelligkeit der „fliegenden“ Segler. Die Effizienzsteigerung bei Dampf- und Maschinenschiffen läutete dann aber das Ende dieser Erfolgsgeschichte ein. Und die großen Salpeterfahrten wurden durch die Erfindung des künstlichen Düngers nach dem Ersten Weltkrieg und die Eröffnung des Panamakanals besiegelt. Nach 17 erfolgreichen Salpeterfahrten aus Chile unter sechs Kapitänen wurde die „Peking“ 1932 an die Shaftesbury Homes & Arethusa Training Ship Company verkauft, in „Arethusa“ umbenannt und als Schul- und Internatsschiff auf dem River Medway östlich von London eingesetzt. 1975 wurde das Schiff versteigert und von amerikanischen Mäzenen, allen voran dem New Yorker Kaffeeimporteur Jack R. Aron, für 6,5 Millionen Dollar wiederhergestellt und am Haken eines holländischen Hochseeschleppers nach New York verbracht. Hier, auf dem East River zu Füßen der berühmten Brooklyn Bridge, lag der imposante Viermaster wieder unter seinem alten Namen und diente bis vor kurzem dem South Street Seaport Museum als Museumsschiff.

Neuer Standort noch offen

Wo genau später die „Peking“ und das Hafenmuseum ihren Standort haben werden, steht aktuell noch nicht fest. Favorisiert wird auf Seiten der Stiftung selbst ein Platz an den 50er-Schuppen auf dem Kleinen Grasbrook. Kein Wunder: Dort gibt es bereits ein kleines Hafenmuseum.

Daten und Fakten

- Baujahr: 1910/11, Jungfernfahrt am 16. Mai 1911 nach Chile
- Reederei: F. Laeisz, Hamburg | Werft: Blohm & Voss, Hamburg
- Typ: Viermastbark; Rumpf, Masten und Rahen aus Stahl
- Höchstgeschwindigkeit: 17 Knoten
- Besatzung: 31 Mann (Frachtschiff), 74 Mann (Schulschiff)
- Länge über alles: 115 m
- Breite: 14,40 m
- Tiefgang: 7,24 m
- Segel: 32 mit etwa 4.600 qm Segelfläche und 350 Hissleinen
- Ladekapazität: 5.300 Tonnen
- Höhe Großmast: 54 m über Wasserlinie
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