Eine Ausbildung fürs Leben

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Die SOS-Kinderdorf-Azubis mit ihren Ausbilderinnen und der Leiterin Sabine Hoyer (vorn rechts) Foto: Blume

SOS-Kinderdorf Harksheide ist Ausbildungsbetrieb. 30. Geburtstag mit Festakt gefeiert

Von Claudia Blume
Norderstedt
Die weißen Blusen gestärkt, die schwarzen Schürzen umgelegt erwarten neun Auszubildende recht aufgeregt über 100 Gäste, die zusammen mit ihnen das 30-jährige Bestehen des Ausbildungsbereiches im SOS-Kinderdorf Harksheide feiern wollen. Denn in der Einrichtung bekommen nicht nur sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche die Möglichkeit eines geregelten Familienlebens, auch junge Erwachsene erhalten eine Perspektive für ihr Berufsleben. Seit 1986 gibt es auf dem Gelände des SOS-Kinderdorfes den hauswirtschaftlichen Ausbildungsbetrieb, der junge Menschen in drei Jahren zum „Fachpraktiker der Hauswirtschaft“ ausbildet. „120 Azubis sind seitdem bei uns in die ‚Lehre’ gegangen, darunter zehn junge Männer“, erzählt Sabine Hoyer, seit 2006 Ausbildungsleiterin. Lediglich fünf „Lehrlinge“ kamen aus dem SOS-Kinderdorf, das Gros von außerhalb. 15- bis 26-Jährige, die aus vielerlei Gründen große Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt haben, die mehr Zeit zum Lernen und für ihre Reifung brauchen als andere. „Es geht um mehr, als nur einen Beruf zu erlernen. Die jungen Menschen kommen stark verunsichert zu uns, waren immer am untersten Ende der Leistungsskala, wurden in der Schule gehänselt und gemobbt. Durch die Ausbildung machen wir sie stark und selbstbewusst, denn jeder Mensch kann etwas“, betont Sabine Hoyer. So wie Tanja Plauschinn. Die 26-Jährige hat vor einem Jahr ausgelernt und bekam im Anschluss eine Stelle als Servicekraft im Albertinen-Krankenhaus. „Ich kümmere mich dort um die Essenausgabe und freue mich sehr über den Kontakt zu den Patienten – früher wäre ich dafür viel zu schüchtern gewesen. Erst in der Lehre fühlte ich mich ernst genommen und bin selbstbewusst geworden“, sagt die junge, fröhliche Frau. Versorgung und Betreuung von Gästen, Kindern und Senioren, Kochen, Wäsche- und Raumpflege sowie Dekoration stehen auf dem Ausbildungsplan für angehende „Fachpraktiker der Hauswirtschaft“. Neben Praktika in Kooperationsbetrieben wie Dodenhof, in Kitas, Hotels und Senioreneinrichtungen hat die Ausbildung im SOS-Kinderdorf einen großen Vorteil: Es geht familiär zu und es gibt echte Aufträge. „Bei uns werden keine Demo-Hemden gefaltet, sondern treue Kunden auch aus der Nachbarschaft lassen regelmäßig ihre Wäsche bei uns machen und bestellen Fingerfood für Partys“, berichtet die Ausbilderin. „So bekommen die Azubis ein direktes Feedback und lernen mit Kritik umzugehen.“ Die gab es vergangenen Freitag nicht. Das Büffet für die Geburtstagsfeier kam bei den Gästen bestens an und der Service war perfekt. An dieser Erfahrung sind die neun Azubis wieder ein Stück gewachsen und haben Kraft geschöpft für ihr kommendes Berufsleben.
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