Eltern stärken – Kinder fördern

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Kinderärztin Dr. Ingrid Marineße initiierte das interkulturelle Beratungsprojekt in Langenhorn Foto: Haas

Interkulturelles Beratungsprojekt „Von Anfang an“ hilft überforderten Müttern

Von Waltraut Haas
Langenhorn
Die Praxis ist gut besucht. So vielen kranken Kindern muss Dr. Ingrid Marineße gerecht werden, darunter auch den kleinen Patienten aus Familien aus den Unterkünften am Grellkamp, im Jugendpark sowie aus der Mutter-Kind-Einrichtung Hohe Liedt. Die Behandlung unter Zeitdruck sei erschwert durch sprachliche Barrieren. „Manche Kinder sind zudem unruhig, schreien viel und haben Probleme beim Füttern und Schlafen“, so die Kinderärztin. „Ihre Mütter brauchen dringend Beratung, bevor sie erschöpft, hilflos oder wütend werden.“ Für ein besonderes Projekt in der Elternschule Langenhorn gewann Dr. Marineße deshalb die Kollegin Dr. Dagmar Brandi (67). Weil die Kinderärztin und Psychotherapeutin die Probleme überforderter junger Mütter seit Jahrzehnten kennt, entwickelte sie das Beratungsangebot „Von Anfang an“. Seit über zehn Jahren bietet der von ihr gegründete Verein möglichst frühzeitige Hilfen an, „bevor aus kleinen Problemen große werden“, sagt Dr. Brandi, die junge Eltern stärken möchte. Von Ruhestand will die Kinderärztin mit Schwerpunkt in Entwicklungsdiagnostik nichts wissen. Seit vergangenem Herbst engagiert sich Dr. Brandi ehrenamtlich im Aufbau der interkulturellen Beratung für Mütter in der Elternschule Langenhorn. Für Migrantinnen und geflüchtete Frauen mit Kind nimmt sie sich am Holitzberg besonders viel Zeit. Sprachbarrieren überwindet sie meist in fließendem Englisch oder Französisch.

Kinder verstehen


Dr. Brandi begrüßt eine Klientin mit ihrem Baby auf Französisch. Jolynesse kommt von der Elfenbeinküste und spricht schon leidlich deutsch. Schon das letzte Gespräch habe ihr viel gebracht, erklärt sie: Ihr älterer Sohn war sehr eifersüchtig auf den kleinen Bruder. Das habe sich gelegt, seitdem er vor ihm essen darf.
Schon als junger Klinikärztin fielen ihr die Schreibabys entnervter Eltern in der Notambulanz auf. „Aus medizinischer Sicht waren sie organisch gesund“, sagt Dr. Brandi. „Für rund 35 Prozent aller jungen Eltern wäre eine Beratung so früh wie möglich wünschenswert“, weiß die Ärztin. Seelische Vernachlässigung sei lange nicht sichtbar, Fehlentwicklungen lassen sich um so schwerer korrigieren. „Dazu kommt die lange Zeit ohne Freude.“ Vordringlich will sie Müttern helfen, ihr Kind besser zu verstehen, damit sie folgerichtig reagieren und es in seiner Entwicklung fördern können. Ulrike Schliephack leitet die Elternschule am Holitzberg und freut sich über den Einsatz von Dr. Brandi. „Von diesem Projekt profitieren auch die Familienhebammen bei uns im Haus. Wir sind keine Einzelkämpfer. In einer guten Netzwerkarbeit stärken wir uns gegenseitig“, sagt Ulrike Schliephack.

Weitere Infos: Von Anfang an
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