„Erst spät davon erfahren“

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Der Vorsitzende Jürgen Sohn (r.) und sein Stellvertreter Hartmut Leutner vom TuS Holstein Quickborn Foto: Fuchs

Missbrauchs-Skandal: Vorstand des TuS Holstein Quickborn wehrt sich

Von Burkhard Fuchs
Quickborn
Der Vorstand des TuS Holstein Quickborn hat sich am Freitag klar und deutlich zu den Missbrauchsvorfällen im Verein geäußert. Das Landgericht Itzehoe hatte jetzt den ehemaligen Jugendtrainer Kai H., 42, zu 22 Monaten auf Bewährung verurteilt, weil er sich zwischen 2013 und 2015 an drei seiner Schützlinge im Alter unter 14 Jahren insgesamt 15-mal vergangen habe. „Wir haben erstmals im Juli 2015 von der Mutter eines betroffenen Jungen von diesen Vorwürfen erfahren“, betonen die Vorsitzenden Jürgen Sohn und Hartmut Leutner, gegen die jetzt Rücktrittsforderungen im Verein laut wurden. Daraufhin hätten sie sofort die Zusammenarbeit mit H. beendet. „Wäre es uns vorher bekannt gewesen, hätten wir selbstverständlich umgehend reagiert.“
Im Jahr 2014 hätte der Vereinsvorstand erstmals von zwei Jugendtrainern, die offenbar als Kronzeugen vor Gericht aussagten, von einem Vorfall bei einer Fußballausfahrt im Jahr davor erfahren. „Dabei gab es keine konkreten Vorwürfe eines sexuellen Missbrauchs und keine Informationen, die gerechtfertigt hätten, die Polizei zu informieren oder Herrn H. von seinen Aufgaben freizustellen“, betont der Vorstand. Vielmehr hätten sie ihre Beobachtung beschrieben, dass H. auf dieser Ausfahrt einen Jungen abgeduscht und wieder angezogen hätte. Darauf zur Rede gestellt, habe H. glaubhaft versichert, dass sich der Junge eingenässt hätte und er ihn deshalb habe abduschen müssen. „Davon, dass Herr H. das Kind unsittlich berührt hat, war seinerzeit keine Rede.“ Die Gespräche des Vorstandes mit den anderen Trainern, den Eltern und der Beratungsstelle Wendepunkt gegen sexuellen Missbrauch hätten an dieser Aussage nicht zweifeln lassen und es ebenso eingeschätzt. „Auch durch die beiden Trainer, heute wohl die Hauptbelastungszeugen in dem Strafprozess gegen Herrn H., erfolgte keinerlei Strafanzeige.“ Zumal sich H., der gleich mehrere Mannschaften trainierte, beim TuS für das Projekt „Ehrenkodex für Jugendleiter“ hochgradig engagierte. Selbstverständlich sei der Verein „in besonderem Maße gefordert, soweit es den Schutz der anvertrauten Kinder geht“, betont der Vorstand. Darum müsse heute auch jeder der 60 Trainer ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen und sich der Einhaltung bestimmter Verhaltensregeln im Umgang mit Kindern und Jugendlichen verpflichten, wie dies der Landessportverband empfiehlt. Zudem habe der TuS noch im Herbst 2015 mit Karin Leutner die Position einer Kinderschutzbeauftragten geschaffen, so der Vereinsvorstand. Als im Sommer des vergangenen Jahres der Missbrauchsvorfall öffentlich bekannt wurde, traten zahlreiche Jugendfußballer aus dem Verein aus, der daraufhin mehrere Jugendmannschaften vom Spielbetrieb abmelden musste.
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