Es summt und brummt

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Der Umweltwissenschaftler Manuel Pützstück betreut das Projekt „Wildbienen-Boulevard“ Foto: Krause

Der Ohlsdorfer Friedhof bekommt einen Bienen-Boulevard

Ohlsdorf Sie klagen nicht – sie summen. Meist tiefer, als ihre vom Menschen „gezähmten“ Artgenossen, die Honigbienen. Aber Grund zur Klage hätten die wilden Bienen, zu denen auch die Hummeln zählen, schon. Es geht ihnen wie vielen anderen Hamburgern auch – ihnen fehlt es an Wohnraum. Während die „dicken Hummeln“ Wohngemeinschaften wie etwa leere Mäusenester bevorzugen, haben es ihre kleineren Artgenossen auf „Single-Wohnungen“ abgesehen. Müssen Menschen in Hamburg bei knappem Angebot und mit hohen Mietpreisen kämpfen, so stellt sich die Situation für die über 500 Wildbienenarten noch schwieriger dar. Neben Wohnraumproblemen müssen sie sich auch noch um ihr täglich‘ „Brot“ sorgen. Denn Wildblumen, die sie zum Überleben brauchen, fehlen zunehmend, ganz zu schweigen von Pflanzenschutzmitteln, mit denen auch Wildblumen kontaminiert werden. Eine Studie hat gezeigt, dass Hummeln nur dort vorkommen, wo gleichzeitig gute Bedingungen für Nahrung und Nistplätze vorhanden sind. Nahrung und Wohnung – zwei Bedürfnisse, die die sympathischen „Brummer“ mit den Menschen teilen. „Wildblumen und Wildbienen bedingen einander“, erklärt Manuel Pützstück von der Deutschen Wildtier Stiftung. „Etliche Wildblumen können nur von ganz bestimmten Wildbienen bestäubt werden. Fehlen sie, dann verschwindet auch die entsprechende Wildblume.“ Deshalb ist es für die Stiftung höchste Zeit zu handeln. Nachdem im Vorjahr beim Rosengarten auf dem Friedhof Ohlsdorf eher symbolisch eine kleine Fläche wildbienengerecht hergerichtet wurde, erweitert man die Fläche in diesem Jahr deutlich „Wir haben entlang der Lerchenallee auf beiden Seiten unterschiedlich breite, jeweils 800 Meter lange Streifen für Wildblumen angelegt“, sagt Pützstück, der in Lüneburg Umweltwissenschaft studiert hat. „Zuerst wurde auf fünf Zentimeter Tiefe der Mutterboden entfernt und durch eine ‚magere‘ Sand- und Erdmischung ersetzt. Danach wurden rund 40 Kilogramm regional zertifiziertes Saatgut eingebracht.“ Nun wird es noch einige Wochen dauern, bis die ersten Pflanzen auf der rund 4.000 Quadratmeter großen Wildbienenweide blühen werden. Die Pflege, zum Beispiel das jährliche, streifenweise Abmähen und den Abtransport des „Heus“, übernimmt die Stiftung, die schon rund 17.000 Euro für die Erstanlage investiert hat, um mit dem Projekt Wildbienen-Boulevard starten zu können. (fjk)

Weitere Infos und Spendenkonto: DeutscheWildtierStiftung.de
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