Feldmark-Initiative sagt Nein

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Steffen Haack und Dietmar Büchler (v.l.) vom „Verein zum Erhalt der Hummelsbüttler Feldmark“ Foto: fjk
 
Die Hummelsbüttler Feldmark ist ein ökologisch und kulturhistorisch wichtiger Bestandteil Hamburgs Repro: wb

Ein Verein wehrt sich gegen Bebauungspläne

Hummelsbüttel Die Hummelsbüttler Feldmark ist ein ökologisch und kulturhistorisch wichtiger Bestandteil Hamburgs. Ihre Erhaltung scheint durch die aktuellen Bebauungspläne gefährdet zu sein. Aus diesem Grund haben besorgte Bürger den „Verein zum Erhalt der Hummelsbüttler Feldmark“ gegründet, der den Plänen des Bezirks Wandsbek und des Senats, hier Wohnraum für 2.000 Menschen zu schaffen, ein entschiedenes „Nein“ entgegensetzen will. Denn was von Bezirk und Senat als „alternativlos“ bezeichnet wird, erscheint inzwischen nicht nur den Hummelsbüttlern als unausgereift. „Warum hat der Senat nicht für die gigantische Aufgabe, tausende von Menschen nachhaltig mit Wohnraum zu versorgen, eine Planungsgesellschaft installiert, die mit Kreativität und Fachkompetenz das Problem angeht?“, fragt Steffen Haack, Vorstandsmitglied des Vereins. „Die Feldmark ist nicht nur eine Ansammlung von Wiesen und Äckern, sie erfüllt wichtige Aufgaben für Hamburg. Die Hummelsbüttler Feldmark ist eine der bedeutendsten Kaltluftachsen Hamburgs. Ihre Zerstörung würde die spürbaren Auswirkungen des Klimawandels in der Großstadt Hamburg forcieren. Großstädte sind von der Erwärmung stärker betroffen als ihr Umland, da dicht bebaute und versiegelte Flächen mehr Wärme speichern. Weiterhin ist die Feldmark eine schützenswerte Kulturlandschaft. Ihr ‚Gesicht‘ ist auch durch die bäuerliche Kultur entstanden und gepflegt worden. Der Wechsel von Ackerbau, Weidewirtschaft, Knicks und Wald ist einzigartig. Da die Hummelsbüttler Feldmark schon lange Landschaftsschutzgebiet ist, unterlag ihre Bewirtschaftung strengen Auflagen“, so argumentiert der Verein. Schon Fritz Schumacher, der geniale Stadtplaner und Gestalter Hamburgs zwischen den Weltkriegen, hat ganz bewusst in seine Überlegungen die Frischluftzufuhr durch freie Strömungskorridore integriert.
„Warum ignoriert ein rot/grüner Senat das heute“, fragt man sich im Verein. Was Vorstandsmitglied Dietmar Büchler besonders wundert ist die Rolle der Grünen: „Deren Mitwirkung in Sachen Ökologie beschränkt sich offensichtlich darauf, für die geplante Großsiedlung im Landschaftsschutzgebiet Fahrradständer und begrünte Dächer zu fordern“. „Das ist sehr dünne grüne Politik“, findet er.“
Was den erst im Dezember 2015 gegründeten Verein wurmt, ist die Tatsache, dass der Bezirk Wandsbek die aktuelle Wohnungsnot nutzen will, um entgegen Koalitionsvertrag und der offiziellen Klimaplanung des Senats bisherige „Tabuzonen“ zu bebauen. Kritisiert wird auch, dass die geplanten Wohnungen in der Hummelsbüttler Feldmark weit ab von jeder weiteren Wohnbebauung des Bezirks liegen und dass es für Wohnzwecke kaum Infrastruktur gibt. Die Langenhorner und Norderstedter sehen mit Befremden, dass der Bezirk Wandsbek neben der erweiterten Unterkunft Poppenbüttler Weg sowie der Unterkunft Schule Flughafenstraße Flüchtlinge erneut direkt an seiner Bezirksgrenze ansiedelt. Menschen, die hier wohnen, haben logistisch nur minimale Verbindung zum Bezirk Wandsbek.

Fehlende Abstimmung mit Schleswig-Holstein


Einen kapitalen Bock schoss Dr. Andreas Dressel, Fraktionsvorsitzender der SPD in der Bürgerschaft, bei der jüngsten Informationsveranstaltung am 29. Januar. Sinngemäß sagte er: „Die Gespräche mit dem Land Schleswig-Holstein bezüglich der Senatspläne sind intensiv, das Bebauungsverfahren ist bereits eingeleitet und konkrete Varianten werden zwischen Hamburg und dem Land Schleswig-Holstein besprochen.“ Nizar Müller, CDU-Mitglied im Regionalausschuss Langenhorn-Fuhlsbüttel-Alsterdorf-Groß Borstel, hat seine Kollegin im Kieler Landtag, Katja Rathje-Hoffmann (CDU), gebeten, dem nachzugehen. Die Antwort der Landesregierung auf ihre „Kleine Anfrage“ vom 1. Februar spricht eine klare Sprache. „Nein, der Landesregierung sind Planungen der Freien und Hansestadt Hamburg zur Errichtung einer Einrichtung zur Unterbringung von Flüchtlingen und Asylbewerbern im Ortsteil Hummelsbüttel nicht bekannt“, erklärte das Kieler Ministerium für Inneres und Bundesangelegenheiten unmissverständlich.

Für Integration und gegen Ghettobildung


Der junge „Verein zum Erhalt der Hummelsbüttler Feldmark“ sieht sich nicht nur als Interessenvertreter von Umwelt und Naturschutz. Er bemängelt, dass der Senat mit seinem Konzept von Großsiedlungen für Flüchtlinge jede Möglichkeit von Integration ausschließt. Nicht nur, dass in Schleswig-Holstein vorhandene Erstunterkünfte leer stehen – auch in Mecklenburg-Vorpommern gäbe es tausende Wohnungen, die sofort bezogen werden könnten. Dass in der brennenden Frage der Flüchtlingsunterbringung weiterhin in kleinstaatlichen Dimensionen gedacht wird, erscheint den Aktiven des Vereins unverständlich. Flüchtlinge, davon ist auch der Verein überzeugt, müssen gute und integrationsfördernde Wohnungen bekommen. In der Hummelsbüttler Feldmark sei das nicht gegeben. Deshalb werde der Verein auch dem Dachverband der „Initiativen für erfolgreiche Integration Hamburg“ beitreten. (fjk)

Weitere Informationen über den Verein finden sich im Internet. Montag, 29. Februar, 18 Uhr, öffentliche Plandiskussion in der Turnhalle der Fritz-Schumacher-Schule, Timmerloh 32 in Langenhorn
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