Gutes Essen verbindet

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Wardan Salhab, Uwe Stahnke und Nizar Hasan (v.l.) bereiten Huhn und Kartoffeln für den Hauptgang vor Foto: Nowatzky

Flüchtlingshilfe der anderen Art in der DRK-Küche in Norderstedt

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt
In der großen Küche im Haus am Kielortring wird geschnippelt, geputzt und vor allem viel gelacht. Zwölf Männer im Alter von 22 bis 75 Jahren schneiden Paprika, Zucchini und Lauch für den Syrischen Salat, putzen Hühnerbrüste und schälen Kartoffeln für das „Huhn mit Reis und Kartoffeln nach syrischer Art“ und schlagen Eier auf für die „Crème Brûlée“ zum Nachtisch. Am Schluss soll es noch einen arabischen Mokka geben – so haben es die fünf Deutschen und sieben Syrer vorher festgelegt. Zum ersten Mal haben sie sich an diesem Abend in der DRK-Küche getroffen. „Kochen mit Flüchtlingen“ hat Initiator Werner Aschmutat diesen Auftaktabend genannt. Der ehemalige DRK-Chef in Norderstedt kocht bereits seit mehr als zehn Jahren in einer zwölfköpfigen Männerrunde und will – gemeinsam mit vier Mitköchen aus der bestehenden Montagsrunde – mit diesem neuen Projekt Integrationsarbeit leisten. Bei den Flüchtlingen der Unterkunft Lawaetzstraße traf er sofort auf offene Ohren. Der 29-jährige Jura-Student Wardan Salhab kennt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) bereits von seiner ehrenamtlichen Hilfe in der Kleiderkammer und besorgte kurzerhand sechs weitere kochbegeisterte Mitbewohner.

„Beim gemeinsam Kochen fängt man an zu reden.“ Werner Aschmutat

Gerd Stamer hat die Flüchtlinge mit aus der Wohnunterkunft abgeholt, in der Küche zeigt er Cinde Ali, wie Eier aufgeschlagen werden. „Das erste Mal“, bedeutet der 22-Jährige stolz. Er ist erst seit einigen Monaten in Deutschland, noch tut er sich schwer mit der neuen Sprache. An diesem Abend kein Problem, alle Sprachen tönen querbeet durch die Küche: Deutsch, Englisch, Kurdisch, Arabisch – irgendwie klappt die Verständigung. „Das ist auch für uns ein Abenteuer“, sagt Werner Aschmutat. Schon die Vorbereitungen des Abends waren abenteuerlich, wie er erzählt: „Wir wollten uns auf ein Rezept einigen und einkaufen gehen.“ Ein oder zwei Wochen vor dem Termin eine schriftliche Einkaufsliste machen? Das klappte nicht. Ein paar Tage vorher fuhr er in die Lawaetzstraße und sprach einfach noch mal direkt mit den künftigen Mitköchen. Dann war alles klar und rechtzeitig vor dem Kochabend auch alle Zutaten bereit. Neuland eben nicht nur für die Männer aus Syrien, sondern auch für die deutschen Gastgeber. „Beim gemeinsam Kochen fängt man an zu reden“, so hat sich Aschmutat den Abend vorgestellt. Vielleicht, so hofft der engagierte Mann, ergibt sich daraus auch noch mehr. „So lernt man sich richtig kennen und die Flüchtlinge sind dann Wardan, Nizar oder Omar und nicht mehr die Syrer“, meint er. Und der Lärmpegel in der Küche gibt ihm recht.
Uwe Stahnke beratschlagt mit Wardan, wie die Hühnchen am besten zuzubereiten sind, Gerd und Cinde lachen über das eine verlorene Ei, und alle zusammen stoßen mit Wein, Bananenshake und Bier auf den Abend an. „Vielleicht können wir das regelmäßig machen. Mal sehen, was alle dazu sagen“, so Aschmutat. Eines ist schon beschlossen: Ende Januar gibt es deutsche Gerichte.
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