Haben Hamburger Radfahrer die bessere Lobby?

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Ursula Bülow fährt zwar auch Fahrrad – doch sie kämpft als Fußgängerin für die Freigabe des „Schauwegs“ entlang des Tarpenbeks Foto: Krause

Ein Einwurf von Wochenblatt-Mitarbeiter Franz-Josef Krause

Langenhorn Die letzten Landtagswahlen ergaben für die Grünen keinen Anlass zur Freude. Auch in Hamburg darf nicht gelacht werden, denn die Bürger haben vehement den Elbradweg-Plan in die Tonne getreten. Nun aber jubelt die Grüne Fraktion im Bezirk Nord: „Senat unterstützt Machbarkeitsstudie für Radschnellweg zwischen Alsterdorf und Norderstedt!“ teilt sie freudig erregt mit. Geprüft werden soll, ob es machbar ist, im Korridor zwischen Norderstedt und Alsterdorf/Ohlsdorf einen Radschnellweg anzulegen, der dann in das Veloroutennetz der Hansestadt harmonisch einmündet. Michael Werner-Boelz, der Vorsitzende der Grünen Fraktion Nord, kommentiert: „Gut, dass wir wieder einen Schritt bei der Realisierung eines Radschnellwegs von Hamburg-Nord ins Umland weiter sind! Wir sind sehr gespannt, welche Ergebnisse die Machbarkeitsstudie bringen wird. Insbesondere die Absicht mehrere Varianten zu untersuchen begrüßen wir. Selbstverständlich ist für uns, dass ein Radschnellweg auf Hamburger Gebiet nicht ‚im Nichts‘ enden darf, sondern optimal an die Velorouten angeschlossen werden muss. Diese wollen wir ja bis 2020 fertiggestellt haben. Nur so gelingt es, ein attraktives Angebot für pendelnde Radfahrerinnen und Radfahrer in Hamburgs Norden zu schaffen!“

Wo bleiben die Fußgänger und Jogger?

Auch dem Elbradweg ging ein visionäres „wir wollen mal sehen“ voraus – nur die Bürger, die wollten nicht mitziehen. Auffällig ist, dass in der Freien und Radfahrstadt Hamburg die Gruppe der Spaziergänger und Jogger offensichtlich nicht annähernd eine so starke Lobby hat, wie sie die Radfahrer für sich verbuchen können. Denn wenn es um die Fußgänger geht, werden die Grünen plötzlich ganz kostenbewusst und schmallippig. Zum Beispiel beim „Schauweg“ entlang des Tarpenbek. Wiederholten Bitten und Forderungen, den durchgängig freizugeben und, wo nötig, fußgängergerecht auszubauen, erteilte Timo B. Kranz von der Grünen-Fraktion im Bezirk Nord eine klare Absage: „Wenn man sich die Situation vor Ort anschaut, wird sehr schnell deutlich, dass die Herstellung eines sicheren Weges an dieser Stelle nicht einfach ist. Einerseits wäre dies aufgrund der Komplexität mit hohen Kosten verbunden, andererseits bedeutet es einen umfangreichen Eingriff in das Gewässer und viele Bäume und Büsche entlang der Böschung müssten weichen. Insofern ist die grüne Position eindeutig: Selbst wenn der Bezirk das Geld in die Hand nehmen wollen würde, spricht der Eingriff in die Natur gegen eine solche Baumaßnahme.“ Basta – eine Studie ist überflüssig. Schade, dass Ursula Bülow, die seit Jahren für die öffentliche Nutzung des „Schauwegs“ kämpft, das nicht als Radlerin tut. Dann gäbe es zumindest eine Machbarkeitsstudie und alle würden begeistert klingeln! (fjk)
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