Hamburger Sturmflut: Zeitzeugen berichten

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Helmut Schmidt beim Interview am 30. Juni 2015 mit den Schülerinnen Sophia Burmeister und Marisol Gribner (v.l.) Foto: Cläre Bordes/Repro: Krause
 
Das Buch „Wir haben viel Glück gehabt. Lebensgeschichten zur Sturmflut 1962“ dokumentiert die Geschichte der Flut Repro: wb
Hamburg: Buchladen in der Osterstraße |

Am 16. Februar 1962 überrollte eine gewaltige Flutwelle die Deiche – 315 Menschen starben

Von Franz-Josef Krause
Hamburg
Der 16. Februar 1962 hat in der Hamburger Geschichte einen festen Platz. An diesem Tage wurde die Hansestadt von einer Sturmflut heimgesucht, wie sie zuvor noch nicht erlebt wurde. Schülerinnen der Stadtteilschule Stellingen und der Ida Ehre-Schule forschten zum Thema Flutkathastrophe, bei der 315 Menschen ums Leben kamen, zahlreiche Häuser zerstört wurden.

Zeitzeuge Helmut Schmidt

Sie unterhielten sich vor zwei Jahren mit Zeitzeugen wie Helmut Schmidt, der als Innensenator mit unkonventionellen Mitteln dafür sorgte, dass noch größere Schäden verhindert werden konnten. Die Ergebnisse hielten die Schülerinnen in einem Buch mit dem Titel „Wir haben viel Glück gehabt. Lebensgeschichten zur Sturmflut 1962“ fest. Die Initiative, Berichte von Zeitzeugen zu dokumentieren, ging von der inzwischen pensionierten, in Langenhorn gut bekannten Lehrerin Cläre Bordes aus. „Auch ich habe“, so die Pädagogin „die Zeit in Hamburg selbst miterlebt. Mir war es wichtig, dass sich die Schülerinnen über die Gespräche mit Zeitzeugen mit der damaligen Ausnahmesituation auseinandersetzten. Denn nur Zahlen werden der Flut von 1962 nicht gerecht. „Die Hamburger können die Schülerinnen am Donnerstag, 16. Februar, um 12 Uhr auf 90,3 hören und um 19.30 Uhr am selben Tag im Hamburg Journal des NDR sehen. Sie lesen mit anderen Hörern die Namen der 315 Flutopfer.“

Lage falsch eingeschätzt

Bei einer Innenministerkonferenz in Berlin erfuhr Schmidt damals von der drohenden Katastrophe. Er kämpfte sich durch den Sturm nach Hamburg und übernahm im Polizeipräsidium das Kommando. Nach zwölf Stunden hatte er Hubschrauber und Schlauchboot nach Hamburg geholt – hilfreich dabei war sein direkter Draht zu General Lauris Norstad, dem amerikanischem Oberbefehlshaber der Nato in Europa. In einem seiner letzten Interviews schilderte Helmut Schmidt den Hamburger Schülerinnen die damalige Lage. Der Orkan „Vincinette“ mit Windgeschwindigkeiten von über 200 Kilometer pro Stunde war zunächst von Fachleuten falsch eingeschätzt worden. Obwohl für die Nordseeküste Sturmflutwarnung gegeben worden war, war nicht damit gerechnet worden, dass auch Hamburg betroffen sein könnte.

Alarm zu spät ausgelöst

Viel zu spät wurde Alarm ausgelöst. Das tiefer gelegene Wilhelmsburg lief nach Deichbrüchen ab Mitternacht wie eine Wanne voll. Allein dort waren über 200 Opfer zu beklagen. Nur dem massiven Einsatz von Hubschraubern und Booten des Militärs war es zu verdanken, dass nicht noch mehr Hamburger den Tod fanden. Die spätere Bausenatorin Jutta Blankau und ihre Familie wurden damals im Boot von Soldaten des 3. Pionierbataillons gerettet. Nicht nur die Zivilbevölkerung hatte viele Opfer zu beklagen. Die Pioniere Gerhard Gowitzke, Klaus Hinz und Wilhelm Hermanns kamen bei den Rettungsarbeiten in jener Nacht ums Leben.

Das Buch „Wir haben viel Glück gehabt. Lebensgeschichten zur Sturmflut 1962“ ist in der Buchhandlung Osterstraße, Osterstraße 171 (info@buchladen-osterstrasse.de) erhältlich
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