Helmut-Schmidt-Haus virtuell besuchen

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Blick in die Hausbar, eingerichtet vom langjährigen Personenschützer Otti Foto: Haas

Website zum Hamburger Wohnhaus des Alt-Kanzlers und seiner Frau Loki soll ab September online sein

Von Waltraut Haas
Hamburg-Langenhorn
Das schlichte Doppelhaus von Helmut und Loki Schmidt am Neubergerweg eignet sich nicht als Museum mit Massenbetrieb. Wie berichtet, soll es nach dem Wunsch des Paars so erhalten werden wie zu Lebzeiten. Stattdessen zeigt demnächst ein virtueller Rundgang, wie das Paar hier lebte und arbeitete. So kann quasi jeder bei den beiden spontan „auf eine Zigarette“ vorbeischauen. Hecken säumen den Eingang des schlichten Doppelhauses mit zwei Geschossen. Heike Lemke, die langjährige Leiterin des Helmut-Schmidt-Archivs, kennt hier jeden Winkel, auch damit verbundene Anekdoten – miterlebte Geschichte. Flur und Treppenhaus im Eingang sind geschmückt mit zahlreichen Kunstwerken: Darunter auch Portraits der einstigen Hausbewohner. Ein Aufgang mit Treppenlift führt ins Obergeschoss: zum Arbeitszimmer des Hausherrn. Alles wirkt so wie zu seinen Lebzeiten. Selbst Aschenbecher stehen überall parat. Orientteppiche zieren die Fußböden im Wohnzimmer. Am Fenster zum Garten: der Flügel des Hausherrn. „Sein Spiel hat sich bis zuletzt richtig gut angehört,“ weiß Heike Lemke. Die kleine Musikecke blieb allerdings ungenutzt, mit Hörgerät konnte der Alt-Kanzler seine Plattensammlung nicht mehr genießen. Ansonsten im Wohnzimmer: die gemütliche Sitzecke, umgeben von Bücherwänden. Hier waren führende Staatschefs zu Gast, ebenso Freunde. Mancher Plausch wurde fortgeführt bei einem Aperitif in „Ottis Bar“ nebenan. Sie ist maritim dekoriert, mit „Seestücken“, Kompass, Schiffszubehör und -modellen. „Die Hausbar heißt nach dem langjährigen Personenschützer, der sie einrichtete“, erklärt Lemke. In einer Ecke zeigt ein Poster Helmut Schmidt am Steuerrad eines Segelschiffes, mit dem Schriftzug: „1980 – Ahoi und voran, denn er ist unser Steuermann.“ Dann geht es ins Esszimmer, in dem Loki persönlich die zahlreichen Gäste bekochte und bewirtete.

Blick in Lokis Reich


Lokis Reich ist auch der Garten, mit ungedüngtem Magerrasen, darauf hatte sie bestanden. In einer geschützten Ecke gedeihen immer noch ihre meterhohen Kamelien, zudem unscheinbare Pflanzen, gruppiert um einen Mini-Teich mit Terrasse. Das kleine Hallenbad nebenan diente der Fitness des Ehepaars.
In Lokis Archiv sind ihre botanischen Entdeckungen auf Reisen rund um den Globus dokumentiert. Das angrenzende Gewächshaus, in dem sie exotische Pflanzen kultivierte, ist allerdings verwaist. Ein neuerer Gebäudetrakt gegenüber dem Doppelhaus birgt das Helmut Schmidt-Archiv: Wände voller Bücher und Ordner, betreut und archiviert von Heike Lemke. Jetzt hat auch Stefan Herms hier sein Büro, der geschäftsführende Vorstand der Helmut und Loki Schmidt-Stiftung, ebenso die Referentin Andrea Bazzato. Sie koordiniert die Arbeiten für den virtuellen Rundgang. „Voraussichtlich Anfang September sind wir online“, sagt sie. Dann werde die Adresse freigeschaltet auf.

Weitere Infos: www.helmut-und-loki-schmidt-stiftung.de

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