Hummelsbüttler Feldmark: Streit um Bebauungspläne

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Wer vom Wilden Moor in Richtung Raakmoorgrund spaziert, sieht Pferde weiden. Die Wege sind an manchen Stellen fast komplett zugewachsen Foto: fbt

Auseinandersetzung über geplante Flüchtlingsunterkunft am Rehagen hält an

Von Frank Berno Timm
Hummelsbüttel
Derzeit arbeitet ein österreichischer Gutachter daran, das Klima in der Hummelsbüttler Feldmark zu untersuchen. Eine erste Untersuchung hatte es bereits 2012 gegeben. Die jetzige beschäftigt sich mit der geplanten Flüchtlingsunterkunft am Rehagen (Bebauungsplanverfahren Hummelsbüttel 28). Wie idyllisch ist die Hummelsbüttler Feldmark eigentlich? Wer sich von der Glashütter Landstraße ins Wilde Moor in den Raakmoorgrund begibt, kommt schnell ins Grüne. Radfahrer sind unterwegs, dann und wann auch mal Reiter mit ihren Pferden. Die Vierbeiner bevölkern die Weiden. Kein Zweifel: Der Platz ist hübsch, selbst Skeptikern wird diese menschliche Kulturlandschaft gefallen. Kann man die Schönheit des einen Gebiets auf andere Regionen der Feldmark übertragen? Gefühlt alle 30 Sekunden donnert hier ein Flugzeug über die Weiden hinweg auf Fuhlsbüttel zu. Die Pferde grasen weiter, völlig ungerührt. Am Rehagen werden die Flugzeuge nicht mehr so laut zu hören sein, Pferde gibt es auch dort; und auch diese Gegend gehört zur Feldmark. Hier liegt das Bebauungsplangebiet Hummelsbüttel 28, wo der Bezirk Wandsbek eine „Flüchtlingsunterkunft mit der Perspektive Wohnen“ realisieren will. Derzeit, teilt das Bezirksamt Wandsbek auf Anfrage des Wochenblatts mit, würden die klimatischen Gegebenheiten von einem externen Gutachter näher untersucht. Erste Ergebnisse wurden zuletzt im Planungsausschuss vorgetragen. Matthias Rateiser, Geschäftsführer der beauftragten Fachfirma in Wien, sagte, vor der Veröffentlichung des Gutachtens zum Mikroklima dürfe er sich dazu nicht äußern. Nach Rateisers Einschätzung sind solche Untersuchungen nicht ungewöhnlich, das käme „häufig vor“. Zu den Unterstützern des Vereins zur Erhaltung der Hummelsbüttler Feldmark gehört auch der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Dennis Thering. „Dass der Senat weiterhin an der Bebauung des Landschaftsschutzgebietes Hummelsbütteler Feldmark festhält, ist ein Skandal. Im Koalitionsvertrag von SPD und Grünen ist vereinbart, die Feldmark nicht zu bebauen. Dass die Koalition schon nach einem Jahr wortbrüchig wird, lässt nichts Gutes für die kommenden dreieinhalb Jahre erahnen“, sagt er dem Wochenblatt. Das jetzt geplante Projekt werde leider erst der Anfang für weitere Bebauung der Feldmark sein. Das Raakmoor, laut Nabu Hamburg mit 17,8 Hektar unter Naturschutz, ist insgesamt rund 90 Hektar groß und „eine der wenigen Restflächen einer ehemals ausgedehnten Hochmoorregion in Hamburgs Norden“. Es war vor und während des Zweiten Weltkriegs durch Land- und Forstwirtschaft nahezu zerstört, typische Tiere und Pflanzen verdrängt worden. Erst Ende der 1970-er Jahre fing man an, das Moor zu retten.
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