Jeder kann obdachlos werden

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Emma, Mara und Maja erläutern ihrer Referendarin Katrin Krogmann die Stufen, die nach unten, in die Obdachlosigkeit führen können Foto: Krause
 
Katja Bosse liest ihrer Tochter Amalie die von der 4a gestaltete Geschichte von Mr. Stink und seinem Hund vor Foto: Krause
Hamburg: Eberhofweg 75 |

Grundschüler aus Langenhorn arbeiten zum Thema Obdachlosigkeit und senden Botschaften

Langenhorn Anfang des Jahres beschäftigte das Thema kurz die Politik – auf eine „Kleine Anfrage“ zur Obdachlosigkeit in Langenhorn hieß es lapidar: „Das Bezirksamt HH-Nord hat keine besonderen Erkenntnisse zu Zahlen und der Situation von obdachlosen Menschen in Langenhorn. Gegebenenfalls kann die zuständige Fachbehörde, die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration hierzu weitere Angaben machen.“

Gründe für Obdachlosigkeit

Auf dem Weg von und zur Schule wurden und werden die Kinder der Klasse 4a der Katharina von Siena Schule täglich mit dem Thema Obdachlosigkeit, mit Menschen, die im Schutz des Daches der Ladenzeile am Langenhorner Markt leben, konfrontiert. Sie wandten sich nicht an die „zuständige Fachbehörde“ sondern an ihre Klassenlehrerin, Barbara Mende. Gemeinsam mit den Kindern, Pastoralreferenten Sebastian Fiebig und Schulpraktikant Jan Wiltschek beschloss die Lehrerin, der Obdachlosigkeit auf den Grund zu gehen. In Langenhorn und in ganz Hamburg. So haben sie sich aufgemacht, um am Nobistor die „Alimaus“ eine ausschließlich mit Spenden finanzierte Einrichtung zu besuchen. Die Kinder löcherten Herbert Wolfvon der „Alimaus“ mit Fragen; immer wieder ging es darum, wie es kommt, dass Menschen kein Zuhause haben. Und – was ist mit den Kindern? Haben Obdachlose auch Kinder? Die kleinen Besucher freuten sich mit den Gästen am Nobistor, dass Bedürftige dort zweimal am Tag Essen erhalten können.

Schüler fragen Obdachlose

Toll fanden sie auch, dass Krankenschwester Claudia Fischer täglich hilft und dass ein Arzt sie dabei regelmäßig ehrenamtlich unterstützt. „Häufig haben die Gäste Hautprobleme und offene Wunden“ notierten Fenja und Nele. Klar, dass die 4b auch das Zahnmobil der Caritas, mit dem täglich Zahnärzte ehrenamtlich unterwegs sind, erkundeten. Ganz konkret haben die Schüler auch in Langenhorn nachgefragt. Im Gespräch mit einem Obdachlosen hörten sie, was ihn bewegt. „Eine eigene Wohnung, warmes Essen und eine warme Dusche, das wäre schön“ erfuhren Felipa und Thale. Der Mann erzählte den Kindern auch dass „in der Tiefgarage des Herold-Centers 30 bis 40 Obdachlose leben und übernachten.“ Für sie eine schreckliche Vorstellung. Mit einem selbst erarbeiteten Fragebogen interviewten die Kinder Menschen, die auf dem Wochenmarkt einkaufen. Angst vor Obdachlosen hat demnach niemand in Langenhorn. Etliche sind auch bereit, zu helfen. Nur sechs Prozent der Befragten reagierten so schroff wie dieser Langenhorner: „Niemand muss in Deutschland obdachlos sein; nur dann, wenn man sich nicht anstrengt!“ Clara ist traurig über diese Behauptung. Nach ihrer Meinung „kann jeder obdachlos werden!“

Ausstellung

In einer Ausstellung im Eingangsbereich der Schule haben die Kinder zusammengetragen, was sie zum Thema erfahren haben. Nicht nur ihre Mitschüler, sondern viele Eltern haben sie so mit dem Thema konfrontiert. Eine Botschaft dabei: Neben materieller Hilfe brauchen Obdachlose Respekt und Jemanden, der ihnen zuhört. (fjk)
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