Kirche Tannenweg feiert 80. Geburtstag

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Die Kirche am Tannenweg in den 1930-Jahren Repro: Krause

Einweihung 1935 unter den Nationalsozialisten – Erinnerungen an eine dunkle Zeit werden wach

Von Franz-Josef Krause
Langenhorn
Am 15. Dezember 1935 wurde durch Bischof Wilhelm Berning in Langenhorn die Kirche „Heilige Familie“ geweiht. Das feiert die katholische Gemeinde am kommenden Dienstag mit einem Dankgottesdienst. Zudem wird es einen Vortrag geben. Denn die Eröffnung fiel in eine dunkle Zeit. Damals hatten die Nationalsozialisten Hamburg fest im Griff. So war es selbstverständlich, dass zur Kirchweihe auch der „Hochverehrte Herr Reichsstatthalter Karl Kaufmann“ durch den damaligen „Pastor primarius“ der Katholiken in Hamburg, Bernard Wintermann, eingeladen wurde. Gekommen ist er allerdings nicht. Hamburg oder die Kirchen der Stadt waren kein Hort des Widerstandes gegen die NS-Diktatur. Oft vertraten leitende Kirchenmänner, wie die Landesbischöfe Johann Simon Schöffel oder Franz Tügel, ganz offen NS-Gedankengut oder sie glaubten, wie der Katholik Wintermann, „dass Adolf Hitler, der Kanzler und Führer Deutschlands, wirklich auch die Religion schützen will.“ Schlimme Übergriffe lastete man lieber subalternen Leitern, nicht aber dem Führer an. Wintermann und sein Bischof in Osnabrück begaben sich auf den schmalen Pfad der distanzierten Kooperation, um zumindest einige kirchliche Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten und Krankenhäuser noch für Monate oder Jahre zu erhalten. Für Langenhorn kam dabei der vorzeitige Ausbau des Tannenweg heraus. Eine Schule, wie sie bei bestehenden katholischen Kirchen in Hamburg üblich war, verboten die Behörden.
„Eingaben“ gegen Rechtsbrüche der Nazis führten zu nichts – laute Proteste dagegen sind von beiden Kirchen in Hamburg nicht zu vermelden. In Langenhorn und weit nach Schleswig-Holstein hinein waren die 470 Katholiken froh, eine eigene Kirche zu haben. Aus dieser Zeit stammt das Ölgemälde der Kirche. Der Marinemaler Otto Neutschmann (1902-1985) aus Fuhlsbüttel hat damit sein einziges bekanntes „Landstück“ hinterlassen. Katholik war Neutschmann nicht – wieso er dieses Motiv wählte, ist unbekannt. Der Künstler malte bevorzugt Finkenwerder Fischewer mit „Sprung“.
Den machte auch die Gemeinde nach dem Krieg: Flüchtlinge und Zuzügler ließ die Zahl der zur „Heiligen Familie“ zählenden Katholiken bis 2014 auf 5.500 Mitglieder anwachsen. Heute ist die Kirche eine von drei Gotteshäusern der 14.500 Katholiken der neuen Pfarrei „St. Katharina von Siena“ die sich von Fuhlsbüttel, Hummelsbüttel, Langenhorn, Norderstedt bis nach Henstedt-Ulzburg erstreckt. (fjk)

Info:
Dienstag, 15. Dezember, 18.30 Uhr, Dankgottesdienst sowie Freitag, 18. Dezember, 18.45 Uhr, Vortrag „Neugründung einer Pfarrei in Zeiten des Nationalsozialismus“ mit Ausstellung im Foyer und Klönschnack bei Wein im Gemeindesaal
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