Kirchengemeinden vor dem Aus?

Anzeige
St. Marien an der Ecke Maienweg/Am Hasenberge Foto: Biehl
 
Pastor Volker Simon mit Schwerpunkt Standort „Nikodemus“ weiß um die enge Bindung vieler Menschen an „seine“ Kirche. Auch sieben Jahre nach der Fusion fremdeln viele noch mit „St. Marien“

St. Marien und Nikodemus „nicht mehr förderungsfähig“. Gemeindeversammlung am Sonntag

Fuhlsbüttel/Ohlsdorf Droht den Kirchengemeinden St. Marien und Nikodemus das Aus? Das befürchten die Gemeindemitglieder. Für den kommenden Sonntag haben sie zu einer Gemeindeversammlung eingeladen. Hintergrund ist ein „Standort-Netzplan“ des evangelischen Kirchenkreises Hamburg Ost, nach dem mittelfristig die Absicht besteht, die Anzahl der „Kirchtürme“ zu reduzieren. „Es gibt keinen Plan, generell Kirchenstandorte aufzugeben. Aber bei zu erwartenden knapperen Mitteln erscheint es sinnvoller, in Menschen – sprich Personal – und nicht in Steine – also Gebäudeerhalt – zu investieren“, sagte Remmer Koch, Pressesprecher des Kirchenkreises, auf Nachfrage des Wochenblattes.

Steine, die erhalten werden müssen, hat der Kirchenkreis genug. Um strategisch planen zu können, haben die Verantwortlichen alle Gebäude nach intern erarbeiteten Kriterien bewertet. Dabei wurden drei Standorte der Region 9 „Mittleres Alstertal“ als zukünftig „nicht förderfähig“ eingestuft.
Es geht um Maria Magdalenen in Klein Borstel (1.591 Mitglieder, 0,5 Pastorenstellen und 36,6 Prozent der Einwohner) und die Kirchengemeinde „Ohlsdorf-Fuhlsbüttel“ (3.610 Mitglieder, 1,75 Pastorenstellen und 27,7 Prozent der Einwohner) mit den Standorten „Nikodemus“ Ohlsdorf und St. Marien, Fuhlsbüttel. Die beiden Gemeinden wurden erst 2008 fusioniert.
Zur Gemeindeversammlung sind auch nicht kirchengebundene Einwohner eingeladen.„Wichtig ist vielen in unserer Gemeinde, dass der ‚Standort-Netzplan‘ nicht so großmaschig wird, dass Kirche vor Ort nicht mehr wahrnehmbar ist“, sagt Pastor Volker Simon zusammen. „Wir verkennen nicht, dass die finanziellen Mittel begrenzt sind. Befürchtungen, die drei Kirchen könnten aus dem Stadtbild verschwinden, dürften aufgrund des bestehenden Denkmalschutzes unbegründet sein.“ Mitglieder befürchten, die nicht mehr „förderungsfähigen“ Gemeinden könnten anderen, weiterhin „förderungsfähigen“ Einheiten zugeschlagen werden: Nikodemus zu St. Gabriel in Barmbek, Maria Magdalenen zur Luthergemeinde Wellingsbüttel, und St. Marien zu St. Lukas in Fuhlsbüttel. Kirchensprecher Koch bezeichnete das jedoch als „völlig unbegründetes Gerücht“ .Wann tatsächlich die unterschiedlichen Einstufungen der Standorte finanzielle Auswirkungen haben, ist offen. Die für den Kirchenkreis entlastenden Ergebnisse sollen sich in zehn bis fünfzehn Jahren zeigen.
Grundsätzlich wird angepeilt: eine Kirche mit Gemeindezentrum sollte mindestens 5.000 Gläubige haben. Heute schon gilt die Kennzahl: eine Pastorenstelle für 2.600 Gemeindemitglieder. (fjk)

Sonntag, 19. Juli, 11.30 Uhr, außerordentliche Versammlung der Kirchengemeinde Ohlsdorf/Fuhlsbüttel. Gemeindesaal St. Marien, Am Hasenberge 44

Der Kirchenkreis Hamburg-Ost in Zahlen:
- 116 Gemeinden in 7 Propsteien und 38 Regionen
- 160 Kirchen
- 442.000 Gemeindeglieder
- 48 km Gesamtausdehnung Nordost-Südwest
- 270 Pastorinnen und Pastoren
- 3.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
- 16.000 Ehrenamtliche
- 134 Kindertagesstätten
v 15 Einrichtungen und Tag
ungshäuser
Anzeige
Anzeige
1 Kommentar
397
Rainer Stelling aus St. Georg | 19.07.2015 | 16:24  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige