Kritik an Straßennamen

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Sie werben für die Umbenennung: Andreas Schneider, Millicent Adjei, Jean Pierre Samedjeu vom AK Hamburg Postkolonial sowie Holger Tilicki von der Willi Bredel Gesellschaft Fotos: Krause

Adolph Woermann ist als Namensgeber zweier Straßen umstritten

Von Franz-Josef Krause
Fuhlsbüttel Personen mit Nazi-Vergangenheit sind als Namensgeber für Straßen untragbar. Das ist Konsens und hat bereits dazu geführt, dass in Hamburg Straßen umbenannt wurden. „Offensichtlich ist das für Politik und Bürger einfacher nachzuvollziehen als bei fragwürdigen Namensgebern aus der Kolonialzeit“, vermutet Millicent Adjei vom Arbeitskreis Hamburg Postkolonial.

In einer „Mitteilung des Senats an die Bürgerschaft“ im Juli 2014 ist festgelegt, wie hier vorzugehen ist. Millicent Adjei, einer in Afrika geborenen Hamburgerin, reicht das nicht. „Ich finde es unerträglich, fast einhundert Jahre nach Ende der Kolonialzeit des Deutschen Reiches mit Straßennamen konfrontiert zu werden, die Menschen ehren, die in Afrika große Schuld auf sich geladen haben“, empört sie sich. Adolph Woermann (1847-1911) ist so ein Fall. Doch die Kritik an ihm ist nicht neu. In der Schrift „Ein Gedächtnis der Stadt“ heißt es über den Kaufmann unter anderem: „Adolph Woermann gilt als Inbegriff des rücksichtslosen Kolonialkaufmanns. Mit seiner Privatarmee ließ er plündern und die Gefangenen zur Zwangsarbeit auf seine Plantagen bringen. Der ‚königliche Kaufmann‘ schreckte auch nicht vor Menschenhandel zurück.“ Die Willi-Bredel-Gesellschaft und der AK Postkolonial fordern nun die Bezirksversammlung Nord auf, endlich zu handeln und das Gedächtnis an Adolph Woermann aus dem Stadtbild zu tilgen.

Symbolisch soll der „Woermannsweg“ an der Ecke zum „Am Hasenberge“ in „Manga-Bell-Weg“ umbenannt werden. Rudolf Manga-Bell war ein afrikanischer Regionalkönig, der es wagte, juristisch Rechte für sein Volk einzufordern. Dafür wurde er wegen Hochverrats gehenkt. Manga-Bell war kein direktes Opfer Woermanns – sein Schicksal ist aber Resultat einer Geisteshaltung von Männern wie ihm, die meinten das Recht zu haben, Afrika und seine Menschen auszubeuten. Die C. Woermann GmbH & Co. KG im Afrikahaus hat auf Anfrage des Wochenblatts zur angestrebten Straßenumbenennung keine Stellungnahme abgegeben. (fjk)

Donnerstag, 23. Juni, 18.30 Uhr, Treffpunkt Alsterbrücke / Am Hasenberge / Woermannsweg. Mit Stadtteilrundgang ab 19 Uhr, Info-Veranstaltung im Grünen Saal im Grünen Grunde 1b. Lesung, Filmvorführung „Manga Bell – Verdammte Deutsche?“ und Diskussion
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