Längere Einkaufswege in Langenhorn

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Aldi-Filiale in Langenhorn: Innen nach neuen Standards zu klein und von außen etwas heruntergekommen Foto: Krause
 
Diesen Laden möchte Aldi bis zum Jahresende aufgeben Foto: Krause
Hamburg: Tangstedter Landstraße 25 |

Kein Sky-Supermarkt am Käkenhof, jetzt schließt auch noch Aldi seine Filiale

Von Franz-Josef Krause
Langenhorn
Nachdem die Pläne von Sky, sich am Käkenhof anzusiedeln geplatzt sind (das Wochenblatt berichtete), kommt nun die nächste schlechte Nachricht. Auf eine Kleine Anfrage des Bezirksabgeordneten Nizar Müller (CDU), ob Aldi oder Edeka die Absicht hätten, den Standort „Kleine Tangstedter Landstraße“ zu verlassen, teilte Bezirksamtsleiter Harald Rösler mit: „Aldi zieht bis Ende des Jahres aus.“

Aldi sucht größere Ladenfläche

Die Zentrale habe entschieden, alle 2.300 Filialen zu modernisieren. Dazu gehöre unter anderem eine auf etwa 1.200 Quadratmeter vergrößerte Verkaufsfläche. Das Grundstück in der Tangstedter Landstraße 25 sei dafür viel zu klein, Aldi suche deshalb ein entsprechend großes Ladenlokal im Umfeld und möchte den bisherigen Standort im vierten Quartal aufgeben, sagt Rösler. Edeka habe keine Schließungsabsichten. Dem Vernehmen nach war die Aldi-Filiale an der „kleinen TaLa“ seit ihrem Bestehen einer der umsatzstärksten je Quadratmeter. Ob sich das durch die deutliche Reduzierung der Parkmöglichkeiten seit dem Umbau/Aufwertung der Straße geändert hat, kann nur vermutet werden.

Längere Einkaufswege für ältere Anwohner

Zu beobachten ist allerdings, dass der Anteil der Kunden, die mit dem Fahrrad oder zu Fuß die Einkäufe erledigen, bei dieser Aldi-Filiale deutlich höher ist, als zum Beispiel bei dem schon nach neuen Kriterien gebautem Geschäft am Erdkampsweg. Das kann mit dem besonderen Umweltbewusstsein dieser Kunden zusammenhängen. Es könnte
aber auch darauf zurückzuführen sein, dass das zu versteuernde Einkommen in Langenhorn deutlich unter dem Hamburger Durchschnitt liegt und damit weniger Kunden ein Pkw zur Verfügung steht. Besonders ältere und/oder einkommensschwache Kunden
müssten sich auf längere Wege einstellen, wenn nicht fast nahtlos ein Discountanbieter das Ladenlokal übernimmt.

Experten legen Bericht vor

Auf die Frage Müllers, ob der Bezirk ein Konzept habe, den Rückzug der Nahversorgung zu stoppen oder umzukehren, führte Rösler aus: „Alle sieben Bezirke erarbeiten gegenwärtig Nahversorgungskonzepte nach gleichen Standards.“ Im Dezember 2015 wurde das Hamburger Büro der GMA (Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung mbH) unter anderem mit einer hamburgweiten Erhebung des Einzelhandels einschließlich Einzelhandelsbetriebsbegehungen beauftragt. Die Übergabe der Erhebungsdaten erfolge nach der letzten Überprüfung vor Ort nach Ende der Sommerpause. Ebenfalls ist die Präsentation des Entwurfs des Nahversorgungskonzepts für den Bezirk Hamburg-Nord im Stadtentwicklungsausschuss vorgesehen. Der Entwurf kann jedoch erst fertiggestellt werden nach Abgleich mit dem in Aufstellung befindlichen Zentrenkonzept, das derzeit im Zeitverzug ist. Ziel ist die Fertigstellung des alle Stadtteile abdeckenden Nahversorgungskonzeptes bis Ende 2017. Die Tangstedter Landstraße sei in diesem Rahmen zu betrachten. Sie gehört zum Bezirksentlastungszentrum Langenhorn rund um den Langenhorner Markt. Dort konzentrieren sich in fußläufiger Entfernung diverse Einzelhandelsbetriebe – neben Aldi, noch Edeka, Kaufland, Lidl, Marktkauf, Netto sowie der größte Wochenmarkt des Bezirks Hamburg-Nord – dazu Bäckereien, Gastronomie und Fachgeschäfte.

Kommentar: Günstig – aber auch vernünftig?

Wäre das nicht schön, den Bäcker, Schlachter, Gemüsehändler, das Schuhgeschäft, einen guten Textilladen oder einen Händler mit breitem Lebensmittelangebot fußläufig vor der Tür zu haben? Hohe Preise sollten die Geschäfte nicht verlangen – da markieren die Discounter die Preisobergrenzen. Unternehmer – und das sind auch die Betreiber kleiner Läden – leben nicht davon, dass die Nachbarschaft sie schätzt, aber woanders einkauft. Davon können sie weder Löhne noch Mieten zahlen. Wenn unternehmerischer Wagemut in Richtung Nahversorgung immer wieder gefordert, aber nicht mit regelmäßigen Einkäufen zu der Kostenstruktur der kleinen Geschäfte entsprechenden Preisen honoriert wird, ist Nahversorgung ein Auslaufmodell. Nicht der Unternehmer – der Kunde entscheidet mit seinem Kaufverhalten darüber, ob sich ein Laden rechnet oder nicht. Natürlich, so kann argumentiert werden, ist Aldi durchaus in der Lage, auch einen möglicherweise inzwischen nicht mehr attraktiven Laden weiter zu betreiben. Das Unternehmen muss es aber nicht. Denn auch ohne Aldi an der „kleinen TaLa“ muss kein Langenhorner Hunger und Durst leiden.Vor 60 Jahren lag das Einkaufszentrum Langenhorns im Backsteingebäude Ecke Schäferhof/Langenhorner Chaussee. Hier hatte „Pro“ einen Milch- und Bäckerladen, eine Schlachterei und einen Kolonialwarenladen, außerdem gab es hier ein Fischgeschäft, einen Obst- und Gemüseladen, die Drogerie Puls, den Edeka-Laden Pfeiffer und den Milch- und Feinkostladen Wollgast. Bereits in einer Zeit, da kaum ein Langenhorner ein Auto hatte, vollzog sich die Verlagerung der Geschäfte in Richtung Langenhorn Markt. Alle „alten“ Läden sind Vergangenheit. Ganz zu schweigen vom „Mini-Edeka“ am Heinrich-Traun-Platz 8 in Fuhlsbüttel, den Gustav Adolf Körner 1948 von seinen Schwiegereltern übernahm und 1975 schließen musste. Nicht, dass die Kunden weggezogen wären – sie orientierten sich nur in Richtung Erdkampsweg, wo größere und günstigere Geschäfte lockten. Der „Spar-Modus“ verändert die Gesellschaft. (Von Franz-Josef Krause)

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