„Lebenswerk ist futsch“

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Die Buchhandlung Selck schließt Ende des Monats nach 30 Jahren am Langenhorner Markt Foto: Nowatzky

Aus für Traditionsgeschäft: Buchhandlung kann höhere Miete nicht zahlen

Von Stefanie Nowatzky
Langenhorn
„Demnächst ist hier gar nichts mehr“, Kundin Almuth Neidhardt ist entsetzt. Die Buchhandlung am Langenhorner Markt wird zumachen – wieder ein alteingesessenes Geschäft, das in Langenhorn schließen muss. Seit 1983 gab es hier die „Buchhandlung Selck“, Anlaufstelle für Bücherfreunde nicht nur an Markttagen. 2007 übernahm Habibolla Djafari die kleine Buchhandlung direkt am Marktplatz. Jetzt steht der Laden vor dem Ende, der Ausverkauf beginnt an diesem Mittwoch. Der Mietvertrag für die alteingesessene Buchhandlung läuft im Sommer aus und wird nicht verlängert. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe: Zum einen wollen die Eigentümer, vertreten durch die Immobilienverwaltung Glander CIE, höhere Mieten für die Läden erzielen. „Ortsüblich sind 30 Euro pro Quadratmeter – und es gibt Interessenten, die bereit sind, das zu zahlen“, so Arne Zischke, leitender Projektmanager der Firma. Anfang des Jahres sollte neu über den Vertrag verhandelt werden. Doch Djafari erkrankte schwer, wird nach 30 Jahren Buchhandel nicht mehr in den Laden zurückkehren. Und so blieben die Verhandlungen aus. Seitdem führt Christiane Kistner als Angestellte den Laden allein, Djafaris Ehefrau Katharina Münnich unterstützt neben ihrer beruflichen Tätigkeit zusätzlich am Wochenende. Sie sagt: „Höhere Mieten sind mit Buchhandel nicht zu bezahlen.“ Und so werden in den kommenden Wochen Bücher und Ladeneinrichtung im Ausverkauf unter die Leute gebracht, bis das Geschäft im Mai ganz schließen wird. Vor allem Christine Kistner ist traurig. Sie stammt aus einer Nürnberger Buchhändlerfamilie, hat nach vielen Jahren hier in Langenhorn endlich wieder im Buchhandel gearbeitet und mag die Arbeit mit den Langenhornern. „Wir haben viele Stammkunden, ganz viele bestellen ihre Bücher per Mail und holen sie dann persönlich ab“, erzählt sie. Auch Stamm-Kundin Wiebke Tiede ist traurig: „Das ist gar nicht schön, das Lebenswerk von Frau Selck ist dann einfach futsch.“ Wenn Kistner nach dem Ausverkauf alle übrigen Bücher katalogisiert und an die Verlage zurückgeschickt hat, wird der Laden zunächst renoviert, vermutlich ab September soll der Nachmieter einziehen. Wer es sein wird, darüber hält sich Zischke noch bedeckt, erklärte aber, das ein langjähriger Mieter sich vergrößern möchte. Die Gerüchteküche brodelt bereits heftig.

„Bücherstube Langenhorn“ eröffnet


Für alle Bücherfreunde gibt es allerdings auch schon Entwarnung: Die Bücherstube Fuhlsbüttel, wie die Buchhandlung am Langenhorn Markt ein Geschäft in Familienhand, wird im neuen Gebäude auf der anderen Seite des Krohnstieg die „Bücherstube Langenhorn“ eröffnen. Torsten Lager, Enkel des Bücherstuben-Gründers Carl Rubow, will hier vor allem Familien ansprechen und sich damit auch in die Tradition der ehemaligen Buchhandlung Selck einreichen. Er war auch an dem Laden direkt am Langenhorn Markt interessiert, winkte aber ab, als er von den Preisvorstellungen hörte. Er suchte weiter, denn das Gebiet rund um den Langenhorner Markt wollte er nicht den großen Buchketten überlassen, die in fast jedem Einkaufszentrum zu finden sind. Statt dessen öffnet er lieber selbst eine zweite Bücherstube. Und so wird nach dem Ende am Langenhorn Markt am 28. Mai nur wenige Schritte entfernt die neue Buchhandlung starten.
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