Letzter Akt im Freibad Ohlsdorf

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Die von Mook wat e.V. 1997 renovierte und genutzte Hauszeile, bis 1972 genutzt als Umkleidehäuser des Freibads Foto: Haas

Umkleidehäuser im Seitentrakt sind Vergangenheit

Von Waltraut Haas
Ohlsdorf
Erbaut wurde es 1927. Nach fast 90 Jahren ist die Sommeridylle von Hamburgs erstem Familienbad im Grünen Grunde schon Geschichte. Wie berichtet, wurde das Freibad Ohlsdorf inzwischen eingeebnet für das Wohnungsbauprojekt „Ohlsdorf 10“ – nach letztem Stand rund 120 Wohnungen, davon 70 Prozent Eigentum – und den Neubau des Hallenbades. Letzter Akt: Jetzt werden auch die früheren Umkleidehäuser im seitlichen Gebäudetrakt abgerissen. Am Hasenberge 53 war knapp 20 Jahre lang der Sitz von „Mook wat“. Seit 33 Jahren ist der Verein sozial und gemeinnützig engagiert in Projekten der Beratung, Beschäftigung und Ausbildung. „Das Umkleidegebäude stand immerhin unter Milieuschutz, es trägt Schumachers Handschrift“, erklärt Kersten Tormin, geschäftsführender Vorstand des Vereins. „Unser Mietvertrag lief zu einer sehr günstigen Pacht. Denn wir hatten das Gebäude nach seinem Leerstand ja zwei Jahre lang in enger Absprache mit dem Amt für Denkmalpflege auf unsere Kosten vollständig saniert“, erinnert sich Tormin. Damals galt es noch, eine Fülle denkmalgerechter Details zu beachten. Schieferdach und Sprossenfenster wurden stilgerecht erneuert, dazu kam der aufwändige Innenausbau mit neuer Heizung. Ab 1997 beherbergte der Seitentrakt mit einer Nutzfläche von 800 Quadratmetern die Projekte Mook wat-Arbeit und Mook wat-Bau, ebenso die Beratungsstelle für Wohnungslose. Es folgte die Vereinsverwaltung. Auch das preisgekrönte Vereinsprojekt JuMBO (Jugend und Migration – Beruf und Orientierung) zog vor zehn Jahren hier ein. „Es wurde immerhin ausgezeichnet als eines der fünf besten deutschen Beschäftigungsprojekte“, betont Tormin. Unterdessen mussten Mook wat und JuMBO weiterziehen. Seit März gibt es die neue Bleibe in der City Nord: am Überseering 5-7. „Für uns ist es das Ende einer Ära. Aber es hilft ja nichts“, sagt Kersten Tormin ein bisschen wehmütig. Wenigstens könnten einige der Einbauten noch weiter genutzt werden: Sie wurden bei der Entkernung des Gebäudes verkauft – zu einem Bruchteil ihres Wertes.

Eingang bleibt erhalten


Im Grünen Grunde bleibt nur das von Fritz Schumacher entworfene Eingangsgebäude erhalten, ebenfalls restauriert von Mook wat. Jetzt dient es dem Verein als Geschäftsstelle, auch die Geschichtswerkstatt der Willi-Bredel-Gesellschaft nutzt es als Treffpunkt. Was den geplanten Wohnungsbau betrifft: Nach Informationen des Bezirksamtes wurde das B-Planverfahren „Ohlsdorf 10“ eingestellt, der Netzauftritt werde demnächst aktualisiert. „Für ein ‚neues‘ vorhabenbezogenes Bebauungsplanverfahren muss erst der Grundstücksverkauf abgeschlossen sein“, erklärt Bezirksamtssprecherin Katja Glahn.
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