Nachbarschaft in Langenhorn friedlich gestalten

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In dieses Bürogebäude am Oehleckerring werden im Oktober 60 junge, unbegleitete Flüchtlinge einziehen Foto: Fuchs
 
Bezirksamtsleiter Harald Rösler verspricht: Wir werden dafür sorgen, dass es funktionieren wird Foto: Fuchs

Leere Büros werden zur neuen Unterkunft für minderjährige Flüchtlinge

Von Burkhard Fuchs
Langenhor
n Rund 40.000 Flüchtlinge hat Hamburg innerhalb der vergangenen Monate aufgenommen, 2500 von ihnen kamen ohne Eltern aus Afghanistan, Syrien, Irak, Somalia oder anderen Bürgerkriegsländern her. Das gab Klaus Dieter Müller in der St. Ansgar-Kirche in Langenhorn bekannt. Dort erklärte der Geschäftsführer des Landesbetriebes Erziehung und Beratung (LEB) etwa 50 Anliegern, warum ein leer stehendes Bürogebäude im Oehleckerring zu einer Unterkunft für 60 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) bis zum Oktober umgebaut werden muss und für zunächst fünf Jahre angemietet wird.

Platz reicht nicht aus


„Wir haben bislang 23 solche Erstversorgungseinrichtungen in der ganzen Stadt, in der zurzeit 1250 junge Flüchtlinge leben.“ Aber das reiche aller Voraussicht nach nicht aus, ist sich Müller sicher. Zwar habe sich die Zahl der neu hinzu kommenden minderjährigen Flüchtlinge vom Höchststand mit 1570 Ende November 2015 etwas abgesenkt, auch wegen des Winters. „Aber wir erwarten in den Sommermonaten wieder einen Anstieg dieser Zahlen.“ So seien im Juni 2014 188 UMF, im April 2015 524 und im Juli 2015 schon 881 UMF nach Hamburg gekommen, zeigte Müller die Entwicklung auf. „Im Januar 2008 waren es nur zehn.“
Bezirksamtsleiter Harald Rösler appellierte an die Langenhorner, diese jungen Menschen so zu empfangen, „dass sie sich vernünftig aufgenommen fühlen und damit die Nachbarschaft friedlich und gedeihlich gestaltet werden kann.“
LEB-Chef Müller und Yvonne Nische, Dezernentin für Soziales, Jugend und Gesundheit im Bezirksamt Nord, erklärten den Anwohnern in der Ansgar-Kirche, was sie zu erwarten hätten. So würde zunächst jeder Jugendliche – 90 Prozent dieser UMF sind 16 und 17 Jahre alt – drei Wochen in eine Erstaufnahme kommen, wo er in Obhut genommen, medizinisch versorgt und für einen Sprachkurs angemeldet werde. Anschließend käme er für etwa acht Monate in ein Erstversorgungsheim wie am Oehleckerring geplant. 20 pädagogische Fachkräfte kümmerten sich abwechselnd rund um die Uhr um diese zum Teil traumatisierten Kinder. Hinzu kämen Sicherheitskräfte, Kulturvermittler, Hauswirtschaftskräfte und je nach Bedarf Dolmetscher, die die bis zu zehn verschiedenen Sprachen in diesen Einrichtungen für die Betreuer übersetzten. Der Tagesablauf sei ganz genauso wie bei deutschen Jugendlichen. Morgens würden sie geweckt, gingen zur Schule, hörten danach Musik, trieben Sport und würden abends Fernsehen oder sich eine DVD anschauen. Spätestens um 22 Uhr würden sie zu Bett geschickt, damit sie den nächsten Tag wieder fit seien. Warum ausgerechnet Langenhorn so stark belastet sei mit Flüchtlingsunterkünften, wollte eine Anwohnerin wissen. „Langenhorn hat schon einen großen Beitrag geleistet, was die Integration angeht“, gab ihr Bezirksamtschef Rösler Recht. Er setze sich aber dafür ein, dass auch andere Hamburger Stadtteile einen gerechten Anteil daran nähmen, was aber in der Innenstadt nicht so einfach umzusetzen sei wie in den äußeren Bezirken. „Dieses Projekt im Oehleckerring ist ein kleiner Baustein in der Flüchtlingsbetreuung. Wir werden dafür sorgen, dass er funktionieren wird.“
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