Neuer Stolperstein in Ohlsdorf

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Der Hamburger Bankier, ermordet von den Nazis
Hamburg. 1938 wurde im Stadtteil Ohlsdorf der - nach dem jüdischen Hamburger Reformpädagogen Anton Rée benannte - Réesweg in Justus-Strandes-Weg umbenannt. Strandes hatte in Afrika bei der Kolonisierung im Namen des Deutschen Reichs mitgewirkt.
Jetzt waren fast 30 Kinder der Klasse 5 des Gymnasiums Alstertal mit dabei, als die Fuhlsbüttler Psychologin Margot Löhr in dieser Straße vor dem Haus Nummer 4 einen Stolperstein für den jüdischen Hamburger Bankier Otto Hertmann (1890-1944) der Öffentlichkeit übergab.
Das Schicksal Hertmanns und steht exemplarisch für viele jüdische Familien, die aufgrund ihrer tiefen Verwurzelung keinen Grund sahen, Deutschland nach der „Machtergreifung“ der Nazis zu verlassen. Nicht nur, dass schon die Eltern Otto Hertmanns zum evangelischen Glauben konvertiert waren – zwei seiner Brüder waren für „Kaiser und Reich“ im 1. Weltkrieg gefallen, seine Ehefrau Inge war „Arierin“ und die Mutter seiner zwei Töchter.
Selbst, als in deren Sandkiste plötzlich ein Schild „Juden unerwünscht“ stand und die Repressalien sich mehrten, blieb die Familie zusammen.
Weil man Otto als Jude die Arbeit versagte und sie Inge Hertmann als Ehefrau eines Juden bald ebenfalls nahm, trafen beide eine schwerwiegende Entscheidung: Sie ließen sich scheiden. Damit war Otto Hertmann ganz der Willkür der NS-Schergen ausgeliefert. Er wurde 1941 nach Minsk deportiert und 1944 ermordet.
Für die Fünftklässler des Alstertalgymnasiums war es nicht leicht zu verstehen, warum die Deutschen in der NS-Zeit das Unrecht an ihren Mitbürgern hinnahmen oder selbst begingen. (fjk)
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