Problematische Straßennamen in Hamburg

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Die Benennung einer Straße nach Adolph Woermann, der sich einen zweifelhaften Ruf erarbeitete, sorgt für Diskussionen im Regionalausschuss Foto: Krause

Adolph Woermann – Wegbereiter eines Völkermordes in Südwestafrika

Fuhlsbüttel Der Arbeitskreis Postkolonial hatte bei einer symbolischen Umbenennung des Woermannswegs darauf hingewiesen, dass dieser – wie rund 30 weitere Straßen in Hamburg – Menschen ehrt, die sich in der Zeit, in der sich europäische Länder anschickten, Afrika aufzuteilen, alles andere als ehrenvoll verhalten haben. Dorle Olschewski bezeichnete Adolph Woermann im Regionalausschuss als einen „ganz schlimmen Finger“. Während die CDU-Abgeordneten sprachlos blieben, wurde fraktionsübergreifend bedauert, dass ein Verbrecher Namensgeber zweier Straßen in Hamburg Nord ist. Per Presseerklärung stellte Martina Lütjens, CDU-Sprecherin im Ausschuss, fest: „Hamburgs Straßennamen sind Teil der Geschichte dieser Stadt. Kritische Beschäftigung mit Geschichte ist richtig. Wir lehnen es aber ab, Geschichte und Erinnerung im Stadtplan nach heutigen moralischen Vorstellungen zu tilgen. Im konkreten Fall lehnen wir eine Umbenennung ab.“ Unstrittig ist, dass Adolph Woermann an dem Völkermord in Südwestafrika in den Jahren 1904 bis 1908 mitschuldig ist. Den hat inzwischen auch die Bundesregierung so benannt.

Rat von der Senatskommission

Die Abgeordneten des Regionalausschusses Langenhorn-Fuhlsbüttel-Ohlsdorf-Alsterdorf-Groß Borstel gaben Holger Tilicki von der Willi-Bredel-Gesellschaft und der Künstlerin HM Jokinen vom Arbeitskreis Postkolonial, Gelegenheit, historische Hintergründe zu schildern und die Forderung, den Namen Woermann aus dem Register der Straßennamen zu tilgen, zu begründen. Obwohl sichtlich beeindruckt, einigten sich die Abgeordneten darauf, vor weiteren Schritten noch den fachkundigen Rat der zuständigen Senatskommission einzuholen. Zwar schien den Volksvertretern die Umbenennung in „Manga Bell Weg“ – einem afrikanischem Regionalkönig, der als Opfer eines Justizmordes 1914 gehenkt wurde, schlüssig. Die Frage, wann sich denn die Willi-Bredel-Gesellschaft von ihrem Namensgeber, Mitglied des Zentralkomitees der SED und sprachlos zu den Verbrechen an Teilnehmern des Aufstands vom 17. Juni 1953, trennt, beantworte Holger Tilicki ausweichend. „Die Frage ist nicht neu. Aber Bredel ist“, befand er, „in vieler Hinsicht ein bemerkenswerter Vertreter der Geschichte.“ (fjk)
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