Reiterhof Rehagen verliert Land für Flüchtlingsheim

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Sebastian Bockholt schaut auf die Weide: Hier muss er umdisponieren Foto: Timm
 
Bockholt bringt Anton in den Stall Foto: Timm

Pferdewirt Sebastian Bockholt muss 3 Hektar Weidefläche abgeben

Von Frank Berno Timm
Hummelsbüttel
Pferdewirt Sebastian Bockholt, der den Reiterhof Rehagen betreibt, musste wegen der kommenden Flüchtlingsunterkunft dreieinhalb Hektar Weideflächen abgeben. Doch sein Reiterhof, auf dem 90 Pferde zu Hause sind, existiert weiter. Das Tempo hier ist anders. Ein Mädchen sitzt auf seinem Pferd und lässt es im Kreis über den Hof laufen. Pferdemist liegt auf einem großen Haufen, die Reithalle ist leer. Hier und da sieht man ein Pferd aus seiner Box schauen. Von fern raunt der Ring 3, ein Hundebesitzer läuft mit seinem Vierbeiner auf der Straße vorbei. Hektik ist hier ein Fremdwort. Hausherr Sebastian Bockholt wirkt, gemessen an der Unruhe, die er offensichtlich hinter sich hat, erstaunlich gelassen. Wir gehen durch seine Ställe: Viele Pferde seien auf der Weide oder zu Turnieren unterwegs, erzählt er. Was hatten die Pläne, am Rehagen eine Flüchtlingsunterkunft mit Perspektive Wohnen auf Dauer zu errichten, für seinen Reiterhof an Auswirkungen? Er habe dreieinhalb von insgesamt 15 Hektar Weidefläche verloren, das müsse irgendwie kompensiert werden. Dass zu dem benachbarten Projekt auch 50 Prozent Sozialwohnungen gehörten, dringe gar nicht durch – die Leute glaubten, bei ihm würden demnächst Flüchtlinge über den Zaun steigen. „Das sind Extreme, die schwer rauszukriegen sind“, sagt Bockholt, der nicht nur Pferdewirt, sondern auch Anwalt ist. Die Weideflächen, die Bockholt gepachtet hatte, seien ihm wegen „besonderem öffentlichen Interesses“ gekündigt worden. Die Fläche sei Landschaftsschutzgebiet (LSG), werde dort herausgenommen, das sei ärgerlich. Bockholt beobachtet morgens dort Rehe. Er bot andere Grundstücke an, darauf sei nicht eingegangen worden. Wie beurteilt Bockholt als Jurist den viel kritisierten Umstand, dass für das Projekt der Sonderparagraf aus dem Baurecht gilt, mit dem die Planung extrem verkürzt wird? Bockholt nennt das Verfahren eine Überdehnung, fügt aber hinzu, inzwischen sei sicher, dass die Wohnunterkunft über den Ring 3 und nicht den Rehagen erschlossen werde. Inzwischen sind wir auf dem eigentlichen Baugebiet angekommen. Noch weiden hier in aller Ruhe die Pferde. Bis zu 60 Ballen Heu habe er hier heruntergeholt, sagt Bockholt, das sei sehr fruchtbarer Boden, es sei ärgerlich, dass er bebaut werde. Der 40-Jährige, der gerade Vater geworden ist, macht aber weiter. Nach wie vor, betont er, kann man bei ihm Pferde unterstellen – 90 sind es im Augenblick, zehn davon gehören ihm. Als das Flüchtlingsprojekt bekannt wurde, gab es Kündigungen und die Warteliste platzte, berichtet Bockholt. Nun verhandelt er mit zwei Eigentümern über Ersatzweideflächen – die Pferde sollen nicht täglich am selben Platz stehen, sie würden „umgeweidet“. In einer der Bürgersammlungen über das Rehagen-Projekt richtete eine seiner Mitarbeiterinnen einen dramatischen Appell an die Verwaltung, in dem sie von großen Schwierigkeiten für den Hof sprach. Und heute? Er sei mit zwei blauen Augen davongekommen. Und dann wird dieser ruhige Mann doch deutlich: Eigentlich, sagt er, hätten die Politiker vor der Wahl sagen müssen, dass sie 10.000 Wohnungen im Jahr bauen wollen.
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1 Kommentar
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Klaus Risser aus Hummelsbüttel | 18.08.2016 | 10:50  
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