Rettung in letzter Minute für Hamburger Flüchtling

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In der vergangenen Woche wurden 34 abgelehnte Asylbewerber nach Afghanistan abgeschoben Symbolfoto: thinkstock

Anwalt verhindert Abschiebung eines Afghanen aus Langenhorn

Von Frank Berno Timm
Langenhorn
Der Fall machte bundesweit Schlagzeilen: Bei der Sammelabschiebung von 34 abgelehnten Asylbewerbern nach Afghanistan protestierten Hunderte Menschen am Frankfurter Flughafen. Zu den Passagieren gehörte auch Fereidun S. aus Langenhorn. Der 35-Jährige lebt seit 21 Jahren in Hamburg. Seine Abschiebung wurde in letzter Minute verhindert. Zolfa Assadi kennt Fereidun S. persönlich. Vor mehr als 20 Jahren ist der heute 35 Jahre alte Mann aus Afghanistan nach Deutschland gekommen. Wegen der angespannten Lage in seinem Heimatland durfte er bleiben, wurde aber immer nur geduldet. Freunde berichten, dass Fereidun S. „sich nichts zu Schulden kommen lassen hat und in Vollzeit gearbeitet hat.“ Trotz der Geburt seiner Tochter vor drei Monaten, bekam er am Dienstag – einen Tag vor der Abschiebung – die Information, dass er das Land verlassen müsse. Die Ausländerbehörde beschreibt Fereidun S. anders und begründet die Ausweisung: „Bei Fereidun S. handele es sich um einen mehrfach in Erscheinung getretenen Straftäter, der zuletzt 2012 verurteilt worden sei“, so ein Sprecher der Ausländerbehörde. Die Eheschließung nach islamischen Recht sei in Deutschland nicht anerkannt und daher kein Bleibegrund. Auch die Vaterschaft besteht nicht offiziell, da er sie bisher nicht bei den Behörden erklärt habe. Nachdem Afghanistan vom Bundesinnenministerium zu einem sicheren Herkunftsland erklärt worden ist, sind nun abgelehnte aber geduldete Asylbewerber ausreisepflichtig. Abschiebungen können laut Behörde auch unangekündigt durchgeführt werden. Fereidun S. Abschiebung begann am frühen Mittwochmorgen. Gegen zwei Uhr kommen 16 Polizisten in seine Wohnung, so beschreibt Zolfa Assadi, die in Hamburg Integrationskurse organisiert, die Situation. Laut Assadi wurde Fereidun nach Frankfurt gebracht; Bargeld, das er bei sich trug, habe er abgeben müssen – wie auch die anderen Passagiere, die mit einer Chartermaschine ausgeflogen werden sollten. Ihr Freund sei während der ganzen Prozedur geduzt und von den Beamten beleidigt worden – nur ein Hamburger Polizist habe sich für das Vorgehen seiner Kollegen entschuldigt. Der Anwalt des Mannes erwirkte in letzter Minute eine gerichtliche Eilentscheidung, nachdem er von der Abschiebung in einer Facebook-Gruppe erfahren habe. Die Ausländerbehörde will nun die näheren Umstände der Abholung aufarbeiten. „Dass Fereidun S. während der gesamten Aktion geduzt wurde, sei nicht angemessen. Das Einziehen des Geldes ist laut Behörde rechtens – abgeschobene müssten für die Aktion selbst aufkommen“, so ein Sprecher. Weiter heißt es, nun müsse über den Eilantrag und seinen Asyl-Folgeantrag entschieden werden. Der Hamburgische Flüchtlingsrat kritisierte die Aktion. „Abschiebungen nach Afghanistan seien total menschenrechtsverachtend“, so Mitarbeiterin Mira Knödler.
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