Stadt stellt P+R am Ochsenzoll auf den Prüfstand

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P+R-Chef Heino Vahldieck: Er wohnt selbst zentral auf der Uhlenhorst Foto: mdt

P+R-Chef Heino Vahldieck im Interview über leere Anlagen nach Einführung der Gebührenpflicht und neue Pläne

Hamburg Leere Parkhäuser am Stadtrand und Staus in der Innenstadt. 300 Tage nach der Einführung von Gebühren bei Park-and-Ride-Parkplätzen zeichnen ADAC und Opposition ein düsteres Bild des Bezahlsystems. Derweil gab das Managementt des Krohnstieg-Centers am Langenhorner Markt bekannt, dass Autofahrer künftig nach drei Stunden Parkdauer Gebühren zahlen müssen. Das sei eine Reaktion auf die Gebühren im P+R-Haus.
Das Wochenblatt stellt das Konzept im Interview mit Hamburgs P+R-Chef auf den Prüfstand. Bleiben nach der Einführung Tausende Parkplätze ungenutzt? Wem nutzt das System tatsächlich, den Pendlern oder der Stadtkasse? Heino Vahldieck über Leerstand, Gebühren und neue Parkplätze.

Wochenblatt: Herr Vahldieck, zehn Monate nach der Einführung von Gebühren an P+R-Anlagen sind Tausende Parkplätze leer, viele Pendler fahren wieder mit dem Auto in die Innenstadt. Wie gut oder schlecht war der Start in Hamburg aus Ihrer Sicht?
Heino Vahldieck: Es ging darum, den Nutzern von U- und S-Bahn einen Platz auf den P+R-Anlagen zu sichern, auch denjenigen, die vielleicht erst im Laufe des Vormittags erscheinen. Weiterhin sollten die Anlagen durch die Einführung der Entgeltpflicht von Fremdparkern befreit werden. Diese Ziele scheinen mir weitgehend erreicht. Erfreulich ist darüber hinaus, dass wir durch die Einführung der Nutzerfinanzierung dem Steuerzahler wohl nicht mehr auf der Tasche liegen werden.

WB: Was sind denn die Vorteile für die Pendler?
Vahldieck: Wir können heute jedem Pendler einen Parkplatz faktisch garantieren. Das war vor einem Jahr nicht möglich, als viele Anlagen hoffnungslos überfüllt waren. Unter den Nutzern waren damals auch viele Fremdparker, die den öffentlichen Nahverkehr gar nicht nutzten und den Pendlern so die Stellplätze wegnahmen. Die machen sich jetzt natürlich rar.

WB: Sie meinen, auf den vielen Tausend Parkplätzen, die heute frei sind, standen zuvor nur Fremdparker?
Vahldieck: Sicherlich zu einem großen Teil. Aber es bleiben natürlich auch solche Nutzer fern, die sich in der Umgebung nach kostenlosen Alternativen umschauen oder zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Bus die nächste Haltestelle erreichen. Mit all dem haben wir gerechnet, über das Ausmaß sind wir allerdings ein wenig überrascht.

WB: Nur ein wenig? Die Erfahrungen von vielen Anwohnern und Pendlern ist, dass die Anlagen seit Gebühreneinführung oft zur Hälfte leer sind. Statt dessen werden Straßen in der Nachbarschaft zugeparkt.
Vahldieck: Wir haben mit einem Rückgang von 15 bis 20 Prozent gerechnet. Nun müssen wir aber feststellen, dass einige Anlagen nach der Umstellung spürbar leerer sind als zuvor.

WB: Gab es auch positive Überraschungen?
Vahldieck: Ja, wir haben mehr Jahreskarten verkauft als gedacht. Zurzeit liegen wir bei deutlich mehr als 800, damit haben sich fast 20 Prozent unserer Kunden für langfristige Tickets entschieden. Das deuten wir als Zuspruch. Dabei nehmen wir auch gern in Kauf, dass die Einnahmen mit den Jahreskarten geringer ausfallen als bei den Tagestickets.

WB: Wie sieht es denn mit den Einnahmen aus? Schließlich hängen die doch direkt mit der Auslastung ihrer Anlagen zusammen.
Vahldieck: Da haben wir von vornherein eher vorsichtig kalkuliert. Wir haben bei der Einführung des Konzeptes mit Einnahmen von 700.000 bis 1,5 Millionen Euro im ersten Jahr gerechnet. Jetzt zeichnen sich jährliche Einnahmen von deutlich mehr als 1,1 Millionen Euro brutto aus dem Automatenverkauf ab. Hinzu kommen die Erlöse der verkauften Jahreskarten. Trotz der unerwartet niedrigen Auslastung konnten wir unser Ziel also erreichen.

WB: Wie hoch war das Defizit in den vergangenen Jahren?
Vahldieck: Wir wurden bis 2014 mit Summen von bis zu 600.000 Euro aus Steuermitteln subventioniert.

WB: Nach den ursprünglichen Senatsplänen sollen in den kommenden Jahren Tausende Parkplätze hinzukommen. Wollen Sie nicht erstmal ihre bestehenden Parkhäuser vollmachen?
Vahldieck: Die Ausweitung der Zahl der P+R-Plätze ist ein Prozess der Jahre dauern wird. In der Summe beschreibt das P+R-Konzept ein Potenzial von 2.350 neuen Parkplätzen. Natürlich wollen wir Überkapazitäten vermeiden und bauen nicht blind neue Parkhäuser in Hamburg. Wir führen noch in diesem Jahr Machbarkeitsstudien zu acht Standorten durch, darunter Berne, Ochsenzoll, Billwerder Moorfleet und Tonndorf. Bei schon bestehenden Anlagen geht es um Erweiterungen. Liegen uns die Studien vor, haben wir genauere Daten zum Bedarf, den Kosten und der Machbarkeit der Objekte.

WB: Finanzieren Sie die Studien und die neuen Anlagen aus den Einnahmen von P+R?
Vahldieck: Nein, das wird von der Stadt finanziert. Der entsprechende Finanzierungsantrag ist bereits genehmigt.

WB: Herr Vahldieck, wo sehen Sie P+R in fünf Jahren? Sind die Parkhäuser voll?
Vahldieck: Der ÖPNV wird generell an Bedeutung weiter zunehmen. Es wird immer weniger Spaß machen, mit dem eigenen Auto in die Stadt zu fahren. Versuchen Sie mal einen legalen Parkplatz in der Innenstadt zu finden, auf dem Sie Ihr Fahrzeug den ganzen Tag kostenfrei abstellen können. Unter diesen Umständen wird auch Park+Ride an Bedeutung gewinnen; nicht als Allheilmittel, aber als ein wichtiger Baustein moderner Verkehrspolitik. (mdt)
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