Streit in Ochsenzoll: Verkehr oder Natur?

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Zumindest diese 111-jährige Winterlinde wollen die Bürgerrechtler Sabine Lüthje (l.), Joachim Lau und Karen Wilbrandt retten Foto: Blume

Fußgänger und Bäume müssen imaginärem Autoverkehr weichen

Von Claudia Blume
Langenhorn
Ein kläglicher Stumpf ist alles, was von der stattlichen Winterlinde übrig geblieben ist. 91 Jahre wachte der aktuelle „Baum des Jahres 2016“ über den Ochsenzoll – nun musste er dem Ausbau des neuen Verkehrsknotens an der Einmündung Langenhorner Chaussee/Stockflethweg weichen. Weitere 15 Linden, Buchen und Eichen fielen ebenfalls bereits den Straßenbauarbeiten zum Opfer. „Ein Frevel“, erbost sich Karen Wilbrandt von der Bürgerinitiative Stockflethweg. Auf fünf Spuren soll die Langenhorner Chaussee ausgeweitet werden, der Stockflethweg erhält an der Kreuzung drei Fahrstreifen (das Wochenblatt berichtete). Wesentliche Grundlage für die Umgestaltung war die ursprünglich geplante P&R-Anlage beim Autohaus Wichert, die jedoch nicht verwirklicht wurde und nun vom Betrieb selbst genutzt wird. „Teilweise über 100 Jahre alte, ortsprägende Bäume für eine überdimensionierte Autoschneise abzuholzen, das entbehrt jeder Grundlage, zumal sich das Verkehrsaufkommen nicht an die Prognosen der Hamburger Verwaltung hält“, sagt Joachim Lau von der Initiative. Nach Daten einer Verkehrszählung im Jahr 2005 werden 10.000 Autobewegungen pro Tag für den Bereich hochgerechnet. „Eigene aktuelle Messungen ergeben jedoch lediglich ein Viertel des Verkehrs“, erklärt Lau. Staus fänden trotz Zweispurigkeit durch eine Baustelle auch in Spitzenstunden nicht statt. Da das Neubauvorhaben bereits zu 70 Prozent realisiert ist, fragt er sich nun, wo der kalkulierte Verkehr herkommen soll. Seine Mitstreiterin Sabine Lüthje ergänzt: „Die Politik hat uns eine Aufwertung des Quartiers versprochen, aber statt attraktiver Einkaufsmeile bekommen wir eine Durchfahrtschneise mit extrem schmalen Fußwegen, obwohl hier viele Senioren und Menschen mit Behinderung wohnen.“ Die Bürgerrechtler haben nachgemessen: Auf der östlichen Seite am Autohaus ergibt sich anhand von Markierungen eine Gehwegbreite von lediglich 2,50 Metern. „Obwohl Planungsrichtwerte mindestens drei Meter vorsehen“, so Sabine Lüthje, „die Fußwege sind weder barrierefrei noch normgerecht.“ Nicht nur der Bürgerwille werde in den Augen der Aktiven übergangen. „Unser Bürgerbegehren wurde voriges Jahr offiziell von der Politik übernommen, aber zur Umsetzung ist es nicht gekommen.“

Weitere Infos: Bürgerinitiative Stockflethweg
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