Streit um Taxistand

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Nur noch vier Taxis haben jetzt Platz am Markt. Wenn nachfolgende Fahrer auf Busspur oder Bahnhofsvorplatz warten, werden sie angezeigt. Polizei und Bezirksamt planen, den Taxistand zu verlegen – zum Ärger der Fahrer Foto: Krause
 
Arno Siemers (l.) und Bernd Kugelmann fahren seit Jahrzehnten in Langenhorn Taxi Foto: Krause

Behörden wollen Standplätze verlegen. Vermehrt Anzeigen gegen Fahrer

Von Franz-Josef Krause
Langenhorn
„Es ist empörend, was sich die Taxifahrer hier herausnehmen.“ Detlef Hannicke, der Hausmeister des Bürgerhauses, ärgert sich: „ Bis zu zwölf Taxis habe ich an Vormittagen schon gezählt, von denen immer etliche den ohnehin knappen Parkraum für Bürger, die hier einkaufen wollen, wegnehmen. Ich habe öfter schon Anzeige erstattet – doch die Polizei tut nichts.“
Empörung gibt es auch knapp 100 Meter entfernt, am Taxistand vor dem U-Bahnhof Langenhorn-Markt. Aber sie klingt so: „Ich fahre seit mehr als 50 Jahren in Langenhorn Taxi, doch was man sich hier geleistet hat und wie man gegen uns vorgeht, ist beispiellos“, sagt Chauffeur Arno Siemers. Und ein Kollege, der nicht genannt werden möchte, spricht gar von einem regelrechten „Krieg“, der in Langenhorn gegen seine Kollegen und ihn geführt werde.
Worum geht es? Bei der Umgestaltung der südlichen Tang-stedter Landstraße wurde der früher doppelreihige Taxenstand vor dem Bahnhof von acht auf vier Standplätze halbiert. Sind die belegt, stellen sich überzählige Fahrer auch gern mal auf den Bahnhofsvorplatz oder auf Parkplätze am Straßenrand. Dort werden sie dann angezeigt – von Hannicke oder von der Polizei.
Auch Bernd Kugelmann ist kein Neuling im Taxigewerbe „Wir sind hier fast alle schon zur Kasse gebeten worden“, berichtet er. Bernd Kugelmann: „Wir sind hier fast alle schon zur Kasse gebeten worden“, berichtet er, „für mich gibt es keinen logischen Grund, warum man die Bereitstellungszone für Taxis so verkleinert hat, dass nur noch vier Wagen Platz finden. Wer anders steht, wird angezeigt oder die Polizei wird von sich aus tätig. Kostenpunkt jeweils 78 Euro.“
Dabei gäbe es durchaus die Möglichkeit, dass Taxis, wie Lieferfahrzeuge auch, kurzzeitig auf dem großzügig ausgebautem Bahnhofsvorplatz warten, bis sie sich in die Vierer-Warteschlange einreihen können. Auch Taxifahrer Manfred Lietz ist über die Entwicklung enttäuscht und verbittert. „All‘ unsere Argumente im Vorfeld der Umgestaltung wurden ignoriert. Dabei sind Taxis laut höchstrichterlicher Entscheidung Teil des öffentlichen Nahverkehrs, so wie Busse und Bahn auch.“

Argumente ignoriert


Was er nicht verstehen kann ist: Warum haben die man das doppelreihige Stehen der Mietwagen zugunsten eines geringfügig größeren, kahlen Bahnhofvorplatzes unmöglich gemacht hat. Was die Taxifahrer ebenfalls nervt: Früher gab es eine Haltelinie vor der Ampel. Sie sorgte dafür, dass die startenden Taxis sich vor dem fließenden Verkehr aufstellen konnten - damit war auch ein Linksabbiegen in den Krohnstieg gefahrlos möglich. Heute müssten beim Ausfahren vom Taxistand zwei Rechtsabbiegespuren gekreuzt werden – das ist aber ordnungswidrig und gefährlich. Somit ist lediglich das Rechtsabbiegen möglich – das bedeutet einen Umweg und Mehrkosten für Fahrgäste, die eigentlich in Richtung Langenhorner Chaussee gefahren werden möchten.
Warum diese Verschlechterung? Zu beiden Fragen hatte das Bezirksamt Nord bis Redaktionsschluss keine Antwort. Die missliche Situation hatte bereits im Januar zu einem Antrag im Regionalausschuss geführt, der aktuell auch der Bezirksversammlung vorlag. Die CDU-Fraktion will die Haltelinie wieder zurückverlegen. Außerdem fragen die Christdemokraten, ob der jetzige Taxistand verlängert oder verlegt werden könne.
Gegen eine Verlängerung hat der HVV allerdings schon sein Veto eingelegt. Die gehe zu Lasten der Barrierefreiheit von Bus und Haltestelle, argumentiert der Verkehrsverbund.
Fahrer Manfred Lietz, der die Interessen seiner Kollegen bündelt, hat sich inzwischen juristischen Beistand geholt. Den werden die Fahrer vielleicht brauchen, denn mittlerweile prüfen Bezirk und Polizei allen Ernstes, die Taxen vor ihrem historischen Platz vor dem Bahnhof in die „große“ Tangstedter Landstraße vor die Oil-Tankstelle (vier Plätze) sowie direkt gegenüber vor das Haus Nr. 94 (vier Plätze) zu verlegen. Dieser Absicht erteilt Lietz im Namen seiner Kollegen eine klare Absage: „Dorthin verläuft sich kaum ein Kunde“, ist Lietz überzeugt.

Noch nichts beschlossen


Seit der Umgestaltung der „kleinen Tala“ läuft es dort nicht mehr so richtig „rund“. Das weiß auch die Polizei. Burkhard Rüland vom Langenhorner Kommissariat 34 räumt ein, dass Verbesserungsbedarf bestehe. „Die Bauarbeiten dürften kurzfristig abgeschlossen sein und dann insgesamt mehr Parkraum zur Verfügung stehen“, sagt der Verkehrsexperte der Polizei. „Zusätzlich werden wir Fahrrad-Bügel umsetzen und so vier zusätzliche Parkplätze gewinnen.“ Die seien aber nicht als Wartebuchten für Taxis gedacht. „Hier beobachten wir noch – die Verlegung des ganzen Standes vor die Oil-Tankstelle und das Haus 94 ist eine denkbare Option, aber noch keine Beschlusslage“,so Rühland. Sicher sei aber, dass der Bahnhofsvorplatz demnächst abgesperrt werde – mit Poller oder Schranke.
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