Tangstedt: Pferdesteuer sinnvoll?

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„Reiten ist kein Luxussport“, sagt Dörthe Korff, die Kindern wie Stine (l.) und Lottje Spaß im Umgang mit Ponys vermittelt Foto: Blume

Interessengemeinschaft warnt vor einer Abgabe

Von Claudia Blume
Tangstedt
Wieder einmal wird in Tangstedt über die Einführung einer Pferde- oder Boxensteuer nachgedacht. Auf Antrag der Bürgergemeinschaft Tangstedt (BGT) arbeitet die Verwaltung derzeit an einem umsetzbaren Konzept. Offiziell geht es vornehmlich um die Pflege der Reitwege auf Gemeindegrund, doch angesichts eines Haushaltdefizits von knapp einer Million Euro wäre eine vermeintlich sprudelnde Geldquelle gefunden, da die Abgabe nicht zweckgebunden ist und von der Kommune beliebig eingesetzt werden kann. Mit Bad Sooden-Allendorf, Kirchheim und Schlangenbad kassieren bereits drei Gemeinden in Deutschland von Pferdehaltern zwischen 90 und 300 Euro pro Tier. In Tangstedt sind etwa 700 Pferde in Boxen untergebracht; Weidegemeinschaften und Offenställe nicht mitgezählt. „Wir möchten auf keinen Fall die vierte Gemeinde werden“, sagt Dörthe Korff von der Ponyreitschule Fortys Farm. Zusammen mit sechs weiteren Reitstallbetreibern hat sie eine Interessenvertretung gegründet, die im Dialog mit der Politik eine Pferdesteuer verhindern möchte. „Weiß die Gemeindevertretung, dass Pferde keine Luxus- sondern Wirtschaftsfaktoren sind?“, fragt Daniel Ostendorf, Züchter und Anwalt für Pferderecht. „Örtliche Tierärzte, Schmiede, Reitlehrer, Futtermittelhändler und Reitsportausrüster sind unmittelbar mit der Pferdehaltung verbunden. Zudem profitieren Gastronomie und Einzelhandel von den Reitern, die einen Großteil ihrer Freizeit in Tangstedt verbringen. Mit Einführung einer Pferdesteuer würden sie ihre Vierbeiner wohl in Nachbargemeinden unterbringen.“ Das Argument teilt auch die Tangstedter CDU. „Nach unseren Recherchen trägt sich eine Pferdesteuer nicht und der Verwaltungsaufwand wäre zu hoch“, so Arne Müssig. „Tangstedt hat einen Ruf als pferdefreundliche Gemeinde zu verlieren“, betont FDP-Mann Peter Larsson. Die SPD steht einer Steuer grundsätzlich positiv gegenüber. „Pferde kosten die Gemeinde bisher kein Geld“, erklärt Tanja van den Eijnde-Pieper. „Rund 60 Kilometer Reitwege – der Großteil auf Privatgrund – werden von Landwirten und Stallbetreibern gepflegt. Jährlicher Kostenpunkt: 20.000 Euro. Übernimmt das dann künftig die Gemeinde?“, fragt die Inhaberin des Lindenhofs. Bis der Finanzausschusses am 20. April tagt, werden die Pferdeleute mit allen Parteien sprechen, denn „es herrscht vielfach Unwissenheit zu dem Thema“, weiß Daniel Ostendorf. Eine Entscheidung könnte die Gemeindevertretung am 8. Juni fällen.
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