Tödliche Unfälle im toten Winkel

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Polizeioberkommissar Ronald Börnner befindet sich hier genau im toten Winkel des Lkw (orange Fläche) Foto: to
 
Polizeidirektor Ulf Schröder und Maren Hering (VSH) setzen sich für mehr Sicherheit und Rücksichtnahme ein Foto: to

Polizei Hamburg und Lkw-Verband ziehen an einem Strang für mehr Aufklärung

Von Thomas Oldach
Hamburg
Der „tote Winkel“ heißt nicht nur so – er bedeutet auch eine der größten Gefahren für Leib und Leben von Radfahrern und Fußgängern im Straßenverkehr. Seit Jahresbeginn sind in Hamburg allein bei Unfällen zwischen Lkw und Fahrradfahrern bereits drei Menschen tödlich verunglückt. Erst vor Wochen kam es zu zwei folgenschweren Unfällen: Ein elfjähriger Junge wurde in Ochsenwerder von einem Lastwagen überrollt. Einen Tag darauf starb eine 19 Jahre alte Radfahrerin auf der Wandsbeker Chaussee in Eilbek. Der Lkw-Fahrer hatte sie beim Rechtsabbiegen übersehen und überfuhr die junge Frau. Bundesweit sterben nach Angaben der Unfallkasse Nord sogar 130 Radfahrer und Fußgänger bei Unfällen mit rechts abbiegenden Lkw. Doch sind immer nur die Lkw-Fahrer schuld an diesen Unfällen? Die Antwort der Polizei in Hamburg sowie vom Verband Straßengüterverkehr und Logistik Hamburg (VSH) lautet da ganz klar: Nein. Stattdessen wird für mehr Zusammenarbeit zwischen Radfahrern und Fußgängern auf der einen und Lkw-Fahrern auf der anderen Seite geworben. Denn erst ein Blick in den Außenspiegel machte auch dem Wochenblatt erst deutlich, was der Lkw-Fahrer vom Fahrersitz aus wirklich sehen kann – nämlich relativ wenig, vom Bereich vor und hinter dem Fahrzeug einmal ganz zu schweigen. In den toten Winkel eines 13 Tonners mit einer Länge von rund neun Metern „passt“ sogar eine ganze Schulklasse. Kein Wunder, dass man „vom Bock“ aus mal etwas übersieht. Leider sind die Folgen meist fatal. Deshalb hat Hamburgs Polizei zusammen mit dem VSH kürzlich veranschaulicht, worauf Lkw-Fahrer, Fußgänger und Radfahrer achten müssen, um Unfälle zu vermeiden. „Wir möchten alle Verkehrsteilnehmer dafür sensibilisieren, wie gefährlich der tote Winkel ist“, so Hamburgs Polizeidirektor Ulf Schröder und Maren Hering, VSH-Pressesprecherin. Die Zusatzspiegel – Rampenspiegel und Anfahrtsspiegel – helfen, den toten Winkel so klein wie möglich zu halten. Neue Lkw-Modelle sind serienmäßig damit ausgestattet, ältere würden nachgerüstet, sagt Hering: „Wir sensibilisieren die Fahrer, die Spiegel vor der Abfahrt zu kontrollieren.“ Wie wichtig das ist, verdeutlichte die Plane, die rechts neben dem Polizei-Lkw ausgelegt war. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) fordert, Abbiege- und Bremsassistenten für Lkw zur gesetzlichen Pflicht zu machen. Diese elektronischen Systeme warnen Rechtsabbieger vor Radfahrern oder Fußgängern, die im rechten Seitenraum übersehen werden, und bremsen bei Gefahr den Lkw bis zum Stillstand ab. Doch bis es soweit ist, sei erhöhte Vorsicht geboten, sagt der ADAC. Zur eigenen Sicherheit sollten Radfahrer sich nicht im toten Winkel aufhalten: Das bedeute, an einer roten Ampel lieber hinter einem Lkw stehen, statt daneben zu warten: „Und besser auf sein Vorrecht verzichten und den Laster abbiegen lassen. Der ADAC rät auch, Blickkontakt mit dem Fahrer aufzunehmen und sich als Radfahrer bemerkbar machen. Denn die seien eindeutig eines der schwächsten Glieder im Straßenverkehr, sagt Ronald Börnner. Er muss es wissen, denn der 51-Jährige ist als Polizist der Fahrradstaffel täglich auf Hamburgs Straßen unterwegs. Der Oberkommissar startet in einem achtköpfigen Team (sechs Männer, zwei Frauen) zu Touren von bis zu 30 Kilometern pro Tag zwischen Altona und Alster: „Mitunter sind in aktuellen Situationen auch Strecken bis nach Neugraben notwendig.“ Kein Wunder, dass die Fahrradstaffel nicht überall sein kann, wo Radfahrer sich nicht „ganz sauber“ verhalten. Zumal die Besetzung der Fahrradstaffel von November bis März auf fünf reduziert wird. So kann Aufklärung und Kontrolle wohl kaum funktionieren.

Hilfestellung in Sachen Lkw- und Radfahrerverkehr gerade für Schulklassen bieten auf Anfrage jede Polizeidienststelle. Weitere Infos: Polizei Hamburg und Lkw-Verband Hamburg
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7 Kommentare
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Elke Noack aus Rahlstedt | 02.11.2016 | 18:48  
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J. Stender aus Wandsbek | 03.11.2016 | 15:27  
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Rainer Stelling aus St. Georg | 04.11.2016 | 13:38  
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J. Stender aus Wandsbek | 04.11.2016 | 14:14  
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Rainer Stelling aus St. Georg | 04.11.2016 | 19:48  
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Klaus Sebaldt aus Barmbek | 04.11.2016 | 19:53  
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Rainer Stelling aus St. Georg | 04.11.2016 | 21:28  
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